Smartphones und Tablets Worauf man bei Medizin-Apps achten sollte

Puls, Blutzucker und Blutdruck messen: Der Markt ist voll von Gesundheits-Apps. Manche sind nützlich, manche bergen Risiken. Experten warnen davor, das Smartphone als Arztersatz zu sehen.

Herzfrequenz und Co. als Anzeige auf dem Smartphone: Nicht jeder Gesundheits-App sollte man blind vertrauen
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Herzfrequenz und Co. als Anzeige auf dem Smartphone: Nicht jeder Gesundheits-App sollte man blind vertrauen


Den Puls mit dem Smartphone messen oder Ernährungstagebuch auf dem Tablet führen: Gesundheits- und Medizin-Apps machen vieles möglich. Und sie verbreiten sich rasant. Als Nutzer kann man leicht den Überblick verlieren. Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover beschäftigt sich seit Jahren mit solchen Angeboten. Generell gilt: Den ärztlichen Rat können Apps nicht ersetzen.

Martin Schneider, ein 18-jähriger Allergiker, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man die unterschiedlichen Angebote differenziert nutzen kann: "Ich habe eine App, die meinen Bedarf an Eiweiß, Kalorien oder Fetten so berechnet, dass ich mein Gewicht halte und ausgewogen esse, und das funktioniert gut", sagt Schneider. "Gehe ich zum Sport, passt das Programm meinen Verbrauch an." Aber: "Wenn meine Haut wieder durchdreht, gehe ich zum Arzt. Nur ein Foto von meiner Haut in die Praxis zu mailen zur Diagnose, kommt für mich nicht infrage", so der Allergiker.

Die Programme für Smartphones und Tablets oder auch fürs Handgelenk als Uhr oder Band, sogenannte Wearables, sind ein Megatrend. Die Flut von Angeboten ist kaum überschaubar. Unter drei Millionen Apps gibt es bereits rund 87.000 Angebote für den Bereich Fitness und Wellness und etwa 55.000 medizinische Apps. Das berichtete Hartmut Gehring vom Uniklinikum Schleswig-Holstein bei einer Experten-Tagung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Nicht immer ist unterscheidbar, ob die Apps nur Infos bieten, eher zu Lifestyle und Fitness gehören oder ins Medizinische reichen.

Puls- oder Blutdruckmessen gehört mit dem entsprechenden Zubehör zu den leichten Übungen einer Gesundheits-App. Nützlich für chronisch Kranke: Erinnerung an die Medikamenten-Einnahme, Dokumentation von Nebenwirkungen, von Blutwerten oder Migräne-Anfällen. Genutzt werden auch Seh- oder Hörtests, es gibt Nierenfunktionsrechner, Apps für Parkinson-Patienten, Diabetiker, Asthmatiker oder Menschen mit Schlafstörungen.

Das Problem: Experten warnen vor der Gefahr einer Fehldiagnose und der Fehlinterpretation von Bildern. Und sie warnen eindringlich davor, das Smartphone als Arztersatz zu sehen.

Auch in Arztpraxen oder im Klinikalltag werden mitunter Apps eingesetzt - quasi für die Kitteltasche. Bei Operationen werden sie beispielsweise schon zur Steuerung der OP-Roboter eingesetzt. Eine "Medical App" ist dann als Medizinprodukt zu bewerten und muss entsprechende Standards erfüllen, wenn die Software laut Hersteller "der Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten" dient. Doch Fachleute geben zu bedenken, dass bei der Überwachung der Hersteller und Kontrolle der Medical Apps noch vieles ungeregelt ist.

Verbraucher aber können von den Vorteilen der Apps profitieren, wenn sie auf einige Punkte achten:

Wie erkenne ich eine vertrauenswürdige App?

Die Hersteller sind angehalten, transparent und umfassend über die jeweilige App zu informieren. "Es muss klar und deutlich angegeben sein, wozu die App gedacht ist und wozu nicht", erklärt Albrecht aus Hannover. "Auch Angaben zu Risiken und Einschränkungen der App, Verlässlichkeit der Inhalte, Datenschutzaspekten und zu den Geldgebern gehören in die Beschreibung."

Einige Fragen und Aspekte, über die die Herstellerinformation Auskunft geben sollte:

  • Welchen Zweck hat die App?
  • Welche Grenzen, Risiken und Einschränkungen hat sie?
  • Sind die Autoren qualifiziert, und sind die verwendeten Informationsquellen zuverlässig?
  • Erfolgt die Eingabe, Verwendung und Speicherung der Daten auf freiwilliger Basis?
  • Gibt es ein ausführliches Impressum mit Angaben zum Hersteller und Kontaktinformationen?

Von welchen Angeboten ist eher abzuraten?

"Gesunde Skepsis ist bei Gesundheits-Apps angebracht, die vorgeben, selbstständig Diagnosen zu stellen", sagt Albrecht. Auch Apps, die konkrete Behandlungsempfehlungen geben, meide man besser. Anwendungen, die nur unklare Angaben zum Umgang mit den anvertrauten Daten machen, sollte ebenfalls mit Vorsicht begegnet werden. Die gesammelten, hochsensiblen Daten könnten für kommerzielle Zwecke genutzt werden, die nicht im Interesse des Nutzers sind.

Welche Apps sind für Verbraucher sinnvoll?

