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Umfrage: Mehrheit der Deutschen will Impfpflicht für Kinder

Vier von fünf Deutschen fordern einer aktuellen Umfrage zufolge eine Impfpflicht für Kinder. Angesichts aktueller Masernausbrüche in Bayern, Berlin und NRW warnen Ärzteverbände vor schweren Folgen vermeintlich harmloser Krankheiten. Dazu zählen auch Mumps und Keuchhusten.

Masernimpfstoff: Impfrisiken sind seltener als Komplikationen der Krankheiten Zur Großansicht
Corbis

Masernimpfstoff: Impfrisiken sind seltener als Komplikationen der Krankheiten

Hamburg - Viele deutsche Eltern denken darüber nach, ob sie ihre Kinder tatsächlich entsprechend der offiziellen Empfehlungen impfen lassen sollen. Die meisten Krankheiten, gegen die es einen Impfschutz gibt, haben ihren Schrecken verloren. Der Realität entspricht das nicht: Erstaunt wird zur Kenntnis genommen, wenn Jugendliche an den Folgen einer Maserninfektion sterben oder wenn ein Erwachsener wegen einer Mumpserkrankung zeugungsunfähig wird.

Doch die auffälligen Masern-Ausbrüche in Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen scheinen viele Menschen zum Nachdenken zu bewegen: Einer aktuellen Umfrage zufolge befürworten 80 Prozent der Deutschen eine Impfpflicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1002 Menschen über 18 Jahren, die von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Auftrag gegeben wurde. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte die Impfpflicht als letztes Mittel im Kampf gegen infeketiöse Krankheiten ins Spiel gebracht.

82 Prozent der Befürworter erklärten bei der Umfrage, konsequentes Impfen verringere die Zahl der Krankheiten. Fast drei Viertel (73 Prozent) finden, dass viele Eltern mit dem Thema zu leichtfertig umgehen. Und gut zwei Drittel (68 Prozent) glauben, dass sogenannte Kinderkrankheiten generell unterschätzt werden.

Vor allem im Osten Deutschlands unterstützen die Menschen eine Impfpflicht, in den neuen Bundesländern sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus. In Norddeutschland lag die Zustimmung dagegen bei 72 Prozent, in Bayern bei 71 Prozent.

Impfgegner betonen Entscheidungsrecht der Eltern

Die Gegner einer Impfpflicht führen vor allem das Entscheidungsrecht der Eltern (76 Prozent) ins Feld. Außerdem befürchten sie, Impfen könne zu viele Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. "Tatsache ist aber, dass das Impfrisiko sehr gering ist", erklärte die DAK-Gesundheit. "Nur bei einem von einer Million gegen Masern geimpften Kindern kommt es in Folge der Impfung zu Komplikationen mit einer dauerhaften gesundheitlichen Schädigung."

Knapp jeder dritte Impfpflicht-Gegner meint, dass Kinderkrankheiten häufig dramatisiert würden. Doch der landläufige Begriff Kinderkrankheiten verharmlose die Gefahr, erklärte DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. "Es handelt sich um ernsthafte Erkrankungen, die schwerwiegende Folgen haben können, bis hin zum Tod." Gefährdet seien vor allem junge Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz. So dürften etwa die hochansteckenden Masern nicht auf die leichte Schulter genommen werden: "Noch nach vielen Jahren können Spätfolgen wie Gehirnhautentzündungen oder Behinderungen auftreten."

Bis Mitte Juni wurden in Deutschland bereits mehr als 900 Masernfälle gemeldet, die meisten davon in Bayern und Berlin. In fast der Hälfte der Fälle waren die Betroffenen 20 Jahre alt oder älter. Zuletzt musste in Erftstadt bei Köln eine Schule geschlossen bleiben, nachdem dort mehrere Schüler an Masern erkrankt waren.

