Masern in Berlin "Wer sichergehen will, bleibt mit dem Baby zu Hause"

Kinderärzte schlagen Alarm wegen des Masern-Ausbruchs in Berlin. Sie raten Eltern von Säuglingen unter einem Jahr: Betreut eure Kinder zu Hause!

Sieben Monate altes Baby: In dieser Zeit sind Kinder vor Masern nicht geschützt - die Impfung ist erst ab neun Monaten zugelassen
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Sieben Monate altes Baby: In dieser Zeit sind Kinder vor Masern nicht geschützt - die Impfung ist erst ab neun Monaten zugelassen


Berlin - Die steigende Zahl der Masernfälle in Berlin bereitet Medizinern offenbar große Sorge: Wegen der Ansteckungsgefahr hat jetzt der Berufsverband der Kinder- und Jungendärzte sogar dazu geraten, Säuglinge zu Hause zu betreuen, bis die Welle abebbt.

Grund sei das Risiko einer seltenen, aber tödlichen Spätfolge der Krankheit, teilte der Berufsverband am Freitag mit. Seit Oktober sind 54 Babys unter einem Jahr an Masern erkrankt. Für sie besteht die Gefahr, dass sie später an einer chronischen Masern-Gehirnhautentzündung (SSPE) erkranken. Das Risiko sei für sie größer als für ältere Kinder, so der Berufsverband.

Eine SSPE sei sehr selten, führe aber immer zum Tod, sagte Jakob Maske, Landespressesprecher des Berufsverbands der Berliner Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Eine Therapie gebe es nicht.

Dem Verband zufolge sterben pro Jahr zwei bis sechs Kinder in Deutschland an SSPE. Die Tragik liegt für Ärzte und Eltern darin, dass Leiden und Tod der Kinder ohne Maserninfektion vermeidbar gewesen wären.

In Hessen macht derzeit der Fall der fünfjährigen Aliana von sich reden: Sie erkrankte mit drei Monaten an Masern, weil ihre Mutter unzureichend geimpft war. Nun ist Aliana von einer SSPE betroffen und todkrank. Ihre Eltern appellierten deshalb am Freitag eindringlich, den Masernimpfschutz nicht zu vernachlässigen. "Es ist unverständlich, warum die Leute nicht wach werden", sagte der Vater der Fünfjährigen.

Ein Neugeborenes ist in den ersten Monaten nur durch eine Mutter mit vollständigem Impfschutz geschützt. Während der Schwangerschaft ist die Immunisierung nicht mehr möglich. Doch auch mit Nestschutz bleibt bis zur Kinderimpfung eine Lücke von einigen Monaten: Die Masernimpfung ist in Deutschland erst für Kinder ab neun Monaten zugelassen. Vorher würde sie wahrscheinlich nicht wirken, sagte Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Daher kommt auch der Rat der Kinderärzte, Babys in Berlin zurzeit möglichst zu isolieren. Der einzige Schutz, den es gibt, wäre eine passive Impfung mit Immunglobulinen - Antigenen aus Spenderblut. "Das hält aber maximal ein paar Wochen", sagt Leidel. Sei ein Säugling bereits erkrankt, helfe gar nichts mehr gegen Masern.

Unterschätzte Häufigkeit

"Die Häufigkeit von SSPE ist lange unterschätzt worden", sagte Leidel. Früher sei man von einem Fall auf zwei Millionen ausgegangen. Studien aus den USA hätten aber gezeigt, dass der Risikofaktor bei 1 zu 1000 bis 3000 liege. "Das ist nicht harmlos, aber auch kein Grund zur Panik", sagte Leidel. Dennoch: "Wenn man auf Nummer sicher gehen will, bleibt man in Berlin mit einem Säugling besser zu Hause", so Leidel.

