München: Behörde warnt vor Masern-Epidemie

Das Münchner Gesundheitsreferat warnt vor einer drohenden Masern-Epidemie. Per Rundschreiben sind alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen alarmiert worden. In den letzten vier Wochen sind 40 Menschen erkrankt, 21 innerhalb von nur einer Woche.

Masern-Impfung: Kombinationspräparat schützt gegen Masern, Mumps und Röteln Zur Großansicht
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Masern-Impfung: Kombinationspräparat schützt gegen Masern, Mumps und Röteln

München - Das Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) warnt vor einer drohenden Masern-Epidemie. Seit dem 11. April sind in der bayerischen Landeshauptstadt 40 Masern-Fälle an das RGU gemeldet worden, alleine in der vergangenen Woche 21 Fälle. Sechs der Patienten sind noch minderjährig, der Großteil der Erkrankten ist nach 1970 geboren.

Nach Angaben der Stadt werden täglich mehrere Infektionsfälle neu gemeldet. Um die Masern effektiv eindämmen zu können, sei eine gute Impfquote in der Bevölkerung unerlässlich, so das RGU in einer Mitteilung: Masern-Ausbrüche seien schnell begrenzbar, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Die Stadt München ruft daher die Bevölkerung auf, sich testen oder impfen zu lassen, um eine Epidemie verhindern zu können. Bricht die Krankheit aus, können nur die Beschwerden gelindert werden, das Virus selbst kann nicht behandelt werden.

Unter manchen Eltern gibt es große Vorbehalte gegen eine Impfung. Doch die Spätfolgen einer Infektion können lebensbedrohlich sein. Das Robert Koch-Institut in Berlin hatte erst im April mitgeteilt, die Impfquote unter jungendlichen und jungen Erwachsenen sei problematisch.

In der Regel sollten Kinder in den ersten beiden Lebensjahren zweimal gegen Masern geimpft werden, dazu gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte sich ursprünglich das Ziel gesteckt, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten - ist davon jedoch wegen der niedrigen Impfraten weit entfernt. Jetzt soll das Ziel bis 2015 erreicht werden.

IMPFEN: DIE EMPFEHLUNGEN IM ÜBERBLICK
Impfen
Die Grundimmunisierung gegen Infektionskrankheiten beginnt bei Säuglingen bereits im zweiten Lebensmonat. Lebenslang sollten Eltern und Kinderarzt, später dann Patient und Hausarzt, darauf achten, dass der Impfschutz ausreicht. Impfungen schützen vor allem die Menschen, deren Immunsystem am wenigsten mit Infektionskrankheiten umgehen kann: Kleinkinder, Immungeschwächte und alte Menschen.
Mumps
Wer in Gesundheitsberufen, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene arbeitet, nach 1970 geboren ist und nicht weiß, ob er gegen Mumps geimpft wurde oder nur einmal in der Kindheit geimpft worden ist, der sollte noch einmal geimpft werden. Außerdem jeder, der mit einem Mumpskranken Kontakt hatte und nicht oder nur einmal in der Kindheit geimpft wurde. Dann sollte es schnell gehen: Drei Tage nach dem Kontakt wäre eine Impfung wünschenswert.
Hirnhautentzündung
Zum Schutz vor einer sogenannten Meningitis wird gegen Meningokokken C-Bakterien geimpft. Dafür gibt es im zweiten Lebensjahr einmal eine Impfdosis. Fehlt diese, sollte sie bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Stiko empfiehlt außerdem, einen sogenannten viervalenten Impfstoff gegen bestimmte Meningokokken-Stämme (Typen A, C, W-135 und Y) bei Risikopatienten und Reisenden in Länder mit besonders hohem Infektionsrisiko anzuwenden. Der Impfstoff wird jetzt auch für Kinder ab einem Jahr empfohlen.
Windpocken
Auslöser der Windpocken sind Varizellen. Gegen sie gibt es zwischen dem elften und 14. Lebensmonat eine Impfung, entweder gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder frühestens vier Wochen danach.

Die Stiko empfiehlt, die gleichzeitige Impfung gegen Varizellen und Masern, Mumps und Röteln mit zwei verschiedenen Impfstoffen an verschiedenen Körperteilen vorzunehmen. Verwendet man einen Impfstoff, der alle vier Komponenten auf einmal enthält, steigt nämlich das Risiko für Fieberkrämpfe fünf bis zwölf Tage nach der Gabe leicht an.

Die Vorsichtsmaßnahme gilt aber nur für die erste Impfung, bei der zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten kann der Vierfachwirkstoff verwendet werden.

Sind Kinder oder Jugendliche nur einmal geimpft worden, sollten sie noch einmal geimpft werden.
FSME
Für die Menschen, die wegen beruflicher Risiken gegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) geimpft werden sollten, ist 2012 ein neues Risikogebiet hinzugekommen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.
Nachholimpfungen
Erwachsene sollten nachgeimpft werden, wenn ihr Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung nicht ausreicht. Muss sowieso gegen Tetanus geimpft werden, etwa bei einer Verletzung, sollte gleich der Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verwendet werden.

Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft worden ist oder nicht mehr weiß, ob er geimpft wurde, der sollte noch einmal geimpft werden - am besten gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig.
Impfkalender
Den Stiko-Impfkalender gibt es jetzt in 15 Sprachen, die Dokumente sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und Ständige Impfkommission beim RKI, Stand: 30. Juli 2012.
Masern können als Folgeschäden Gehirnentzündungen, Hirnhaut- und Lungenentzündungen hervorrufen. Auch in Deutschland kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu örtlichen Masern-Ausbrüchen wie jetzt in München, mit teilweise mehreren hundert Erkrankten und auch Todesfällen.

