Doping bei Olympia Verlockendes, gefährliches Methylhexanamin

Der Stoff zirkulierte in Evi Sachenbacher-Stehles Blut und brachte ihr den Ausschluss bei Olympia: Nahrungsergänzungsmittel mit Methylhexanamin sollen Fett schmelzen und Muskeln stählen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Substanz im Überblick.

Evi Sachenbacher-Stehle: Methylhexanamin im Blut
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Evi Sachenbacher-Stehle: Methylhexanamin im Blut


In welchen Produkten ist Methylhexanamin enthalten?

Methylhexanamin gehört zur Gruppe der Stimulanzien; dabei handelt es sich um Stoffe, die kurz vorm Wettkampf als Aufputschmittel eingenommen werden. Es ist häufig in sogenannten "Prä-Workout-Produkten" enthalten und soll die Leistung vorübergehend steigern. Nahrungsergänzungsmittel mit Methylhexanamin werden vor allem für eine extreme "fettschmelzende" oder muskelaufbauende Wirkung beworben.

In Nahrungsergänzungsmitteln wird Methylhexanamin oft illegal zugesetzt und nicht richtig deklariert. "Es ist seit langem bekannt, dass immer wieder verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel entdeckt werden", schreibt die Nationale Anti Doping Agentur Nada. "Die Nada warnt deshalb seit Jahren generell vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport."

Die Zahl der Dopingfälle mit Methylhexanamin sei in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, schreibt die Deutsche Sporthochschule Köln. Demnach wurde 2008 weltweit nur ein Dopingverstoß mit Methylhexanamin verzeichnet, 2009 waren es 31, 2010 stieg die Zahl auf 123, 2011 weiter auf 283. Im Jahr 2012 gab es 320 Dopingfälle mit Methylhexanamin - 45 Prozent aller Dopingbefunde mit Stimulanzien.

Welche Nebenwirkungen drohen?

Je nach Dosis könne Methylhexanamin den Blutdruck akut erhöhen, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Bewertung. In Kombination mit Koffein, in der es häufig in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist, komme es möglicherweise auch zu einem dauerhaften Blutdruckanstieg. Mögliche Folgen reichen von Kurzatmigkeit bis zu Brustenge oder sogar einem Herzinfarkt.

Durch den akuten Blutdruckanstieg steige außerdem die Gefahr für Hirnblutungen, warnt das BfR. Dies gelte insbesondere für Menschen, die etwa aufgrund eines erweiterten Blutgefäßes im Gehirn bereits ein erhöhtes Risiko haben. Laut Nada ist zudem ein Fall bekannt, bei dem es nach der Einnahme eines Methylhexanamin-haltigen Nahrungsergänzungsmittels zu einer akuten Hepatitis sowie weiteren Leberschädigungen kam.

Unter welchen Namen wird Methylhexanamin noch eingesetzt?

Methylhexanamin verbirgt sich auf den Listen mit Inhaltsstoffen häufig hinter Bezeichnungen, die so nicht auf der Dopingliste stehen. Zu den weiteren Bezeichnungen zählen: 1,3-Dimethylamylamin, Dimethylpentylamin, Geranamin, Forthan, Floradren, Geranamine, Geraniumöl, Geraniumwurzelextrakt, 4-Methyl-2-hexanamin, 4-Methyl-2-hexylamin, 2-Amino-4-methylhexan Pentylamin und DMAA.

irb

insgesamt 28 Beiträge
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11severinus 22.02.2014
1. ...und Doping ist nicht wichtig.
Stell dir das mal vor. Der Sport tritt in den Hintergrund, unnötige Aufregung wg.Doping, Herr Vesper. Sie werden allein mit Herrn Bach am Sonntagabend auf der Tribüne mit Putin sitzen, alle übrigen Vasallen Putins sind entthront und es machte keinen Sinn, wenn sie beiwohnten, Janukowitsch hat nur den Anfang gemacht; schade um so viel Mühe für die Friedensspiele der Weltjugend angesichts von durch Putin mitverantwortete mindestens 77 Maidan-Tote. Evi ist ja schon zu Hause bei Mami! Und Janukowitsch sucht neue Freunde.
fatal.justice 22.02.2014
2. @ 11freundemüsstihrsein
Na also - so ein wenig inhaltliche Kontingenz würde Ihren Ausführungen nicht schaden...
specialsymbol 22.02.2014
3. Muskelaufbauend?
Danke für den Tipp! Unter irgendeinem der Gebrauchsnamen müsste das ja noch zu finden sein.
Pfaffenwinkel 22.02.2014
4. Mir kann niemand erzählen,
dass die Sportler nicht ganz genau wissen, was sie da zu sich nehmen.
guteronkel 22.02.2014
5. optional
Oh, ja, das Früchtebrot vom Land-Bäcker war jetzt Schuld. Wir kennen das zur Genüge aus dem Radsport: Jan Ullrich hatte auch so lange nicht gedopt, bis man es ihm bis ins Detail nachweisen konnte. Wer jetzt noch glaubt, dass in D nicht gedopt wird ist schon sehr naiv. Irgendwie freut mich diese Pleite für den DOSC. Der Herr Bach soll vor Scham im Boden versinken. Wir brauchen bessere Kontrollen der Sportzentren (Deutsche Sporthochschule in Köln, z.B.) und lückenlose Kontrollen und Nachweise vor Veranstaltungen. Was bisher getan wurde ist nur Sand in die Augen der Sportfans zu streuen.
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