In Berlin sind seit Oktober 652 Menschen an Masern erkrankt. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Freitag mit. Allein in dieser Woche kamen mehr als 80 neue registrierte Fälle dazu. In der Hauptstadt ist es der größte Ausbruch, seit die Erkrankung mit dem Start des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 meldepflichtig wurde.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe übte jetzt scharfe Kritik an Impfgegner: Ich finde die Vorstellung seltsam, es gebe eine Art Grundrecht auf die Ansteckung anderer", sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

Die aktuelle Berliner Masern-Welle hatte im Oktober ihren Anfang in einem Flüchtlingsheim genommen. Deshalb sollen künftig auch Flüchtlinge besser vor Ansteckungen geschützt werden. Zurzeit werde gemeinsam mit den Bezirken ein Konzept für eine zentrale Impfstelle erarbeitet, sagte die Sprecherin des Landesamts, Silvia Kostner.

"Das Interesse von Flüchtlingen an Impfungen ist oft groß", sagte Kostner. Viele syrische Kinder seien wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat zum Beispiel nicht mehr durchgeimpft. Darüber hinaus klaffen bei Asylbewerbern aus Balkanstaaten wie Bosnien aufgrund des Bürgerkriegs in den Neunzigerjahren große Impflücken. Das war eine Ursache für die schnelle Verbreitung der Masern in im Oktober.

Dass diese Krankheit dann um sich griff, lag allerdings am fehlenden Impfschutz vieler Berliner. Von den mehr als 600 Erkrankten waren rund 90 Prozent laut dem Landesamt nicht geimpft.

