Meldonium Damit hat Marija Scharapowa gedopt

Marija Scharapowa wurde des Dopings überführt. Sie hat seit Jahren den Wirkstoff Meldonium genommen. Sportmediziner hatten das Herzmittel für legales Doping empfohlen, seit Jahresbeginn ist es verboten.

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Marija Scharapowa im März 2015
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Marija Scharapowa im März 2015


Meldonium kann das Herz schützen, wenn es größerer Belastung ausgesetzt ist. Aus diesem Grund ist es in einigen Ländern unter dem Namen Mildronate als Medikament für Herzkranke zugelassen.

Doch auch gesunde Sportler können von dem Wirkstoff profitieren. Er soll die Ausdauer verbessern, die Erholung nach Trainingsphasen optimieren, die Stimmung heben und sich sogar positiv auf Lern- und Gedächtnisprozesse auswirken. Lange war es legal, dass Sportler das Mittel einnehmen, doch seit dem 1. Januar 2016 steht es auf der Dopingliste der Welt Anti-Doping Agentur Wada.

Seitdem wurde es nicht nur bei der Tennisspielerin Marija Scharapowa nachgewiesen, sondern auch bei sechs weiteren Athleten, darunter ein Radsportler, zwei Biathleten und eine Eiskunstläuferin. Scharapowa sagt, sie habe das Medikament seit Jahren eingenommen und nicht mitbekommen, dass es verboten wurde. Die Liste ist nicht nur als PDF abrufbar, es gibt sogar eine App.

Ausrisse aus den Wada-Sperrlisten 2015 und 2016
SPIEGEL ONLINE

Ausrisse aus den Wada-Sperrlisten 2015 und 2016

Entwickelt wurde der Wirkstoff bereits in den späten Siebzigerjahren - ursprünglich als Wachstumsbeschleuniger in der Tierzucht, schreibt ein Team deutscher Forscher in einem Fachartikel im Fachblatt "Drug Testing and Analysis". In jüngerer Vergangenheit hätten dann klinische Studien gezeigt, dass das Mittel unter anderem bei Herzkrankheiten hilft. Der lettische Wissenschaftler Ivars Kavlins wurde 2015 für den Europäischen Erfinderpreis nominiert - unter anderem wegen der Erforschung von Meldonium.

Zellen arbeiten effizienter

Das Medikament beeinflusst den Stoffwechsel der Herzzellen und macht ihn, vereinfacht gesagt, effizienter und sauberer: Meldonium sorgt dafür, dass die Zellen unter Belastung ihre Energie verstärkt aus Glukose (Traubenzucker) gewinnen und weniger aus Fettsäuren. Infolgedessen kommen die Zellen auch mit weniger Sauerstoff zurecht und es sammeln sich weniger problematische Substanzen an. Und das hilft eben nicht nur Patienten, bei denen das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Sondern auch Sportlern, die ihre Leistung steigern wollen.

Listen der Dopingagentur Wada 2015 und 2016
SPIEGEL ONLINE

Listen der Dopingagentur Wada 2015 und 2016

So findet sich etwa eine begeisterte Empfehlung für Meldonium in einem Konferenzbericht lettischer Sportwissenschaftler von 2012 - mit dem Hinweis, dass es nicht auf der Dopingliste stehe und keine ernsten Nebenwirkungen habe. "Mildronate steigert Ausdauer und Leistung von Athleten (Ringer, Judokas, Kanuten, Ruderer und Volleyball-Spieler)", heißt es dort.

"Solche Beiträge können durchaus Sportlerinnen und Sportler motivieren, mit Hilfe von Substanzen ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern, insbesondere wenn diese als nicht verboten eingestuft sind und der Literatur nach keine unerwünschten Nebenwirkungen zur Folge haben", schreibt Mario Thevis vom Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE.

