Zigaretten: Menthol-Raucher erleiden eher einen Schlaganfall

Von Alexandra Jane Oliver

Wer raucht, läuft eher Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Wer Menthol-Zigaretten raucht, steigert dieses Risiko. Das zeigt eine neue Studie aus Nordamerika. Erklären können Mediziner diesen Effekt aber nur zum Teil.

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dapd

Menthol-Zigaretten verdoppeln das Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Standardzigaretten

Wer regelmäßig zu Menthol-Zigaretten greift, ist anfälliger für Schlaganfälle. Das schreiben kanadische Forscher um den Mediziner Nicholas Vozoris im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine". Die Wissenschaftler haben in einer Studie untersucht, ob Menthol-Zigaretten das Risiko für Herz-, Gefäß- und Lungenkrankheiten stärker erhöhen als gewöhnliche Tabakprodukte.

"Zigaretten sind grundsätzlich schlecht für die Gesundheit. Wer die Schäden zumindest reduzieren möchte, sollte die Finger von Menthol-Zigaretten lassen", betont Vozoris, der am St. Michaels Hospital in Toronto arbeitet. Von den Mentholrauchern erklärten 3,4 Prozent bei der Befragung, schon einen Schlaganfall erlitten zu haben. Bei den gewöhnlichen Rauchern waren es dagegen 2,7 Prozent. Die Wissenschaftler hatten 5028 Raucher untersucht, die mindestens 20 Jahre alt waren. Die Befragung fand im Rahmen der der US-Amerikanischen Bestandsaufnahme für Gesundheit und Ernährung ("NHANES") statt.

Bei der Untersuchung berücksichtigten die Forscher auch Faktoren wie das Alter, die Herkunft, das Geschlecht und die Rauchgewohnheiten der Teilnehmer. Das Ergebnis: Mentholraucher haben im Vergleich zu anderen Rauchern ein doppelt so hohes Risiko einen Schlaganfall zu erleiden.

"Weitere Studien sind notwendig"

"Das ist enorm, besonders weil das Rauchen an sich das Risiko eines Schlaganfalls bereits verdoppelt. Bei Mentholrauchern vervierfacht es sich also, im Vergleich zu Nichtrauchern", sagt Max Nedelmann, Leitender Neurologe in der Universitätsklinik Gießen. Besonders gravierend waren die Ergebnisse bei Frauen und Menschen, die keine afroamerikanischen Wurzeln haben.

Bei ihnen erhöhte sich das Schlaganfallrisiko laut Studie sogar um mehr das Dreifache. Warum, konnten die Wissenschaftler nicht klären. "Dafür sind weitere Studien notwendig", schreibt Vozoris. Es gebe außerdem keinen Beweis dafür, dass es die Menthol-Zigaretten selbst sind, die das Schlaganfallrisiko erhöhen. "Es könnte ein Unterschied zwischen den beiden Rauchergruppen sein, der noch nicht untersucht wurde", erklärt Vozoris.

Der Wissenschaftler vermutet, dass das Inhalieren der Schlüssel ist. Der kühlende Effekt des Menthols hemmt normale Atemreflexe und führt dazu, dass diese Raucher Qualm länger in der Lunge behalten können. "Das wiederum könnte auch das Schlaganfallrisiko erhöhen", schreibt Vozoris. Möglicherweise beeinflusse Menthol auch vor allem die Blutgefäße, die zum Gehirn führen.

Kein zusätzliches Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten

Auf das sonstige Herz- und Gefäßsystem haben Menthol-Zigaretten laut Studie keine schlimmeren Auswirkungen als gewöhnliche Zigaretten. Bei der Untersuchung von Bluthochdruck, Herzinsuffizienz sowie chronischen Atemwegserkrankungen und Herzinfarkten traten zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede auf. Das heißt nicht, dass Raucher zum Beispiel kein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten haben. Laut dem U.S. Center for Disease Control sind alle Raucher zwei bis viermal anfälliger für Erkrankungen der Herzkranzgefäße als Nichtraucher.

Der deutsche Neurologe Nedelmann war überrascht, dass Menthol-Zigaretten nur das Schlaganfallrisiko erhöhen: "Es ist erstaunlich, weil Rauchen schädlich für alle Gefäßsysteme ist." Der Mangel an handfesten Erklärungen ist dem deutschen Experten zufolge einer der Schwachpunkte der US-Studie. "Die Studie ist deshalb schwierig zu bewerten", sagt Nedelmann.

Er kritisiert auch die Aussagen zu den verschiedenen Teilnehmergruppen. "Zu behaupten, dass Menthol-Zigaretten bei Menschen ohne afroamerikanische Wurzeln zu mehr Schlaganfällen führen als bei Afroamerikanern, ist überholt." Dafür sei die Gruppe der berücksichtigten Afroamerikaner viel zu klein. An der Studie hatten 606 Afroamerikaner teilgenommen.

Tatsächlich sind Menthol-Zigaretten bei afroamerikanischen Rauchern besonders beliebt. 71,8 Prozent von ihnen rauchen Menthol-Zigaretten, zeigte eine Studie, die im Fachmagazin "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlicht wurde. Dagegen ziehen nur 21 Prozent der europäisch stämmigen Amerikaner regelmäßig an Menthol-Glimmstängeln. Bei den US-Amerikanern mit südamerikanischen Wurzeln sind es 28,1 Prozent. Dieselbe Studie kam auch zum Ergebnis dass Menthol-Liebhaber viel seltener mit dem Rauchen aufhören, als andere Raucher.

Nedelmanns Fazit: "Die neue Studie ist spannend, aber tragbar ist nur die Hauptaussage. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Menthol-Zigaretten das Schlaganfallrisiko im Vergleich zu Standardzigaretten verdoppeln. Alle andere Behauptungen müssen weiter untersucht und erklärt werden."

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