Medizin der Zukunft Die Mensch-Maschine im OP

Derzeit modernisieren viele Kliniken ihre OP-Säle - dabei setzen sie immer häufiger auf Roboter. Experten sind sich sicher: Technik wird die Medizin weiter verändern. Was ist inzwischen möglich?

Roboterarm bei einer Biopsie
DPA/ Fraunhofer-Gesellschaft

Roboterarm bei einer Biopsie


Besteht bei einem Patienten Krebsverdacht, soll häufig eine Biopsie Klarheit bringen. Bei solchen Gewebeentnahmen ist oft höchste Präzision gefragt, um an die gewünschten Zellproben zu kommen. Dabei könnte in Zukunft immer häufiger ein Roboter im Operationssaal helfen.

Die Maschine manövriert die Nadel schnell und präzise an die optimale Stelle - eine sonst schwierige, zeitaufwendige Aufgabe für den Arzt. Dann bringt der Mediziner die Biopsie-Nadel durch eine Führung in Position, die der Roboter hält. Verwackeln ist ausgeschlossen. Die Hand des Arztes wird bei Kontrollbildern keinen Röntgenstahlen ausgesetzt, die bekommt die Maschine ab.

Einen solchen Roboter haben Forscher vom Fraunhofer Institut erschaffen. Dafür wurde ein Roboterarm, der bereits in der Industrie eingesetzt wird, für den medizinischen Zweck weiterentwickelt. Nun stellen sie ihr System auf der am Montag startenden Medizinmesse Medica in Düsseldorf vor. In einigen Jahren soll es auf dem Markt sein.

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Operationen: Roboter nutzen wenig und kosten viel

In Düsseldorf zeigen auch weitere Entwicklungen, was möglich ist: Etwa ein sehr sensitiver Roboter, der Injektionen setzen kann. Oder ein robotischer "Wurm". Er bohrt um die Ecke und soll minimal-invasiv schon bald bei einem Innenohr-Tumor zum Einsatz kommen. Einiges, was nach Science Fiction klingt, wird schon angewendet - auch wenn der Nutzen für Arzt und Patienten nicht in allen Fällen groß ist. Dennoch modernisieren viele Kliniken derzeit ihre OP-Säle und investieren öfter in Roboter-Assistenzsysteme, sagt etwa die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin.

Vor allem das Zusammenspiel von Mensch und Maschine steht derzeit im Fokus. "Roboterassistierte Systeme spielen schon länger eine Rolle", sagt Klaus-Peter Jünemann, Direktor des Universitätsklinikums Kiel. Beispiel: "Hochpräzisionsroboter nutzt man, um Röntgenstrahlen exakt auf das zu bestrahlende Gebiet zu richten." Die Urologie, aber auch die Neurochirurgie, setzen zunehmend auf roboterunterstützte Eingriffe.

Roboter müsse man aber in Einheit mit computergestützten Systemen und Computeranimationen sehen. "Das wird die Medizin nachhaltig verändern", ist der Urologe überzeugt. "Operationen in Hohlräumen, im Bauch- oder Brustraum, werden sukzessive nicht mehr offen durchgeführt, sondern künftig nur noch minimal-invasiv mit robotergesteuerten Systemen."

"Sie haben den Eindruck, Sie stehen im Menschen drin"

Der Chirurg sitzt dabei einige Meter vom OP-Tisch entfernt an einer Konsole und steuert damit via Roboterarm die Mini-Instrumente im Körper des Patienten. Er bewegt so Schere oder Nadel. Dabei kann er mit extrem hoher Beweglichkeit vorgehen, als Basis dienen ihm dreidimensionale Bilder, die ihm eine Spezialkamera liefert. Das alles ist bis zu zehnfach vergrößert. "Sie haben den Eindruck, Sie stehen im Menschen drin", sagt Jünemann. In mehr als 80 Kliniken werde mit diesem System schon gearbeitet. Kiel gilt als Vorreiter, hat komplett umgestellt. "Der Gewinn für die Patienten ist gewaltig." Da kaum noch aufgeschnitten werde, sei Wundheilung fast kein Problem mehr, der Blutverlust gering, die Präzision enorm.

Die Zukunft heiße "augmented reality" (erweiterte Realität), meint Jünemann: Das Diagnosebild - etwa ein markierter Hirntumor - soll in das OP-Bild projiziert werden. "Der Operateur weiß dann ganz genau, wo der Tumor verborgen ist und entfernt ihn, ohne gesundes Gehirngewebe zu zerstören."

Bernhard Kübler vom Robotik-Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert: "Unser großes Ziel ist, die Handhabung mittels roboterassistierter Systeme für den Chirurgen zu vereinfachen und damit das operative Spektrum drastisch zu erweitern." Sein DLR-Institut tüftelt seit 15 Jahren an diesen Systemen und sieht noch großes Potenzial.

"Aus robotischer Sicht sind auch spezialisierte Geräte denkbar, die Serviceaufgaben übernehmen, beispielsweise bei der Sterilisierung von OP-Instrumenten." Bereits im Einsatz - nicht im Operationssaal, sondern auf den Stationen - seien Roboter als fahrerlose Transportsysteme, die Essen ausgeben oder Tablets abräumen und in die Klinikküche fahren. Der Experte hebt die Vorteile für die Medizin hervor - die Schonung des Patienten und die erhöhte Präzision der Operationen. Und Kübler betont: "Der Arzt ist und bleibt derjenige, der operiert, nicht der Roboter."

Von Yuriko Wahl-Immel, dpa/joe



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