Wer mit als Nichtgeimpfter Kontakt mit einem Masernkranken hat, darf für die Dauer der Inkubationszeit (14 Tage) vor einem möglichen Ausbruch der Krankheit nicht in medizinischen und Pflegeberufen arbeiten oder auch in Gemeinschaftseinrichtungen. Das bedeutet zum Beispiel, das nichtgeimpfte Kinder nicht in die Kindertagesstätte oder Schule dürfen. Die Münchner Behörden befürchten, dass die Masern sich in der Pfingstferienzeit über die Stadtgrenze hinaus ausbreiten könnten.

Besonderen Wert legen Münchner RGU und die Ständige Impfkommission (Stiko) auf die Empfehlung, dass sich nach 1970 geborene Erwachsene gegen die vermeintliche Kinderkrankheit impfen lassen sollten: die meisten Betroffenen des aktuellen Ausbruchs gehören dieser Altersgruppe an.

Übertragen werden die Masern durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen. Das Virus ist sehr ansteckend, praktisch jeder Kontakt einer nichtgeimpften Person mit einem Erkrankten führt zur Infektion.

2011 gab es in Deutschland die letzte starke Masernausbreitung mit insgesamt 1500 Fällen. In München kam es mit 184 Fällen damals zu fast der Hälfte aller in Bayern gemeldeter Fälle.

dba

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insgesamt 48 Beiträge
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1. optional
f.geldmacher 14.05.2013
Wie schön, daß ich als Kind das Glück hatte, nicht geimpft zu werden, sondern die Masern zu bekommen. Da bin ich jetzt nämlich immun. Was man nicht von denen behaupten kann, die geimpft wurden, die sind jetzt im Erwachsenenalter echt in Gefahr, sich dann doch noch anzustecken. Und das wird nicht lustig.
2. Wie schön...
msber 14.05.2013
Es ist wirklich schön, dass sie nicht geimpft wurden und so Menschen, die sich aufgrund einer Immunsuppression nicht impfen lassen können, dem Risiko einer Infektion ausgesetzt haben. Sehr weitsichtig...
3. @ msber
appenzella 14.05.2013
Da Herr f.geldmacher immun gegen Masern ist, kann er niemanden anstecken. Wenn er sich aber impfen ließe, würde er zum Ausscheider werden und so viele Menschen anstecken, wie er Kontakte hat. Sie sollten vielleicht ihre Logik überprüfen, Herr msber, was Sie Herrn Geldmacher in reichlich moralisierender und völlig falscher Wortwahl vorwerfen, ist so nicht haltbar. Wer immunsupprimiert ist, der wurde es meist gerade durch Impfungen, diese Segnungen unserer Pharmaindustrie, die daran auch noch kräftig verdient, aber Impfschäden niemals anerkennt und sich so aus der Verantwortung stiehlt.
4. gefährliches Halbwissen
elduderino71 14.05.2013
@ f.geldmacher: Erlauben Sie mir höflichst, Ihrer Laienmeinung eine fachlich fundierte entgegenzusetzen. Denn vermutlich lesen viele verunsicherte Menschen diese Kommentare, und da halte ich es für gefährlich, wenn hier schlichtweg falsche Aussagen stehen. Ich glaube, Sie würfeln da einiges durcheinander. Zwar sind Sie persönlich durch Ihre in der Kindheit erlittene Maserninfektion immunisiert. Ob das ein glücklicher Umstand für Sie war, lasse ich dahingestellt. Denn wenn Sie als Kind geimpft worden wären, wären Sie jetzt genauso immunisiert (und zwar ohne die erheblichen Risiken einer Masern-Infektion). Genau hier liegt Ihr Verständnisfehler. Eine einmal erhaltene Masernimpfung muß laut Ständiger Impfkommission des Robert-Kopf-Instituts zeitlebens nicht mehr aufgefrischt werden und wird für den 11.-13. Lebensmonat empfohlen. Nebenbei hat ein "Kollektivschutz" auch den Sinn, das Infektionsrisiko für Immungeschwächte Kinder (z.B. an Leukämie erkrankte) deutlich zu minimieren. Denn diese dürfen aufgrund Ihrer Krankheit bzw. Therapie nicht geimpft werden, und eine Masern-Infektion würde wahrscheinlich den Tod bedeuten.
5.
dajafung 14.05.2013
Schade das mein Kommentar nicht freigegeben wurde - nochmal die Frage an alle Impfgegner! Warum gibt es keine Pocken mehr und warum sterben jedes Jahr 5 Millionen Menschen an Masern? Genau, weil all die vermeintlich so schlauen Menschen in den 60iger und 70iger Jahren entmündigt und geimpft wurden - weltweit. Und warum gibt es Masern Mumps und Röteln immer noch obwohl Milliarden bezahlt werden um 96% der Menschen zu impfen? Genau, weil einige immer noch wählen dürfen, ihre Kinder mit all den Komplikationen wie Masernpneumonie und Enzephalitis in den Kinderkliniken in unseren reichen Ländern in den Kliniken abliefern und billigend in Kaif nehmen, das Millionen Kinder in den Entwicklungsländern jämmerlich versterben weil sie dort nicht für Tausende von Euro Mefizinisch versorgt werden können. Eine Masernimpfung kostet nicht einmal 5 Euro. PS: der Immunidierungsgrad nach Masernimpfung ist höher als nach Wildinfektion - siehe pubmed.
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