Masern und Mumps bei Erwachsenen

Erwachsene sollten sich nicht unbedingt auf ihre Impfung in der Kindheit verlassen, warnt die Gesellschaft für Virologie (GfV) am Donnerstag in Ulm. Es gebe in Deutschland zunehmend Masernfälle auch bei Erwachsenen, die nur einmal als Kind geimpft wurden, so die Gesellschaft. Alle nach 1970 Geborenen, bei denen der Impfstatus unklar sei oder die nur eine Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR) erhalten haben, sollten daher "dringend" die zweite Impfung nachholen. Dies empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI).

Besorgniserregend ist nach Angaben der Virologen zudem die aktuelle Zunahme der Mumpserkrankungen, die sich durch typische Hamsterbacken auszeichnen. Bei vielen Infizierten betrifft die Krankheit das Gehirn - meist mit gutartigem Ausgang. Allerdings kann es zu einseitiger oder beidseitiger bleibender Taubheit kommen. Gefährdet sind auch hier nur einmal geimpfte Erwachsene.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) beklagte unterdessen einen mangelnden Impfschutz gegen Keuchhusten. Nur etwa einer von 20 Erwachsenen in Deutschland sei ausreichend dagegen geimpft. Nach einer aktuellen Umfrage sind zudem viele Menschen unzureichend geschützt, die durch direkten Kontakt Säuglinge anstecken könnten. Bei Babys könne der Infekt lebensbedrohlich verlaufen, warnte die Fachgesellschaft und forderte, sich in Kombination mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie gegen Keuchhusten impfen zu lassen.

Keuchhusten sei auch bei Erwachsenen keine banale Erkrankung, warnte die DGIM. Vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem könne es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Harninkontinenz, Gewichtsverlust und Rippenfrakturen kommen. Die höheren Kosten für den Kombinations-Impfstoff würden bei weitem das Risiko aufwiegen, dass nicht geimpfte Erwachsene womöglich Säuglinge anstecken.

dba/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 154 Beiträge
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1.
kook1979 11.07.2013
"Vor allem im Osten Deutschlands unterstützen die Menschen eine Impfpflicht, in den neuen Bundesländern sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus. In Norddeutschland lag die Zustimmung dagegen bei 72 Prozent, in Bayern bei 71 Prozent." Die neuen Bundesländer lassen meinen Glauben an die Vernunft der Deutschen wieder aufleben.
2. Jaja
ganta 11.07.2013
Hat die Pharma nen neuen Absatzmarkt entdeckt indem sie ihren Lobbyisten von der FDP vorschickt...
3. Wer hat die Umfragen bezahlt...
espressoli 11.07.2013
... etwa die Pharmalobby?... An den möglichen Gefahren der Impfung hat sich nichts wesentliches geändert. Demnach muss auch weiterhin die Freiheit der Selbstentscheidung jedes Einzelnen bestehen bleiben...
4.
Chico73 11.07.2013
Liebe SPON-Redaktion! Sie sollten so eindeutige Artikel wie diesen hier doch bitte als Werbung bzw. Anzeige deklarieren, denn um nichts anderes handelt es sich hierbei. Offener kann man ja schon kaum noch die Pharma-Branche unterstützen. 900 Masernfälle in Deutschland, das sind 0,001% - wahrlich eine Epidemie katastrophalen Ausmasses, die unser ganzes Volk dahinraffen wird. Ich und meine Kinder sind auch gegen die meisten der o.g. Krankheiten geimpft - aber eine Impf-Plicht kann ich auf keinen Fall akzeptieren. Und die in der Anzeige behauptete Zahl, das rd. 80% diese befürworten, halte ich schlicht für gelogen.
5. Mhh
LDaniel 11.07.2013
Auch als 100%iger Impf-Befürworter, muss ich sagen, dass ich eine Impfpflicht nicht für richtig halte. Es würde die Impfgegner noch mehr radikalisieren und wäre der Nährboden für die wildesten Verschwörungstheorien. So traurig das ist, als eher liberal eingestellter Mensch sage ich: Man muss den Menschen Ihre Dummheit lassen. Allerdings könnte man darüber reden, dass mindestens eine Art "Aufklärungsgespräch" zur Pflicht wird, sprich eine Entscheidung gegen das Impfen des eigenen Kindes ist nur nach einem Gespräch ok. Wäre aber vermutlich schwer durchzusetzen.
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