Rezeptfreigabe für Triptane Ärzte warnen vor Gefahr durch Migränemittel

Triptane gelten als Wundermittel bei Migräne. Immer mehr Pharmafirmen versuchen, diese Wirkstoffe rezeptfrei auf den Markt zu bringen. Doch Ärzte warnen: Für Patienten wird die Therapie teurer und ohne ärztliche Überwachung auch schnell gefährlich.

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Migräne: Triptane helfen gegen akute Attacken - haben aber auch gefährliche Nebenwirkungen
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Migräne: Triptane helfen gegen akute Attacken - haben aber auch gefährliche Nebenwirkungen


Unerträgliche Schmerzen, häufig gepaart mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit: Millionen Deutsche leiden unter Migräne. Für die Betroffenen sind wirkungsvolle Medikamente gegen die quälenden und wiederkehrenden Kopfschmerzattacken oft ein Segen.

Dazu zählen Triptane, eine Gruppe von Wirkstoffen, die die Behandlung von akuten Anfällen revolutioniert haben. Sieben solcher Wirkstoffe gibt es. Zwar sind sie oft wirkungsvoll, aber nicht immer unbedenklich. Seit 2006 wurden bereits zwei Triptane in kleinen Packungsgrößen aus der Verschreibungspflicht entlassen. Zwei weitere sollen voraussichtlich Ende des Jahres für den rezeptfreien Verkauf freigeben werden.

Hartmut Göbel, Migräne-Experte und Leiter der Schmerzklinik Kiel, kritisiert diese Pläne. Denn: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten Medikamente in der Regel nur dann, wenn sie unter Verschreibungspflicht stehen. "Wenn diese wegfällt, werden die Kosten auf die Patienten abgewälzt", sagt Göbel. Eine Tablette koste zwischen drei und fünf Euro, bei einem Migräneanfall müssen oft mehrere eingenommen werden.

Doch die Kosten seien nur einer der Gründe, die gegen die Rezeptfreiheit sprechen. "Triptane erfordern eine ärztliche Begleitbehandlung", sagt Göbel. Dazu gehöre auch, die Diagnose Migräne zu stellen und Kopfschmerzen anderer Ursache auszuschließen. Denn nur bei Migräne können Triptane helfen. Es sei wichtig, Patienten nicht bloß über die richtige Einnahme dieser Mittel aufzuklären - sondern auch darüber, wie sie Migräneattacken vorbeugen können. Gut eine Stunde Zeit nimmt sich Göbel dafür, wenn Betroffene in die ambulante Sprechstunde der Schmerzklinik kommen: "In der Apotheke ist das so nicht zu leisten", sagt der Experte.

Unvorhersehbare Risiken

Bei falschem Gebrauch schaden Triptane zudem mehr, als sie nutzen. Wer sie an mehr als zehn Tagen im Monat einnimmt, kann die Beschwerden verschlimmern, die er eigentlich lindern will. Mediziner sprechen vom medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Für einige Patienten sind Triptane sogar gefährlich, weil sie den Blutdruck erhöhen. Wer unter Herz- oder Gefäßkrankheiten leidet, sollte auf Triptane verzichten, um das Risiko für einen Infarkt nicht zu steigern. Die Schmerzklinik Kiel bittet Patienten regelmäßig zur Kontrolluntersuchung, um solche Gefahren auszuschließen.

Warum aber werden immer mehr dieser Mittel rezeptfrei verkauft? Am Anfang steht in der Regel ein Antrag der Pharmahersteller beim Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht, angesiedelt am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Im Fall des Migränemittels Sumatriptan sprachen Vertreter der Hersteller bereits 2009 in dem Ausschuss vor. Im Protokoll werden sie anonym als externe Sachverständige geführt, eine Präsentation der Firma Betapharm ist dort einsehbar.

Argumentiert wurde mit Herstellerstudien: Demnach würden nur solche Patienten in der Apotheke nach Triptanen verlangen, die eine diagnostizierte Migräne hätten. Der Ausschuss sprach sich dafür aus, einige Sumatriptan-Präparate ohne Rezept zu verkaufen. Das Bundesgesundheitsministerium ließ daraufhin einen Entwurf zur Änderung der Verschreibungsverordnung erarbeiten. Wenn der Bundesrat auf einer für November geplanten Sitzung zustimmt, wird die Rezeptpflicht für die Wirkstoffe Sumatriptan und Zolmitriptan teilweise aufgehoben.

