Masern, Grippe, HPV Deutschland impft zu selten und zu spät

Tausende Kinder in Deutschland sind nicht vor Masern geschützt, bei den Senioren fehlt häufig eine Grippe-Impfung. Wie ist die Situation in Ihrem Bundesland? Die Grafik zeigt es.

Die erste Masernimpfung wird im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen
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Die erste Masernimpfung wird im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen


Lücken bei Masernimpfungen, sinkender Grippeschutz bei Senioren: In Deutschland wird in vielen Fällen nach wie vor zu selten oder zu spät geimpft, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Außerdem gebe es beim Impfschutz große regionale Unterschiede.

Um die Impfquoten zu analysieren, haben Experten des RKI Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgewertet. Demnach waren im Alter von 24 Monaten bundesweit 150.000 der im Jahr 2013 geborenen Kinder nicht vollständig und weitere 28.000 überhaupt nicht gegen Masern geimpft.

Die Problemregionen liegen vorwiegend in den Ballungszentren. In Dresden, Hamburg, Köln, Leipzig und München hatten unter den Zweijährigen jeweils zwischen 2000 und 4100 Kinder des Jahrgangs 2013 keinen ausreichenden Masernimpfschutz, in Berlin sogar 7300.

Deutschland ist Masern-Schlusslicht

Ursprünglich hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel gesetzt, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten. Wegen unzureichender Impfraten in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wurde dies bislang nicht erreicht. "Schlimm, dass Deutschland inzwischen in Europa das Schlusslicht der Masernelimination darstellt", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.



Die erste Masernimpfung wird im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen, die zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten. Zumindest für die zweite Masernimpfung ist dem RKI zufolge "ein starker Aufwärtstrend" zu beobachten. Während bei den 2004 Geborenen erst knapp 59 Prozent die zweite Impfung haben, sind dies beim Geburtsjahrgang 2013 bereits fast 74 Prozent.

Dies sei vermutlich auch auf eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit durch den großen Masernausbruch Ende 2014, Anfang 2015 zurückzuführen, mutmaßen die Experten. In dem Zeitraum hatten sich in Berlin mehr als tausend Menschen mit den hochansteckenden Erregern infiziert, ein Kleinkind starb. Es hatte eine Vorerkrankung, die aber ohne die Masern zu diesem Zeitpunkt nicht zum Tode geführt hätte.

Senioren: Immer weniger Influenza-Impfungen

Impflücken gibt es auch beim Influenzaschutz älterer Menschen. Immer weniger lassen sich gegen die Grippe impfen. Waren in der Saison 2009/2010 noch fast die Hälfte (47,7 Prozent) der mindestens 60-Jährigen geimpft, sank der Anteil in der Saison 2015/2016 auf ein Drittel (35,3 Prozent).

Die Quote bei der für Mädchen im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren empfohlene HPV-Impfung stieg zwar leicht, liegt aber nur bei 30,5 Prozent. Eine Infektion mit humanen Papillomviren gilt als Auslöser für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Die Impfung schützt vor Krebsvorstufen am Gebärmutterhals, weshalb Fachleute eine Senkung der Krebsrate auf lange Sicht für sehr wahrscheinlich halten.

Ausgewertet wurden auch Daten zur Rotavirusimpfung. Zwei Drittel der Kleinkinder bekamen demnach eine vollständige Impfung gegen den Brechdurchfall. Die Impfung wird für Babys seit 2013 von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

irb/AFP



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