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Michael Douglas' Krebstheorie: Keine Panik beim Oralsex

Schauspieler Douglas: Welche Rolle spielten Viren, welche Rolle Rauchen und Alkohol? Zur Großansicht
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Schauspieler Douglas: Welche Rolle spielten Viren, welche Rolle Rauchen und Alkohol?

Krebs durch Cunnilingus? In einem Zeitungsinterview plaudert Hollywood-Star Michael Douglas darüber, dass Papillomaviren Kehlkopfkrebs auslösen können. Tatsächlich sind die Erreger in der Bevölkerung weit verbreitet - ein bösartiger Krebs entsteht bei Männern aber nur selten.

Michael Douglas ist zurück auf der Leinwand: Als Liberace, der legendäre US-Pianist und Entertainer. In "Behind the Candelabra" hat er viel Sex mit seinem jungen Lover Thorson (gespielt von Matt Damon), den er mit seiner besitzergreifenden Liebe tyrannisiert. Pünktlich zum Filmstart in Großbritannien plaudert Douglas mit der britischen Zeitung "The Guardian" nicht nur über seine Rolle, sondern auch Details seiner Erkrankung: Den Kehlkopfkrebs, der 2010 bei ihm entdeckt und therapiert worden war, habe er sich beim Oralverkehr einfangen können.

Ein Sprecher von Michael Douglas dementierte am Montag, dass der Schauspieler Oralsex als Auslöser seiner Krebserkrankung bezeichnet habe. "Er hat nie gesagt, dass Cunnilingus die Ursache für seinen Krebs war", teilte Allen Burry in New York auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Douglas habe im Gespräch mit dem britischen "Guardian" über verschiedene Ursachen von Kehlkopfkrebs geredet. Dabei sei als mögliche Übertragung von Erregern auch Oralsex zur Sprache gekommen, so Burry. Der "Guardian" reagierte bisher nicht auf das Dementi.

"Ohne zu speziell werden zu wollen, dieser bestimmte Krebs wird von HPV verursacht, die tatsächlich beim Cunnilingus übertragen werden", sagte der Schauspieler im Interview. Die Abkürzung HPV steht für Humane Papillomaviren, die Entzündungen und gut- aber auch bösartige Tumoren der Haut und Schleimhäute auslösen können. Bekannt sind HPV vor allem, weil sie auch bei jungen Frauen zu Gebärmutterhalskrebs führen können.

Doch auch Männer können erkranken. Zwar verläuft eine Infektion mit HPV meist unbemerkt und heilt häufig auch genauso wieder ab. Denn die Viren sind weit verbreitet, und die meisten sexuell aktiven Frauen und Männer infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal. Doch mitunter ist das Immunsystem schwächer als die Viren, von denen es über 120 verschiedenen Typen gibt. 40 davon sind verantwortlich für Geschlechtserkrankungen und werden durch Genital-, Anal- oder Oralverkehr übertragen. Unter ihnen gibt es Niedrigrisiko- und Hochrisiko-Typen. Als Folge einer Infektion mit Niedrigrisiko-Viren können Feigwarzen, sogenannte Kondylome, wachsen, die sich am Penis und Anal- oder Scheidenbereich ausbreiten.

Hälfte der Fälle von Kehlkopfkrebs entstehen in Verbindung mit HPV

Nach einer Ansteckung mit Hochrisiko-Typen, hier vor allem mit HPV-16 und -18, droht in einigen Fällen ein bösartiger Tumor. Etwa jede zehnte HPV-Infektion heilt nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin nicht ab und wird chronisch. Bei Frauen liegt das Risiko für die Entstehung von Krebsvorstufen dann bei 40 Prozent. Von den Frauen mit mäßigen bis schweren Vorstufen wiederum entwickeln 20 bis 30 Prozent in den folgenden 5 bis 10 Jahren Gebärmutterhalskrebs.

Bei Männern entstehen bösartige Tumoren durch HPV deutlich seltener. Ein Peniskarzinom kann sich ebenso entwickeln wie ein Analkarzinom. Und wer Oralverkehr mit einem infizierten Partner hat, bei dem können sich die Viren auch im Mundraum ansiedeln und zu Mund- oder Rachenkrebs führen.

Grund zur Panik vor Oralsex ist das aber nicht: Diese Tumorart ist insgesamt sehr selten, nur 13 von 100.000 Einwohnern erkranken nach Angaben des RKI hierzulande neu daran. Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung sind Rauchen und Alkoholkonsum. In etwa der Hälfte der Fälle sind bösartige Tumoren des Mundrachenraums laut RKI mit HPV-Infektionen assoziiert.

