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Deutschland: Die meisten Masern-Kranken sind Jugendliche oder Erwachsene

Masernviren (elektronenmikroskopische Aufnahme): Masern gelten als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen Zur Großansicht
© Centre For Infections/Science Photo Library/Corbis

Masernviren (elektronenmikroskopische Aufnahme): Masern gelten als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen

Entzündungen des Mittelohrs, der Lunge oder des Gehirns: Masern können schwere Komplikationen nach sich ziehen. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die Krankheit bei Weitem nicht nur Kinder betrifft.

Berlin - Viele Menschen halten die Masern für eine typische Kinderkrankheit. Dass dem aber nicht so ist, zeigen aktuelle Zahlen des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI). Wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht hervorgeht, sind weit mehr als die Hälfte aller Masern-Infizierten Jugendliche oder Erwachsene.

Von den 444 im vergangenen Jahr bundesweit an Masern Erkrankten waren 177 (40 Prozent) über 20 Jahre und 17 (4 Prozent) über 45 Jahre alt. 104 Erkrankte (23 Prozent) waren zwischen 10 und 19 Jahren alt. "Somit waren 63 Prozent der im Jahr 2014 ermittelten Masern-Fälle Jugendliche oder Erwachsene", heißt es im Epidemiologischen Bulletin des RKI. "Ein ähnliches Bild ergibt sich auch für 2015."

Das Problem: Da die Masern sehr häufig als Kinderkrankheit wahrgenommen würden, werde an eine Überprüfung des Impfstatus bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig nicht gedacht, so die RKI-Autoren.

Besonders von Masern betroffen ist derzeit die Hauptstadt Berlin. Seit dem Masern-Ausbruch im Oktober 2014 sind dort mehr als 700 Menschen an Masern erkrankt. Ein anderthalbjähriges Kleinkind starb infolge einer Infektion. Allein in der vergangenen Woche wurden in der Hauptstadt 111 neue Fälle gemeldet.

Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales sind das die bisher meisten Erkrankungen innerhalb einer Meldewoche. Rund ein Viertel der Patienten musste wegen der Infektion bisher ins Krankenhaus. Fast 90 Prozent von rund 630 befragten Kranken hatte demnach keinen Impfschutz.

Neben dem Berliner Ausbruch wurden nach Angaben des RKI in diesem Jahr bundesweit weitere 30 Ausbrüche aus elf Bundesländern an die Behörde übermittelt. Ein Ausbruch bedeutet, dass mehrere Fälle infolge einer Infektionskette im Zusammenhang stehen. Bis Mitte Februar waren lediglich aus Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland noch keine Masern-Fälle bekannt.

Insgesamt wurden 2015 bundesweit bis zum 15. Februar 586 Fälle an das RKI übermittelt, 382 davon sind aus Berlin.

In der Debatte um die wiederholten Masernausbrüche in Deutschland weisen Experten seit Langem darauf hin, dass Masern keine reine Kinderkrankheit sind. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt deshalb auch allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und nicht oder in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden, eine Schutzimpfung. In diesen Fällen übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten. Aber auch die vor 1970 Geborenen sollten ihren Impfstatus kontrollieren; manche Kassen übernehmen dann ebenfalls die Kosten.

Masern sind eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen überhaupt. Eine Erkrankung kann lebensbedrohliche Folgen haben wie etwa eine Hirnhautentzündung. Besonders bei Säuglingen und Kindern im ersten Lebensjahr und bei Erwachsenen über 20 Jahren ist die Gefahr von Komplikationen nach einer Masernerkrankung hoch.

Laut dem RKI lagen für das Jahr 2014 für 369 der 444 gemeldeten Masern-Fällen (83 Prozent) Daten zu Komplikationen vor, die im Rahmen der Erkrankung aufgetreten waren. Bei 15 Fällen (4 Prozent) wurde demnach eine Lungenentzündung, bei 7 Fällen (2 Prozent) eine Mittelohrentzündung dokumentiert. Zwei Patienten im Alter von 25 und 20 Jahren erlitten eine Meningitis (Hirnhautentzündung) beziehungsweise eine Enzephalitis (Entzündung des Gehirns).

Weltweit sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeden Tag 400 Kinder an Masern. Um die Masern zu eliminieren, wäre eine stabile Impfquote von 95 Prozent der Bevölkerung erforderlich. Von diesem Ziel ist Deutschland laut RKI jedoch noch weit entfernt. Ein Erreichen der Elimination sei nur realistisch, wenn so schnell wie möglich alle bestehenden Impflücken geschlossen würden.

cib/AFP/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Hysterie
ernstullrichschultz 09.03.2015
Das Kleinkind, das in Berlin gestorben ist, hatte eine Vorerkrankung. Das wird nie erwähnt. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 1:10000. Das ist die Zahl, die sogar beim Robert Koch Institut 2010 geschätzt wurde. Bei anderen schweren Erkrankungen ist die Rate wesentlich höher. Die ständige Impfkommission ist alles andere als objektiv. Der vorherige Leiter ist gleich nach dem Ausscheiden in die Pharmaindustrie gegangen. In meiner Kinderzeit gab es vier Impfungen. Jetzt sind es 15, die angeblich dringend erforderlich sind.
2. impfung auffrischen.
ruhepuls 09.03.2015
es verwundert nicht, dass so viele jugendliche und erwachsene erkranken. im gegensatz zur durchgemachten erkrankung hält die impfung nicht immer ein leben lang. sie sollte kontrolliert und, wenn nötig aufgefrischt werden. sonst verschiebt sich der erkrankungsbeginn ins erwachsenenalter, wo es drastisch mehr folgeschäden gibt.
3. komisch...
alettoria 09.03.2015
... dass die, die ja geimpft wurden, trozdem krank werden. Und die, die als Kinder die Krankheit durchmachten, nicht mehr angesteckt wurden. Das WAR mal eine Kinderkrankheit, bevor sie wie wild beonnen, zu impfen. Impfen schützt nicht zu 100%, und wenn man es als Erwachsener bekommt, dann ist es eben weit heftiger. Genau so wie bei den Windpocken. Aber wir Impfgegener haben ja einen Verschwörungswahn, jaja...
4. @ruhepuls
firenafirena 09.03.2015
Die Impfung, 2x verabreicht, "hält" genauso ein Leben lang.
5. zu 1
Mr Bounz 09.03.2015
in D wurden im Jahrgang 2013 685.000 Kinder geboren, bei der von Ihnen erwähnten Masern Todesfallrate von 1:10000 sind das ja nur knapp unter 70 Kinder aus dem Jahrgang. Mehr gibt es wohl nicht zu sagen, von den sonstigen Komplikationen mal abgesehen.
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