In Deutschland ist das Medikament Mildronate bislang nicht zugelassen. In vielen osteuropäischen Ländern wird es jedoch regelmäßig Herzkranken verschrieben. "Die Datenlage bezüglich der Langzeitwirkungen und Nebenwirkungen ist begrenzt", schreibt Thevis. Der Umfang von Wirkung und Nebenwirkung könne noch nicht objektiv abgeschätzt werden

Wie wurde Meldonium als Dopingmittel eingestuft?

Thevis erklärt: Substanzen, die zum Doping missbraucht werden könnten, über deren Verbreitung aber wenig bekannt ist, werden üblicherweise einem etablierten Monitoringprogramm der Wada unterzogen.

In den vergangenen ein, zwei Jahren habe es erhebliche Fallzahlen der Verwendung von Meldonium gegeben, sagt Doping-Fahnder Detlef Thieme vom Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Kreischa. Deshalb habe sich die Wada gezwungen gesehen, es wegen des Missbrauchs zu verbieten.

"Man kann bei einigen Fällen wie dem von Scharapowa davon ausgehen, dass der Sportler den Hinweis auf das anstehende Verbot vom Dezember nicht gelesen hat. Bei anderen Fällen ist es aber auch möglich, dass es sich lange im Körper gehalten hat. Solche Mittel gibt es, deren Einnahme noch ein halbes Jahr später nachgewiesen werden kann", sagt Thieme.

Konkret schlägt ein Expertengremium, das sich dreimal im Jahr trifft, vor, an welchen Stellen sich die Verbotsliste im Folgejahr ändern sollte. Diese Vorschläge werden an verschiedenen Stellen diskutiert, dann erneut von dem Gremium bearbeitet und an den Wada-Vorstand übergeben, der die überarbeitete Liste fürs Folgejahr im September vorstellt.

Mit Material von dpa

Zur Autorin
Nina Weber

Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

  • E-Mail: Nina.Weber@spiegel.de

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Seite 1
StFreitag 08.03.2016
1. Müssen Sportler
regelmäßig diese Liste konsultieren? Muß man sie nicht bitteschön explizit darauf hinweisen?
alex300 08.03.2016
2. Also, gestern von Mediziner EMPFOHLEN, heute plötzlich böses böses Doping?
Was soll das, bitteschön? Riecht verdächtig nach Intrigen der Politiker (ratet mal von welcher Hemisphere!) aus. Arme Maria.
crma 08.03.2016
3. @1
Müssen Sportler sich denn jeden Mist reinpfeifen? Wenn ich schon "legales doping" höre, dreht sich mein Magen um. Warum nimmt man über 10 Jahre eine leistungssteigernde Medizin, wenn man, wovon ich bei ihr ausgehe, keinen Herzinfarkt hatte? Also bitte, Sportler sollen Sport machen und sich nicht als Pharmaversuchskaninchen betätigen.
jungletiger9 08.03.2016
4. Oh, einen schoenen Gruss ...
Zitat von alex300Was soll das, bitteschön? Riecht verdächtig nach Intrigen der Politiker (ratet mal von welcher Hemisphere!) aus. Arme Maria.
... in den Osten unseres schoenen Kontinents. Da kann man schone Verschwoerungstheorien stricken. Selbst wenn die neue Regelung alle betrifft, ob in Ost oder West. Und dass einige Sportaerzte die legal verfuegbaren Moeglichkeiten ausreizen, so lange es eben noch legal ist, ist nicht wirklich unplausibel, oder? Etwas anderes ist aber, wenn es denn nicht mehr legal ist. Und da hat die betroffene Sportlerin ja sehr offen erklaert, dass der Fehler auf ihrer Seite liegt. Ich glaube nicht, dass M.S. selbst da eine boese Verschwoerung sieht ...
Danares 08.03.2016
5. Verschreibungspflichtig
Und weder ihr behandelnder Arzt, der das Rezept unterschrieben hat, noch die Apotheke sollen gewußt haben, daß Frau Scharapowa Leistungssportlerin ist? Ja nee, is' klar...
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