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Masern-Welle: Minister Gröhe legt sich mit Impfgegnern an

Impfpass: Ab einem Alter von 11 bis 14 Monaten sollten Kinder gegen Masern geimpft werden Zur Großansicht
DPA

Impfpass: Ab einem Alter von 11 bis 14 Monaten sollten Kinder gegen Masern geimpft werden

Bundesgesundheitsminister Gröhe übt scharfe Kritik an Menschen, die Impfungen ablehnen. Im Gespräch mit dem SPIEGEL wirft er ihnen Leichtfertigkeit vor und appelliert an ihre gesellschaftliche Verantwortung.

Berlin - Mehr als 600 Kranke, fast 70 neue Fälle allein seit Beginn dieser Woche: In Berlin steigt die Zahl der Ansteckungen mit Masern weiter. Rund 90 Prozent der Erkrankten waren laut Landesamt für Gesundheit und Soziales ohne Impfschutz. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat jetzt die Haltung von Impfgegnern scharf kritisiert: "Ich finde die Vorstellung seltsam, es gebe eine Art Grundrecht auf die Ansteckung anderer", sagt der CDU-Politiker dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Wer leichtfertig eine Impfung ablehne, gefährde auch die, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, so Gröhe. "Es ist eine Frage der Verantwortung und auch der gesellschaftlichen Solidarität, dass man sich und andere durch eine Impfung vor Ansteckung schützt."

Zum Schutz vor Masern und anderen Infektionskrankheiten plant das Landesamt für Gesundheit und Soziales bis zum Sommer den Aufbau einer zentralen Impfstelle für Flüchtlinge. Viele Asylbewerber kommen aus Ländern, in denen das Gesundheitssystem durch Krieg und Krisen nicht mehr oder nur noch schlecht funktioniert. Auch die aktuelle Berliner Masern-Welle mit bisher 637 gemeldeten Fällen hatte im Oktober ihren Anfang in einem Flüchtlingsheim genommen.

Zurzeit werde gemeinsam mit den Bezirken ein Konzept erarbeitet, sagte die Sprecherin des Landesamts, Silvia Kostner. Ziel sei es, ab Mitte des Jahres ein zentrales Impfen auf dem Areal des Landesamts in Moabit zu ermöglichen. Pläne für dieses Angebot habe es schon länger gegeben. Die Masern-Welle beschleunige nun die Umsetzung.

Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Masern in den Unterkünften hat in der Hauptstadt auch schon dazu geführt, dass zur Vermeidung von Ansteckungen zeitweise Belegungs- und Verlegungsstopps verhängt wurden. Das kann die Unterbringung erschweren.

Für erwachsene Flüchtlinge gibt es zur Gesundheitsvorsorge bisher schon die Möglichkeit, mit einem Krankenschein zum Arzt zu gehen. Masern-Impfungen für Erwachsene, die vor 1970 geboren wurden, sind aber zum Beispiel keine reguläre Kassenleistung - und können deshalb mit Kosten verbunden sein.

"Das Interesse von Flüchtlingen an Impfungen ist oft groß", sagte Kostner. Viele syrische Kinder seien wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat zum Beispiel nicht mehr durchgeimpft. Darüber hinaus klaffen bei Asylbewerbern aus Balkanstaaten wie Bosnien aufgrund des Bürgerkriegs in den 90er Jahren große Impflücken. Das war eine Ursache für die schnelle Verbreitung der Masern in einem Berliner Flüchtlingsheim im Oktober. Dass diese Krankheit dann um sich griff, lag aber am fehlenden Impfschutz vieler Berliner - vor allem Erwachsener.

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cib/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
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1. Da bin ich gespannt
haraldf56 27.02.2015
... wie man das in unserer "DEMOKRATIE" durchsetzen will. Das funktioniert nur, wer Kinder in dem Kindergarten oder der schule anmeldet und den Impfschutz nicht belegen kann bekommt das Kindergeld gestrichen.
2. Schwätzer!
tmhamacher1 27.02.2015
Anstatt auf die Tränendrüse zu drücken, sollte der Minister seine Möglichkeiten nutzen, um die Fehler im Impfsystem wie die unsinnigen Vielfachimpfungen und die Verleugnung von Impfschäden zu bekämpfen.
3. Niemand leugnet Impfschäden....,
philopapos, 27.02.2015
Zitat von tmhamacher1Anstatt auf die Tränendrüse zu drücken, sollte der Minister seine Möglichkeiten nutzen, um die Fehler im Impfsystem wie die unsinnigen Vielfachimpfungen und die Verleugnung von Impfschäden zu bekämpfen.
... die aber quantitativ im Vergleich zu den Schäden durch Nichtimpfung nahezu vernachlässigbar sind! Der "Schwätzer" - es tut mir leid, das so hart sagen zu müssen - sind Sie!
4. Warum Zwang?
vamp1971 27.02.2015
Wer sich impfen lässt, kann nicht mehr erkranken, oder? Ergo kann er von jemandem, der sich NICHT impfen lies, nicht angesteckt werden. Wo ist also das Problem? Wer das Risiko der Impffolgen tragen möchte, darf das tun und ist dann aus dem Schneider. Wer auf Impfung verzichten möchte (wie ich) muss mit dem Risiko leben, zu erkranken.
5. Impfschäden bla
brehn 27.02.2015
Wer sich immer wieder auf die möglichen Impfschäden bezieht, sollte doch auch bitte die Risiken objektiv abwägen. Im konkreten Masernfall: Setze ich mein Kind dem Risiko von 1:1Million, Folgeschäden durch die Masernimpfung davonzutragen oder lieber dem Risiko von 1:1Tausend, Folgeschäden durch die Maserninfektion davonzutragen...? Die Entscheidung sollte einfach sein...ausser für Mathenieten. Welche sonstigen Gründe gibt es, gegen eine Impfung zu sein, wenn ganz klar nachgewiesen ist, dass diese gegen eine ernstzunehmende Erkrankung immun macht?
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