US-Show Silver Tour: Marihuana für Oma

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Fast 30 Jahre lang saß Robert Platshorn wegen Marihuana-Schmuggels im Gefängnis. Den Glauben an die Kraft der Pflanze hat er nicht verloren: Heute zieht der 70-Jährige durch Florida und lockt Senioren mit Gratis-Buffets in seine Shows - und wirbt für die Legalisierung der Hanfpflanze.

Heilmittel Cannabis: Mission Marihuana Fotos
Robert Platshorn

Kostenlose Buffets sollen Robert Platshorn helfen, die Welt zu verändern. Mit dem Gratis-Essen lockt der Amerikaner hungrige Senioren in seine Shows. Dort verkauft er ihnen die Vorzüge eines altbekannten Wirkstoffs. Patienten mit Tumorerkrankungen berichten, wie sie wieder zu Kräften kamen; Ärzte erzählen, wie sie einen Ausweg für ihre geplagten Schützlinge fanden. Cannabis hieß die Lösung ihrer Probleme - und soll künftig für alle Amerikaner legal verfügbar sein, fordert Platshorn.

Der 70-Jährige hat vor zwölf Monaten die Silver Tour ins Leben gerufen - eine Show, die über das Potential der Hanfpflanze als Heilmittel informiert. Der Fernsehsender CNN hat bereits über Platshorn berichtet, sogar das renommierte "Wall Street Journal" interessierte sich für seine Kampagne. Der Amerikaner möchte erreichen, dass Patienten in seiner Heimat Florida Cannabis für medizinische Zwecke verwenden dürfen, ähnlich wie in den US-Staaten Kalifornien, Hawaii oder Oregon . Vor allem aber möchte er, dass Marihuana in den ganzen USA legalisiert wird, auch ohne ärztlichen Segen. Und um dies zu erreichen, hat er sich eine besondere Strategie ausgedacht: Er will die Bevölkerungsgruppe erreichen, die sich der Legalisierung am meisten widersetzt. "Wir müssen die Senioren für uns gewinnen", sagt er.

Neidvoll blicken deutsche Aktivisten auf die Arbeit des Kollegen. "So weit sind wir in Deutschland noch lange nicht", sagt Georg Wurth, Sprecher des Deutschen Hanfverbands. Doch sieht er auch in Deutschland ein zunehmendes Interesse am Thema. Immerhin hat sich die Zahl privater Mitglieder des Hanfverbands von Ende 2011 bis heute auf 753 Personen verdoppelt, die Anzahl der Facebook-Fans stieg in den vergangenen 2,5 Jahren von 500 auf mehr als 30.000. Sie stünden an der Schwelle zu einer Massenbewegung, glaubt Wurth. Und kann sich künftig ähnliche Aktionen wie die Silver Tour vorstellen - wenn auch in einem kleineren Rahmen.

"Ich wollte etwas für diese Menschen tun"

Acht Shows hat Platshorn inzwischen aufgeführt und auch einen halbstündigen Werbespot gedreht. "Warum Oma Marihuana rauchen sollte", heißt der Film übersetzt. Darin ermuntert er die Zuschauer dazu, seine Tour auch finanziell zu unterstützen. Für eine Spende von 25 Dollar erhalten sie einen Anstecker in Form eines Hanfblatts, für eine 100-Dollar-Spende zusätzlich noch eine DVD und Platshorns handsignierte Memoiren, die er einst im Gefängnis schrieb.

Fast 30 Jahre lang saß der Amerikaner wegen Marihuana-Schmuggels hinter Gittern, länger als jeder andere Schmuggler seiner Art in den USA. "Und als ich entlassen wurde, kamen gleich meine Nachbarn auf mich zu", berichtet Platshorn. Zum Beispiel der 70-jährige Herr, dessen Ehefrau unter Multipler Sklerose litt und der es nur unter Cannabis-Einfluss besser ging. Der alte Mann hatte Angst, sich unter die Drogendealer zu begeben, hatte Angst, ausgeraubt zu werden. Ob Platshorn nicht helfen könne, hatte der Nachbar gefragt. Da sei er auf die Idee mit der Silver Tour gekommen. "Ich wollte etwas für diese Menschen tun", sagt er.

Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze bei Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Chemotherapie helfen können, bei Appetitlosigkeit, bei Spastik und vermutlich auch bei chronischen Schmerzen. In Deutschland können schwerkranke Patienten seit dem Jahr 2005 einen Antrag auf Selbstmedikation beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellen. 278 Ersuche gab es seither, 140 von ihnen wurden bewilligt. "Viele Patienten finden aber keinen Arzt, der ihnen dabei helfen will", sagt Franjo Grotenhermen, Arzt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. Zusätzlich dürfen schwerkranke Bürger neuerdings unter strengen Voraussetzungen Cannabis zu Hause selbst anbauen, so ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster im Dezember 2012.

Auch Platshorn hofft auf Veränderungen, dass etwa mit Hilfe seiner Kampagne Marihuana in diesem Jahr für medizinische Zwecke in Florida zugelassen wird. Seinen Werbefilm hat er bereits bei fünf privaten Fernsehsendern gezeigt. Und jeden Tag erhält er drei bis vier Show-Anfragen aus allen Winkeln der USA. Allerdings hat ihm seine Bewährungskommission im Mai 2012 verboten, außerhalb seiner Heimat für Marihuana zu werben. Seither muss Platshorn seine Reden auf Südflorida beschränken.

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Juchhee
addit 06.02.2013
...die USA!! Super, was die manchmal so hervorbringen!
2. kiffen..
fair 06.02.2013
Ich finde,es sollte legalisiert werden.Die positiven Eigenschaften sollten nicht so unter den Teppich gekehrt werden.Und Missbrauch....naja,den kann man mit all dem anderen Kram wie Alkohol, Zigarretten und Pillen jeglicher Art ja auch betreiben.Und da liegen die Schaeden sicher hoeher als bei Kanabis.Ich habe jedenfalls noch nicht gehoert,dass sich jemand totgekifft hat,totgesoffen dagegen schon! Jeder Arzt weiss um die Vorzuege dieser Pflanze.Also....
3. irgendwie witzig. ..
Sgt.Moses 06.02.2013
In den USA hat die unselige prohibitionspolitik ihren Anfang, nunnehmen die USA wieder eine Vorreiterrolle bei der Legalisierung ein. Irgendwie schon lustig. ..
4.
Flo Rian 06.02.2013
Hoffentlich kommt es hierzulande endlich mal zu einem Umdenken. Viele europäische Länder versuchen es mit neuen Wegen in der Drogenpolitik, speziell beim Thema Cannabis. Es ist nicht mit gesundem Menschenverstand zu erklären, dass die viel gefährlichere Droge Alkohol in jedem Supermarkt erhältlich ist und vor Fussballspielen beworben wird während Cannabis Konsumenten weiter kriminalisiert werden.
5.
Sackaboner 06.02.2013
Wie heißt der Slogan so schön: Kein Mensch ist illegal. Umso weniger ist eine Pflanze illegal. Auf das pauschale Verbieten einer der wichtigsten Nutzpflanzen der Vergangenheit können nur Juristen kommen. Der gesunde Menschenverstand wurde dabei ausgeschaltet. Natürlich gibt es die Gefahr der Drogenwirkung für Kinder und Jugendliche, weshalb hier - ebenso wie für Alkohol - aufgeklärt und kontrolliert werden muss.
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