Anwendungen, die über Gesundheitsthemen informieren, die Anwender für ihre Gesundheit sensibilisieren und die gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen, können Vorteile bringen. Chronisch kranke Menschen können von Apps profitieren, die sie beim Management ihrer Erkrankung unterstützen. Zum Beispiel, indem sie relevante Messwerte, Medikamente und Aktivitäten leicht erfassbar machen oder die Verwaltung von Arztbesuchen komfortabel ermöglichen. Blutdruck- und Blutzucker-Apps sind Beispiele.

cib/Yuriko Wahl-Immel/Elena Zelle, dpa



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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
kaffee-junkie 31.03.2015
1. Hausarzt
Naja viel schlechter als die Diagnose, die mein Hausarzt mir nach 2 Std Wartezeit und 30 Sek Untersuchung stellt, kann eine App auch nicht sein. Manchmal hat mir Dr. Google schon ganz gut geholfen Symptome einzuordnen. Bei einem offenen Bruch würde ich keine App bemühen aber bei Kleinigkeiten, die sich nicht verschlimmern, gehe ich nicht mehr zu Doc.
DerNerd 31.03.2015
2.
Ich nutze selbst einige Apps und auch zusätzliche Geräte wie Puls und Blutdruckmesser sowie Sauerstoffsättigung des Blutes. Im großen und ganzen sind die sehr hilfreich bsp. bei der Gewichtsreduktion und Steigerung der Fitness. Bei einem Arztbesuch habe ich zudem den Vorteil ordentlich Daten liefern zu können, was auch für den Arzt hilfreich ist. Generell gehe ich aber auch nur zum Arzt wegen dem Blutbild alle Jahre und wenn mir wirklich was fehlt. Pillepalle für das ich nur einen gelben Schein für den Arbeitgeber brauche, dafür genügt mir auch ein 30 Sekundenbesuch in der Praxis (weils halt sein muss wegen dem Schein, so ginge ich gar nicht hin). Fazit: Fitness und Medizinapps können durchaus hilfreich sein, zur Unterstützung, zur Kontrolle über längere Zeit - vernünftig und mit Verstand eingesetzt versteht sich.
FabianSvii 31.03.2015
3. Selbst beantwortet...
Zitat von kaffee-junkieNaja viel schlechter als die Diagnose, die mein Hausarzt mir nach 2 Std Wartezeit und 30 Sek Untersuchung stellt, kann eine App auch nicht sein. Manchmal hat mir Dr. Google schon ganz gut geholfen Symptome einzuordnen. Bei einem offenen Bruch würde ich keine App bemühen aber bei Kleinigkeiten, die sich nicht verschlimmern, gehe ich nicht mehr zu Doc.
Warum gehen Sie überhaupt erst wegen Kleinigkeiten zum Arzt? Außer mit einer Krankschreibung kann ihnen bei solchen Zimperlitzchen auch kein Arzt helfen. Damit beantwortet sich dann auch die Frage, warum Sie zwei Stunden im Wartezimmer sitzen mussten: Sie waren mit Ihrem damaligen Konsultationsbedarf eben leider nicht der Einzige!
genervtneu 31.03.2015
4. Sowas aber auch ....
Ich war schon mal krank und wurde wieder gesund, ganz ohne App. Zu Aufzeichnung von Gesundheitsdaten mag sowas ja ganz nützlich sein, aber mittlerweile gibts es ja viele Hypochonder, da zwickt im Zeh und sofort wird gegooglet. Dabei kommt dann raus, dass irgendein Witzbold, Schamane oder experimentierfreudiger Arzt ohne Approbation der Meinung ist, man müsste Fuß oder Bein sofort absägen oder für teuer Geld mit umettikettierten Kloreiniger behandeln. Früher gab es sowas wie einen Durschgangsarzt, der einfach nur gut Diagnosen stellen konnte und man bekam ein Medikament oder wurde zum entsprechenden Spezialisten geschickt. Sowas braucht man heute wieder, dann bekommt man die Gesundheitskosten auch wieder in den Griff, denn eine App tastet einen z.B. nicht ab und stellt keine bohrenden Fragen. Gehen sie mal morgens zu einem Hausarzt, da ist alles voll verfetteter Rentner, die über Blutdruckprobleme und Atemnot klagen, aber die Wahrheit nicht hören wollen,nämlich, dass sie zu fett sind und sich bewegen und abnehmen müssen.
kaffee-junkie 31.03.2015
5.
Zitat von FabianSviiWarum gehen Sie überhaupt erst wegen Kleinigkeiten zum Arzt? Außer mit einer Krankschreibung kann ihnen bei solchen Zimperlitzchen auch kein Arzt helfen. Damit beantwortet sich dann auch die Frage, warum Sie zwei Stunden im Wartezimmer sitzen mussten: Sie waren mit Ihrem damaligen Konsultationsbedarf eben leider nicht der Einzige!
Wie ich ja sagte, gehe ich bei Kleinigkeiten nicht zum Doc. Aber selbst bei schlimmeren Erkrankungen wird innerhalb von Sekunden eine der Standard Diagnosen gezückt und das Standard Medikament verschrieben. Das könnte allerdings auch Google. Meiner Meinung nach können die Ärzte gar nichts dafür. Das System erlaubt kaum mehr.
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