Masern In die Kita nur mit Impfschutz

Die Koalition verschärft die Regeln: Kommt es zu einem Masernausbruch, können Ungeimpfte zeitweise vom Besuch eines Kindergarten oder einer Schule ausgeschlossen werden. Länder können Bußgelder verlangen.

Masernimpfung: "Einen so massiven Masernausbruch wie dieses Jahr darf es in Deutschland nicht wieder geben"
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Masernimpfung: "Einen so massiven Masernausbruch wie dieses Jahr darf es in Deutschland nicht wieder geben"


Es ist vielleicht nicht die Impfpflicht, die viele forderten, als im Frühjahr in Berlin die Masern grassierten, aber beinahe: Kommt es künftig in der Kita, im Hort oder in Schulen zu einem Masernfall, können alle, deren Impfschutz nicht nachgewiesen ist, vom Besuch ausgeschlossen werden. Dies ist nur eine Regelung, mit der die Koalition den Impfschutz in Deutschland verbessern will.

Mit den Vorgaben sollte es Eltern zudem deutlich erschwert werden, ihre Kinder nicht zu impfen. Erwachsene, die nicht geimpft sind, sollen dazu bewogen werden, dies nachzuholen. Am Freitag hat sich die Koalition auf das Paket geeinigt, das im Präventionsgesetz verankert werden soll. Die Änderungen liegen SPIEGEL ONLINE vor. Am kommenden Donnerstag wollen die Abgeordneten von CDU, CSU und SPD die Regelungen endgültig beschließen.

Die Änderungen im Einzelnen:

  • Bei Auftreten eines Masernfalls soll Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, deren Impfschutz oder die Immunität gegen das Virus nicht nachgewiesen werden kann, der Besuch von Kita, Hort oder Schule untersagt werden können.

  • Schutzimpfungen und die regelmäßige Teilnahme daran sollen in die Bonusprogramme der Krankenkassen aufgenommen werden.

  • Die ärztliche Beratung über nötige Impfungen muss laut dem Vorhaben künftig vor Aufnahme eines Kindes in eine Kita schriftlich bestätigt werden.

  • Für den Fall, dass die ärztliche Impfberatung nicht nachgewiesen werden kann, sollen Gesundheitsbehörden in den einzelnen Bundesländern künftig Bußgelder verlangen können.

  • Untersuchungen von Jugendlichen sollen ebenfalls um Maßnahmen zur Verbesserung des Impfstatus ergänzt werden.

"Wir wollen mehr Verbindlichkeit beim Impfen", sagt Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU. Einen so massiven Masernausbruch wie dieses Jahr dürfe es in Deutschland nicht wieder geben. "Unser Ziel ist, dass möglichst alle Kinder in Kindergärten und Schulen geimpft sind."

In Berlin hatten sich im Frühjahr besonders viele Menschen mit Masern infiziert, vor allem Jugendliche und Erwachsene. Seit Oktober wurden mehr als 1000 Fälle gemeldet, ein Kleinkind starb. Den Behörden zufolge wurden mindestens 330 Kinder zeitweilig von Kitas und Schulen ausgeschlossen.

Mit einer höheren Impfrate wäre der Masernausbruch leicht vermeidbar gewesen. Bereits seit 40 Jahren gibt es einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus. Deutschland hatte sich das Ziel gesetzt, die Masern bis zum Jahr 2015 auszurotten. Stattdessen kommt es durch den fehlenden Impfschutz immer wieder zu Ausbrüchen.

Dem Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ) gehen die geplanten Neuerungen der Koalition nicht weit genug. Wenn die Gesundheitsämter Eltern vorladen dürften, die keine entsprechende Bescheinigung vorlegen können, und die Bundesländer sogar Bußen gegen säumige Eltern verhängen können, werde das Gesetz im Bundesrat zustimmungspflichtig", sagt BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Ob, wann und in welcher Form das Gesetz dann verabschiedet werde, stehe dann in den Sternen. "Wir müssen jedoch jetzt für eine bessere Durchimpfungsrate sorgen, das hat die letzte Masernepidemie deutlich gezeigt."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 159 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 13.06.2015
1.
Richtig so. Wenn Jemand wegen medizinischem Nonsens oder alberner Verschwörungstheorien seine eigenen Kinder nicht impft, ist das schon schlimm genug. Aber wenn diese idiotische Haltung auch noch andere Leute gefährdet, dann reicht es. Australien hat übrigens vor Kurzem ein Gesetz verabschiedet, nach dem man finanzielle Zuschüsse für Familien aussetzen kann, wenn die Kinder nicht geimpft sind. Leider mit einem Schlumpfloch für Religion, dass wohl viele nutzen werden. Aber ein Anfang. Es kann nicht sein, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt leben und aus purer Ignoranz oder Wahnvorstlelungen die Rückkehr mittelalterlicher Zustände gestatten, während gleichzeitig Geld gesammelt wird, damit sich ärmere Länder überhaupt Impfungen leisten können.
ohrhase 13.06.2015
2. Frage
Wie steht es jetzt mit den Masernverbreitungszentren Waldorfkindergärten u. -schulen? Falls diese als Privateinrichtungen ausgenommen sind, werden die möglicherweise noch stärker aufgesucht.
spon_2937981 13.06.2015
3. Richtig so!
Gut so. Kein Zwang, aber die ungeimpften Kinder werden geschützt (sie können ja nichts für die ideologische Verblendung ihrer Eltern). Und vor allem werden die nicht impffähigen Menschen (kleine Geschwister, Eltern, aber natürlich auch einige Kita-Kinder) geschützt. Wobei: Impfpflicht wäre mir lieber - hier ist es ja auf die Kita beschränkt.
Spiegelleserin57 13.06.2015
4. alles gut und schön...
da gibt es noch ein weiteres Problem: oft werden die Kinder wissentlich krank, mit z.B. Brechdurchfall in die Kita gebracht. Was wird denn in diesen Fällen unternommen? Wenn sie abgeholt werden haben sie bereits Erwachsene wie auch andere Kinder angesteckt. So werden die Viren fleißig durch unser Land verbreitet. Es gibt sehr viele Kitas in denen diese Ereignisse vorkommen. Was nun ???? Bei mir am Arbeitsplatz kann man die Wanderung der Viren von den Müttern zu den Kollegen sehr nachvollziehen.
Möckelgrömpf 13.06.2015
5. Wir leben im Jahr der Schafe
Wie wäre es mit: 1.Verbot von Waldorfeinrichtungen aller Art, eh nur Esotherik. Wo kämen wir denn dahin, wenn wir da noch Schlupflöcher übrig ließen, da kennt der Deutsche nix. 2. Zwangsimpfung der gesamten Bevölkerung unter Androhung des Existenzentzugs. Auch kein Hartz 4 3. Jeder Ungeimpfte wird im Netz öffentlich gemacht mit Adresse und muss sich öffentlich für sein Fehlverhalten entschuldigen. 4. Wer Ungeimpfte aufspürt bekommt einen Gesundheitsbonus seiner Kasse. 5. Evtl. Fremdunterbringung von Kindern, deren Eltern nicht "einsichtig" sind. 6. Einführung einer Art Kennzeichnung von Ungeimpften im Pass. Ironie aus! ( auch wenn ich mir sicher bin, daß es nicht wenige gibt, die o.g. Vorschläge jederzeit umsetzen würden.) PS: Meine Kinder sind ( weitgehend!) geimpft und nicht in einer Walddorfschule, aber ich krieg Hautausschlag ( gibts leider keine Impfung dagegen)bei Bevormundung, Anmaßung und diesem Hang zum " Richtig so" und Gut so".
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