Impfung auch für Jungen gefordert

Einen hundertprozentigen Schutz vor der Infektion gibt es indes noch nicht. Selbst Kondome können die Ansteckungsrate nur verringern, denn die Viren können sich auch in der umliegenden Haut einnisten. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) am RKI in Berlin, alle Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren gegen HPV zu impfen. Die Immunisierung ist allerdings umstritten, weil die Schutzwirkung nicht ausreichend durch Studien belegt sei, bemängeln Kritiker.

Für Jungen ist die Impfung bislang nicht geplant, doch das RKI beschäftigt sich bereits mit dieser Frage. Im "Epidemiologischem Bulletin (32/09)" schreiben die Autoren, es solle geklärt werden, "unter welchen Voraussetzungen eine Impfung von Jungen sinnvoll sein könnte".

Der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, der sich im Streit um die Stiko-Empfehlung bereits für die Impfung eingesetzt hatte, ist auch für eine Immunisierung von Jungen: "Wenn wir wirklich die Viren in einem vorhersehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden", sagt zur Hausen. Der Wissenschaftler hatte 2008 für seine Entdeckung, dass Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs verursachen können, den Nobelpreis bekommen.

Impfkalender von zwei bis 17 Jahren
Impfung 2-4 Jahre 5-6 Jahre 9-11 Jahre 12-17 Jahre
Tetanus nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Diphtherie nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Keuchhusten (Pertussis) nachholen auffrischen (auffrischen) (auffrischen)
Haemophilus influenzae Typ b nachholen
Kinderlähmung (Poliomyelitis) nachholen nachholen (auffrischen) (auffrischen)
Hepatitis B nachholen nachholen nachholen
Meningokokken C nachholen nachholen nachholen nachholen
Masern nachholen nachholen nachholen nachholen
Mumps, Röteln nachholen nachholen nachholen nachholen
Windpocken (Varizellen) nachholen nachholen nachholen nachholen
Humanes Papillomvirus Mädchen/Frauen
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2013, 26. August 2013. (x): Impfung im dritten Monat nur bei bestimmten Impfstoffen. Nachholimpfung: Grundimmunisierung aller noch nicht Geimpften bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie. (Auffrischen): nur einmal in zwei Altersspannen notwendig.

hei

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insgesamt 73 Beiträge
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    Seite 1    
1. Genialer PR-Zug von M.D.
Analogkäse 03.06.2013
Alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat, geht immer.... Allerdings muss die Dosis erhöht werden- dies tat M.D. . Es wird bald keine Scham-Intimgrenze mehr geben! Widerlich, wie ein Promi mit eigentlich derart banalen Äußerungen auf den Aufmerksamkeits-Thron stößt !
2. Rauchen...
Airkraft 03.06.2013
Rauchen soll ja auch Krebs erzeugen! Wenn aber schon Krebs, dann aber doch lieber Krebs vom Oralsex ;-)
3. Hauptsache im Gespräch
chefrationalist 03.06.2013
Man hätte meinen können, ein alter Mann wie Michael Douglas hätte es nicht mehr nötig, seine Filmkunst dadurch zu bewerben, dass er sein Intimleben in der Presse ausbreitet. Ich könnte auf seine Intimbeichten über Sexualpraktiken mit vermeintlichen Gesundheitsrisiken jedenfalls verzichten. Hoffentlich ist sein neuer Film unterhaltsamer.
4. Gut so
Akka 03.06.2013
Die Wissenschaft bestätigt, wenn auch im geringen Umfang, das Krebsrisiko durch Oralsex. Wenn das Ganze ein wenig mehr der Aufklärung dient, dann ist es doch gut so.
5.
max-mustermann 03.06.2013
Zitat von chefrationalistMan hätte meinen können, ein alter Mann wie Michael Douglas hätte es nicht mehr nötig, seine Filmkunst dadurch zu bewerben, dass er sein Intimleben in der Presse ausbreitet. Ich könnte auf seine Intimbeichten über Sexualpraktiken mit vermeintlichen Gesundheitsrisiken jedenfalls verzichten. Hoffentlich ist sein neuer Film unterhaltsamer.
Dann tun sie es doch einfach oder wer genau zwingt sie diese Artikel zu lesen ?
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