Weltgesundheitsorganisation Kampf gegen die Masern stagniert

Die Zahl der Masern-Toten ist seit 2000 weltweit stark gesunken. Dennoch wurde das Ziel verfehlt, die Krankheit auszurotten. Und die Impfzahlen stagnieren seit einigen Jahren.

Impfung: Zwei Impfungen gegen die Masern sind empfohlen
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Impfung: Zwei Impfungen gegen die Masern sind empfohlen


Die Masern sind hochansteckend und können, auch wenn sie oft harmlos verlaufen, schwere Komplikationen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall enden sie sogar tödlich. Im Jahr 2014 starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 114.900 Menschen an den Folgen der Infektionskrankheit. Im Jahr 2000 waren es 546.800. Die Zahl der jährlichen Masern-Todesfälle konnte also in dieser Zeitspanne um knapp 80 Prozent gesenkt werden. 2014 habe man durch Impfkampagnen rund 221 Millionen Kinder erreicht, darunter mehr als 53 Millionen in Bangladesch und 25 Millionen in Pakistan.

Laut WHO wurden seit dem Jahr 2000 rund 17 Millionen Leben durch die Masernimpfung gerettet. 1980, als die Impfung noch wenig verbreitet war, starben schätzungsweise 2,6 Millionen Menschen pro Jahr an den Masern.

Dennoch ist die WHO mit ihrem Vorhaben gescheitert, die Masern bis 2015 vollständig zu eliminieren. Die Quote für die erste Masernimpfung stagniert seit 2010 bei 85 Prozent. Zudem erhält nach WHO-Angaben nur die Hälfte der Kinder weltweit die zweite Impfdosis.

Bekämpfung der Kindersterblichkeit

"Wenn Kinder die Routine-Impfung verpassen, können wir die Lücke in der Immunisierung nicht schließen", sagt Jean-Marie Okwo-Bele von der WHO. Die Masernimpfung spielt eine wichtige Rolle in der Bekämpfung der Kindersterblichkeit. Diese zu senken ist eines der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die 2001 aufgestellt wurden.

Obwohl die Masern als Kinderkrankheit bezeichnet werden, sind sie auch für Erwachsene gefährlich. Die Infektion schwächt das Immunsystem für viele Wochen. Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündungen können die Folge sein, in seltenen Fällen sogar eine Gehirnentzündung.

Auch in Deutschland sind die Masern nicht ausgerottet. Im Herbst brach eine heftige Masern-Welle aus, die Anfang 2015 ihren Höhepunkt hatte. In Berlin erkrankten seit Oktober 2014 rund 1360 Menschen, zeitweise wurden mehr als 80 Fälle pro Woche gemeldet. Etwa einer von vier Erkrankten hatte so schwere Symptome, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

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ruh/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
herzblutdemokrat 13.11.2015
1. Who
Ein Symptom unserer Wohlstandsgesellschaft. Masern und andere vermeintliche Kinderkrankheiten haben ihren Schrecken verloren.
sag-geschwind 13.11.2015
2. Bin ich mal gespannt
wie die WHO in dem Chaos in nahen Osten die Masern ausrotten will. In Griechenland ist das Gesundheitssystem auch schon kaputt und es gibt nicht wenige, die Glauben, dass Griechenland nur der Test für das exportfixierte Resteuropa war. Schaumermal ...
uzsjgb 13.11.2015
3.
Zitat von sag-geschwindwie die WHO in dem Chaos in nahen Osten die Masern ausrotten will. In Griechenland ist das Gesundheitssystem auch schon kaputt und es gibt nicht wenige, die Glauben, dass Griechenland nur der Test für das exportfixierte Resteuropa war. Schaumermal ...
Im Artikel steht Berlin und nicht Ost-Berlin. Die WHO muss sich mit dem gesamtdeutschen Chaos auseinandersetzen.
7eggert 13.11.2015
4.
Hier in D wird nicht kommuniziert, daß man die Masern ausrotten möchte, sondern nur der individuelle Schutz, falls der Arzt überhaupt über das A4-Pflichtinfpblättchen (Beidseitig, 6 Impfungen beschrieben) und das Formular hinausgeht, in das nach der Unterschrift hinterher der Medikamentenname eingeklebt wird. Wer nicht von sich aus schon vorher informiert ist und so behandelt wird, der wird doch schon fast zwangsläufig zum Impfgegner. Das Problem ist hausgemacht. PS: Noch schlimmer als Impfgegner, weil _wesentlich_ zahlreicher, sind die diejenigen, die sich nicht um (Auffrischungs-)Impfungen kümmern.
schnittlauch_y 13.11.2015
5. Korrektur zur 'Harmlosigkeit'
So wie Sie das schreiben, erweckt es leider rasch falsche Assoziationen. Unter den 2,6 Millionen Masern-Toten in 1980 waren eben doch die Allermeisten Kinder. Von daher ist nur in Hinblick auf eine an- aber nicht durchgeimpfte Population auch nur ansatzweise an eine vergleichsweise Harmlosigkeit zu denken. Die Behauptung, Kinderkrankheiten seien für Kinder meist harmlos ist beweisbar falsch. Diphterie bspw., an der vor der Impfung bis zu 50% der erkrankten Kinder verstarben (www.who.int/wer/2006/wer8103.pdf) und auch unter Kindern, die heutzutage erkranken, die Letalität 20% betragen kann (Atkinson W. et al. (2007). "Diphtheria". Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases. Washington, D.C.: Public Health Foundation. pp. 59–70), ist verdammt übel. Darum nannte man ja auch Emil von Behring, der für sein Diphterie-Serum den Nobelpreis bekam, den "Retter der Kinder". Auch die Behauptung, dass die Erkrankung durchgemacht zu haben am besten schützt, ist am Beispiel von Diptherie nicht haltbar. Hier sind Reintoxikationen nämlich durchaus möglich. Nehmen Sie mir meine Anmerkungen nicht krumm. Ich will nur verhindern, dass irgendein Impfgegner Ihren Beitrag als Bestätigung auffasst.
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