Meditation Wie Achtsamkeit das Herz stärkt

Wer sein Herz gesund halten will, kann es mit Meditation versuchen - empfiehlt ab jetzt offiziell die US-Herzgesellschaft. Allerdings mit einer Einschränkung.

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Heben Sie in der Bahn Ihre Augen vom Buch, vom Smartphone. Beobachten Sie die Menschen um Sie herum. Folgen Sie mit Ihrem Blick dem Alltäglichen. Bewerten Sie nicht, was Sie sehen, denken Sie nicht weiter darüber nach, sondern schauen Sie nur.

Spätestens mit dem Boom der Achtsamkeit ist Meditation auch hierzulande sehr populär geworden. Momente der Ruhe finden, wieder richtig genießen lernen, Stress abbauen, zufriedener sein. Es gibt eine ganze Reihe von Effekten, die sich Menschen von solchen Übungen erhoffen.

Die US-amerikanische Herzgesellschaft fügt einen weiteren dazu: das Herz gesund halten. Meditation kann demnach als Ergänzung der bekannten Maßnahmen - darunter ausreichend Bewegung, Nichtrauchen, Bluthochdruck behandeln - sinnvoll sein.

In einer wissenschaftlichen Stellungnahme hat sich ein Expertenteam mit der wissenschaftlichen Datenlage zum Thema Meditation und Herzgesundheit auseinandergesetzt. Die Fachleute haben sich dabei nur Meditationsformen ohne Bewegung angeschaut - denn Yoga, Tai-Chi oder andere Techniken, die körperliche und geistige Übungen verbinden, können sich ja allein schon wegen der Bewegung positiv aufs Herz auswirken.

Die große Einschränkung bei ihrem Ratschlag: Die Datenlange ist bescheiden. Viele Studien hatten wenige Teilnehmer oder eine kurze Laufzeit. Oft haben dieselben Forscher mehrmals zum Thema veröffentlicht - darunter solche, die offensichtlich große Meditationsfans und deshalb möglicherweise nicht ganz objektiv sind. Ob Meditieren das Herz schützt, ist also wissenschaftlich nicht bewiesen. Bisher lässt sich nur sagen: Es ist möglich.

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Günstig und ungefährlich

Folgende mögliche Effekte schreiben die Forscher Achtsamkeit, Zen-Meditation und ähnlichen Techniken zu:

  • Sie können möglicherweise helfen, den Blutdruck zu senken, wobei unklar ist, in welchem Maß (wenn überhaupt).
  • Sie können eventuell unterstützend wirken, wenn jemand mit dem Rauchen aufhört. Zigarettenkonsum ist nicht nur ein Risikofaktor für Krebs, sondern erhöht auch die Gefahr von Herzkreislaufleiden.
  • Ob Meditation das Risiko eines Herzinfarktes senkt? Auch dazu gibt es nur sehr wenige Untersuchungen, so dass sich noch kein sicherer Schluss ziehen lässt.
  • Generell scheint Meditation mit einem geringeren Stresslevel, besserem Schlaf und damit auch einem höheren Wohlbefinden zusammenzuhängen. Das kann wiederum das Herz entlasten, das zum Beispiel bei chronischem Stress mitleidet.

Zwei weitere Gründe sprechen aus Sicht der Experten dafür, die Techniken zu empfehlen: Zum einen ist es nicht teuer, Meditationstechniken zu erlernen - für den Einstieg kann ein Buch oder ein Online-Tutorial reichen. Zum anderen ist das Risiko schädlicher Nebenwirkungen gering, heißt es in der Stellungnahme.

Immer noch aktuell: Bewegung, gesunde Ernährung, Nichtrauchen

Das Expertenteam weist darauf hin, dass Meditation nicht die aktuellen Empfehlungen ersetzt, sondern nur eine mögliche Ergänzung darstellt.

Die Gesellschaft rät unter anderem zu einer abwechslungsreichen Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie mit Nüssen, Vollkorn, Pflanzenölen, Geflügel und Fisch. Regelmäßige Bewegung sollte Teil des Alltags sein; möglichst mindestens 2,5 Stunden Bewegung mittlerer Intensität (zum Beispiel schnelles Gehen, Gartenarbeit) oder 75 Minuten hoher Intensität (zum Beispiel Laufen, schnelles Schwimmen, Fußball) wöchentlich. Erhöhter Blutdruck sollte behandelt werden. Und wer raucht, würde seinem Herzen guttun, indem er damit aufhört - vielleicht gelingt das ja mithilfe der Achtsamkeit.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angaben zur empfohlenen Bewegung präzisiert.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
freigeistiger 28.09.2017
1. Erklärbar
Meditation ist Geist "Reset" und den eigenen Körper selber wahrnehmen, Achtsamkeit. Eine gute entspannte Atemtechnik und sich entpannt in sich fallen gehört dazu. Die Wirkung auf die Körperfunktionen ist wie beim Biofeedback. Man kann sich auf bestimmte Körperaspekte wie Herzfrequenz oder Blutdruck konzentrieren und sie damit beeinflussen. Das Nervensystem ist ein Organ, was zu den anderen Organen in Verbindung steht.
mdspandauer 28.09.2017
2. Entspannen ist wahrscheinlich gut fürs Herz ...
Captain Obvious schlägt wieder zu :-)
alexander_nissen 29.09.2017
3.
Das Ziel von Achtsamkeits-Meditation ist es aus Samsara heraus zu kommen und nicht es uns in unserer Gefängniszelle bequemer zu machen. Es ist in jedem Fall angebracht eine Augenbraue an zu heben wenn die Lehren des Buddha für weltliche Zielsetzungen umgemünzt werden.
marianne.weber 29.09.2017
4.
Gut, dass nochmal darauf hingewiesen wird, dass gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung immer noch aktuell sind. Sehr traurig, dass man das mal wieder so ausdrücklich erwähnen muss... "Regelmäßige Bewegung sollte Teil des Alltags sein; möglichst mindestens 2,5 Stunden Bewegung mittlerer Intensität (zum Beispiel schnelles Gehen, Gartenarbeit) oder 75 Minuten hoher Intensität (zum Beispiel Laufen, schnelles Schwimmen, Fußball)." Teil des Alltags? Also ich weiß ja nicht wie es anderen Berufstätigen so geht, aber ich hätte keine Zeit, jeden Tag 2,5 Stunden durch die Gegend zu laufen oder über eine Stunde joggen zu gehen, ohne mein Sozialleben zu vernachlässigen oder andere Hobbies auszugeben. Oder wie soll ich das verstehen? Da frage ich mich immer, ob die Ratgebenden sich wohl selbst an ihre Ratschläge halten.
Charly 29.09.2017
5. 2,5 Stunden täglich?
Das erscheint mir sehr viel. Oder pro Woche? Der Artikel ist einfach unvollständig!!
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