Mehr Eigenverantwortung

Ein Mitglied des Sachverständigenausschusses ist Karen Nieber, Direktorin des Instituts für Pharmazie an der Universität Leipzig. Über die Triptan-Freigabe habe man viel diskutiert, sagt sie. Problematisch sei gewesen, dass immer mehr Anträge von Herstellern einliefen, nachdem ein erstes Präparat freigegeben war. "Da hatte ich schon manchmal Bauchschmerzen." Im Fall des Wirkstoffs Rizatriptan sei die Freigabe sogar abgelehnt worden, weil dessen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten besonders gefährlich seien. Die erfolgten Empfehlungen hält sie aber für richtig.

Zwar glaubt auch Nieber nicht, dass jeder Apotheker die Käufer genügend berät. "In der Packungsbeilage wird aber auf die Risiken hingewiesen - auch darauf, dass die Triptane nur nach einer Migränediagnose eingenommen werden sollten", sagt Nieber. "Und ohnehin werden ja nur kleine Packungen ohne Rezept verkauft."

Zwar bleiben große Packungen rezeptpflichtig und werden auch erstattet. Fraglich ist aber, ob Betroffene überhaupt noch zum Arzt gehen, um sich die Medikamente verschreiben zu lassen. Nieber hofft auf die Eigenverantwortlichkeit der Patienten. "Wir sollten ihnen mehr zutrauen. Und wer den Beipackzettel nicht liest, der sollte gar keine Medikamente nehmen."



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insgesamt 41 Beiträge
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OrreWombell 13.09.2013
1. optional
Genau, immer schön zum Arzt rennen, der einen am Ende dann doch die Medikamente verschreibt.... Kann ich bitte als mündiger Bürger meine Arzneimittel endlich bei Amazon bestellen!
spon-facebook-10000313918 13.09.2013
2.
"Wir sollten ihnen mehr zutrauen. Und wer den Beipackzettel nicht liest, der sollte gar keine Medikamente nehmen." - Wieviele Menschen mit einem akuten Migräneanfall wohl überhaupt noch in der Lage sind diesen Beipackzettel zu entziffern?
berliner-icke 13.09.2013
3. ups ... sehr bedenklich!
wenn jemand die heftigen Migräne-Anfälle kennt, der weiß auch, das ein Mensch diese Schmerzen weg haben will, koste es was es wolle und dann denkt auch niemand an Nebenwirkungen. Rein damit was Hilfe verspricht und das viel und schnell! Ohne Arzt zwar bestimmt eine super Einnahmequelle, aber total verantwortungslos und gier-gesteuert ! Ich habe "Gott sei dank" nur etwa zweimal im Jahr solche heftigen Attacken, aber total gegen freien Verkauf der Helferlein!
ruediger 13.09.2013
4.
Zitat von sysopDPATriptane gelten als Wundermittel bei Migräne. Immer mehr Pharmafirmen versuchen, diese Wirkstoffe rezeptfrei auf den Markt zu bringen. Doch Ärzte warnen: Für Patienten wird die Therapie teurer und ohne ärztliche Überwachung auch schnell gefährlich. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/migraene-aerzte-warnen-vor-rezeptfreigabe-von-triptanen-a-921954.html
Endlich mal Eigenverantwortung des Patienten statt zeit- und kostenintensiver Rezeptpflicht. Es ist doch völlig unsinnig Patienten zum Arzt zu schicken, damit diese der Sprechstundenhilfe die Verschreibung diktieren. Was die GKV bezahlt sollte ohnehin nicht von der Rezeptpflicht abhängen (sondern besser über eine Selbstbeteiligung gesteuert werden)
Walther Kempinski 13.09.2013
5. Wer lesen kann
Wie man die Dinger einnimmt, steht doch im Beipackzettel. Wer lesen kann darf weiter leben und der Rest mendelt sich eben aus dem Genpool heraus. Der Arzt sagt in aller Regel auch nur das was im Beipackzettel steht. Soll man deswegen nun wieder die Arztpraxen mit Patienten vollstopfen, die sich auch selbst behandeln können und wollen? Wir sind aufgeklärte Bürger und kein Schafsvolk. Wer eine schlimme Krankheit hat und ohnehin schon 20 Medikamente überkreuz nehmen muss, der kann ja gerne zum Arzt gehen. Für den Rest gilt: Read the fucking manual...
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