cib/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Sündenbock 2000 27.02.2015
1. Und wieder einmal reden alle der Pharmaindustrie nach dem Mund...
...damit die schön ihre Profite steigern können und die bösen "Impfgegner" endlich als unwissende, nur an sich denkende Übeltäter entlarvt werden. Verschwiegen werden dabei bewusst die vielen Fälle von Impfschäden, mit denen sich jeder Elter wohl auseinander setzen muss, bevor er sein Kind mit Chemikalien vollpumpen lässt. Aber...ich vergaß..ist ja alles nicht "belegt". Dabei schützt eine Impfung nicht einmal 100% vor einer Erkrankung. Schließlich waren immerhin 10% der Erkrankten in Berlin geimpft! Für mich sieht das alles eher nach einer Hetzjagd als nach einer sachlichen Diskussion aus. In der Presse wird überwiegend sehr einseitig berichtet. Wo sind die Berichte über Kinder, die aufgrund einer Impfung eine Behinderung erlitten haben?
schokomuffin 27.02.2015
2.
Panikmache. Es gibt noch so etwas wie das Lebensrisiko. Wir nehmen alle -auch mit Kind- am Straßenverkehr teil, da kann uns auch jemand überfahren. Aber weil ein paar Leute in Berlin an den Masern erkrankt sind, gleich so eine Panikmache. Die Eltern, die das befolgen, können ihr Kind ja gleich anketten, bis es erwachsen ist, das Leben da draußen ist schon echt gefährlich.
AHF84 27.02.2015
3.
Zitat von Sündenbock 2000...damit die schön ihre Profite steigern können und die bösen "Impfgegner" endlich als unwissende, nur an sich denkende Übeltäter entlarvt werden. Verschwiegen werden dabei bewusst die vielen Fälle von Impfschäden, mit denen sich jeder Elter wohl auseinander setzen muss, bevor er sein Kind mit Chemikalien vollpumpen lässt. Aber...ich vergaß..ist ja alles nicht "belegt". Dabei schützt eine Impfung nicht einmal 100% vor einer Erkrankung. Schließlich waren immerhin 10% der Erkrankten in Berlin geimpft! Für mich sieht das alles eher nach einer Hetzjagd als nach einer sachlichen Diskussion aus. In der Presse wird überwiegend sehr einseitig berichtet. Wo sind die Berichte über Kinder, die aufgrund einer Impfung eine Behinderung erlitten haben?
Die Ansteckungsgefahr für Masern beträgt 90% wenn man nicht geimpft ist und unter 10% wenn man geimpft ist. Es gibt nun einmal so genannte "Impfversager". An sich ist es einfache Mathematik. Ein Patient mit Masern kommt mit 10000 Menschen zusammen, die nicht geimpft sind (und keine Masern bisher hatten), 9000 erkranken an den Masern, und 9 Menschen sterben (laut RKI: 1 zu 1000 in Deutschland). Kommt der Patient mit 10000 geimpften in Berührung, erkranken 1000 (bei 90% erfolgreicher Impfung) und 1 Mensch stirbt.... Ich finde das signifikant. Laut RKI gibt es nur 7 Impfkomplikationen auf 16 Millionen. Das ist sehr wenig... Was der Artikel allerdings außer acht lässt: Selbst das Robert Koch Institut bestätigt, dass der Nestschutz stärker ist, wenn die Mutter an Masern erkrankt war anstatt geimpft worden zu sein. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass eine Impfung einen über 90%igen Schutz vor der Erkrankung bietet. Wären alle Menschen geimpft, würden die restlichen Prozente durch den Herdenschutz ausgeglichen werden und Säuglinge den starken Nestschutz nicht benötigen.
tatwort 27.02.2015
4.
Zitat von Sündenbock 2000...damit die schön ihre Profite steigern können und die bösen "Impfgegner" endlich als unwissende, nur an sich denkende Übeltäter entlarvt werden. Verschwiegen werden dabei bewusst die vielen Fälle von Impfschäden, mit denen sich jeder Elter wohl auseinander setzen muss, bevor er sein Kind mit Chemikalien vollpumpen lässt. Aber...ich vergaß..ist ja alles nicht "belegt". Dabei schützt eine Impfung nicht einmal 100% vor einer Erkrankung. Schließlich waren immerhin 10% der Erkrankten in Berlin geimpft! Für mich sieht das alles eher nach einer Hetzjagd als nach einer sachlichen Diskussion aus. In der Presse wird überwiegend sehr einseitig berichtet. Wo sind die Berichte über Kinder, die aufgrund einer Impfung eine Behinderung erlitten haben?
Rechnen scheint nicht Ihre Stärke zu sein, richtig? Gehen wir mal davon aus, dass eine Impfung mit allem drum und dran 40 Euro kostet. Nehmen wir weiter an, dass es in Deutschland nur eine Million Menschen gäbe. Und die würden alle geimpft. Wären also 40 Millionen Euro, wovon dann vielleicht 50% an die "Pharmaindustrie" gehen. Fazit: Masern weg, kurz Umsatz gebolzt. Ende. Fertig. Nun gehen wir von einem anderen Beispiel aus: Nur 50% impfen sich. Wären also 20 Millionen Umsatz. 50% Ungeimpfte können die Krankheit weitergeben. Mal angenommen, 10000 Menschen erkranken pro Jahr. Gesundheitskosten pro Person: 500 Euro, macht also in zehn Jahren 50 Millionen. Fazit: Impfgegner sind die wahren Unterstützer der Pharma-Multis.
Wolffpack 27.02.2015
5.
Zitat von Sündenbock 2000...damit die schön ihre Profite steigern können und die bösen "Impfgegner" endlich als unwissende, nur an sich denkende Übeltäter entlarvt werden. Verschwiegen werden dabei bewusst die vielen Fälle von Impfschäden, mit denen sich jeder Elter wohl auseinander setzen muss, bevor er sein Kind mit Chemikalien vollpumpen lässt. Aber...ich vergaß..ist ja alles nicht "belegt". Dabei schützt eine Impfung nicht einmal 100% vor einer Erkrankung. Schließlich waren immerhin 10% der Erkrankten in Berlin geimpft! Für mich sieht das alles eher nach einer Hetzjagd als nach einer sachlichen Diskussion aus. In der Presse wird überwiegend sehr einseitig berichtet. Wo sind die Berichte über Kinder, die aufgrund einer Impfung eine Behinderung erlitten haben?
Unsinn. 1. Die pöse pöse Pharmaindustrie verdient viel mehr an Behandlungsmitteln wenn sie krank sind, erst recht bei so "lustigen" Folgeschäden wie Lähmungen. 2. Impfschäden sind WEITAUS geringer als Krankheitsschäden. Das sagt eigentlich schon alles. 3. Gefährden Impfverweigereridioten alle die nicht geimpft werden können aus diversen Gründen. 4. "Chemikalien" wenn ich den Mist schon lese... Ihr ganzer Körper besteht aus "Chemikalien"...
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