Frankreich Patient nach Medikamententest für tot erklärt

Der nach einem Medikamententest in Frankreich für hirntot erklärte Versuchsteilnehmer ist gestorben. Weitere Probanden müssen dauerhafte Schäden befürchten. Nun suchen Experten nach den Ursachen für die Katastrophe.

Forschungseinrichtung Biotrial im französischen Rennes: Französische Behörden ermitteln
REUTERS

Forschungseinrichtung Biotrial im französischen Rennes: Französische Behörden ermitteln


Nach dem fehlgeschlagenen Medikamententest in Frankreich ist einer der Teilnehmer offiziell für tot erklärt worden. Es handele sich um den Mann, der schon seit Tagen hirntot gewesen sei, teilte am Sonntag das Krankenhaus in Rennes mit. Der Zustand der anderen fünf in der Klinik behandelten Probanden sei stabil.

Insgesamt sechs Patienten im Alter von 28 bis 49 Jahren waren in den vergangenen Tagen ins Krankenhaus eingeliefert worden, der Erste von ihnen vor einer Woche. Er wurde für hirntot erklärt: Davon ist die Rede, wenn die Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstammes unwiederbringlich erloschen ist.

Vier der fünf anderen Patienten wiesen neurologische Probleme auf, bei drei von ihnen werden dauerhafte Schäden befürchtet. Ein weiterer Patient zeigte bisher keine Symptome, stand aber am Wochenende weiter unter medizinischer Beobachtung.

84 andere Patienten, die das Medikament während des Tests eingenommen hatten, wurden nach Angaben des Krankenhauses kontaktiert. Zehn von ihnen seien untersucht worden, es seien aber keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

Behörden suchen nach Antworten

Die französischen Gesundheitsbehörden und die Justiz wollen nun klären, ob es einen Fehler bei den Testabläufen gab oder ob das Problem bei dem Medikament selbst lag. Nach ersten Beschlagnahmungen durch die Kriminalpolizei im Labor des Unternehmens Biotrial in Rennes schaltete sich am Wochenende unter anderem auch die Behörde für Medikamentensicherheit (ANSM) in die Untersuchungen ein.

Der Wirkstoff des Medikaments soll der französischen Gesundheitsministerin zufolge auf Stimmungsschwankungen und Angstgefühle sowie auf motorische Störungen bei neurodegenerativen Erkrankungen abzielen. Neurodegenerative Erkrankungen sind meist langsam fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems, bei denen immer mehr Nervenzellen verloren gehen - so etwa bei Parkinson. Der Hersteller selbst sprach von einem Wirkstoff im "Schmerzbereich".

Biotrial-Chef François Peaucelle versicherte, sein Labor kooperiere mit den Ermittlern. Vertreter des portugiesischen Pharmakonzerns Bial, der den Wirkstoff entwickelte, seien ebenfalls vor Ort und beteiligten sich mit "totaler Transparenz" an den Ermittlungen. Peaucelle sprach von "unvorhersehbaren, ungeklärten und unerklärlichen Ereignissen".

Bial hat versichert, bei der Entwicklung des Medikaments seien die internationalen Standards befolgt worden. Insgesamt sollten an der Studie 128 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren teilnehmen, von denen 90 den Wirkstoff in verschiedenen Dosen einnahmen. Dann aber traten bei mehreren Teilnehmern dramatische Gesundheitsprobleme auf. Zu diesem Zeitpunkt sei die maximale vorgesehene Dosierung "noch längst nicht erreicht" gewesen, sagte Peaucelle.

Probanden werden für ihre Teilnahme an Medikamententests grundsätzlich bezahlt. Im vorliegenden Fall erhielten sie laut Peaucelle gut tausend Euro pro Woche. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Funke-Mediengruppe, ein solcher Fehlschlag könne auch in Deutschland passieren, denn "die Regeln für solche Tests" seien "die gleichen". Sicherheit werde "oft dem ökonomischen Erfolg geopfert", sagte Lauterbach. Angesichts des Wettbewerbsdrucks werde bei den Kosten gespart - "die Tests werden immer gefährlicher".

asc/dpa/AFP



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