Morgellons-Krankheit Schlimmes Hautleiden beruht wohl auf Einbildung

Es kribbelt, es juckt und sieht aus, als wüchsen Fäden aus dem Körper: Vor allem Frauen klagen über eine mysteriöse Hautkrankheit. US-Forscher haben das Morgellons genannte Phänomen untersucht - und hoffen nun auf bessere Hilfe für die Betroffenen.

Von

AP/ CDC

Das Leiden der Betroffenen ist real: Ihre Haut juckt, oft fühlt es sich an, als würden Tierchen unter ihr herumkrabbeln. Dazu scheinen ihrer Beschreibung zufolge Fasern, Fäden und andere kleine Materialstücke aus den gereizten Stellen zu wachsen. Manchmal auch Parasiten.

Was steckt hinter diesem Phänomen, das erst im Jahr 2002 auftauchte - unter dem Namen Morgellons, der sich auf einen Bericht des englischen Philosophen Sir Thomas Browne bezieht? Wird das Leiden von Bakterien, Viren oder Würmern ausgelöst? Reizen Umweltgifte die Haut? Oder ist es ein psychisches Problem, weil die Betroffenen bloß überzeugt von den juckenden Übeltätern sind - und sich die Entzündungen durch ständiges Kratzen selbst zuziehen? In Form des sogenannten Dermatozoenwahns, bei dem Menschen von eingebildeten Parasiten gequält werden, ist ein ähnliches Phänomen lange bekannt. 2009 erklärten Forscher Morgellons zum Internet-Mem.

Die US-amerikanische Seuchenbehörde CDC ist der Morgellons-Krankheit in einer großen Untersuchung nachgegangen, deren Ergebnis jetzt im Fachmagazin "PLoS one" erschienen ist. Eine glasklare Schlussfolgerung bleiben die Forscher schuldig. Doch einiges schließen sie aus. "Wir haben keinen Beleg dafür gefunden, dass das Leiden infektiös ist oder dass Ärzte nach einer anderen ansteckenden Krankheit als mögliche Ursache suchen sollten", sagt Mark Eberhard, der die CDC-Abteilung für parasitäre Krankheiten und Malaria leitet. Das sei beruhigend - Betroffene stecken also weder Familienmitglieder noch Freunde an, erklärt der Studienautor.

Weniger als vier Fälle pro 100.000 Einwohner

Die Forscher durchsuchten die Datenbank des Gesundheitsunternehmens Kaiser Permanente in Nordkalifornien nach Morgellons-Fällen. 3,2 Millionen Menschen nehmen nach Angaben des CDC Angebote des Krankenversicherers und Klinikbetreibers in Anspruch, das sind rund 30 Prozent der Bevölkerung in den nördlichen Counties Kaliforniens. Im Zeitraum von 2006 bis 2008 stieß das Forscherteam auf 115 Fälle - das Syndrom ist also selten. Diese Patienten wurden angerufen und, wenn sie einwilligten, im Rahmen der Studie untersucht.

Fast 80 Prozent der Betroffenen waren weiße Frauen, das Durchschnittsalter der Erkrankten lag bei 52 Jahren. Auch der Dermatozoenwahn trifft in erster Linie ältere Frauen.

Die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Gesundheitszustand insgesamt schlecht war, 70 Prozent litten nach eigenen Angaben unter andauernder Erschöpfung. Zudem klagte ein großer Teil über Rücken-, Gelenk- oder Muskelschmerzen.

Die Ärzte untersuchten 40 Betroffene genauer. Dabei zeigte sich, dass die Patienten sehr unterschiedliche Beschwerden hatten: Knötchen, Narben, größere, runde, entzündete oder verschorfte Stellen und ein Geschwulst bekamen die Mediziner präsentiert. Wobei die Betroffenen eine erschreckende Anzahl an gereizten Stellen vorweisen konnten - durchschnittlich 17. Die meisten befanden sich an den Unterarmen, Rücken, Brust, Gesicht oder Unterschenkeln.

Fusseln kleben an entzündeter Haut

Die Ärzte fanden auch Fasern, die lagen jedoch in fast allen Fällen im obersten Bereich der juckenden Hautregion. Es handelte sich bei den Fäden oft um Cellulose, also Baumwolle. Auch Polyamid - Nylon - fanden die Forscher, ebenso eine Verbindung, die höchstwahrscheinlich von Nagellack stammte.

Es spricht also sehr viel dafür, dass die scheinbar aus der Haut wachsenden Fasern tatsächlich von außen an der nässenden oder eiternden Hautoberfläche kleben geblieben sind und bisweilen unter dem sich bildenden Schorf hängen blieben. Zudem deuteten viele Biopsien darauf hin, dass die Hautstörungen durch ständiges Kratzen verursacht wurden.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen litt der Untersuchung zufolge an psychischen Problemen, darunter auch Depressionen - das ist eine ungewöhnlich hohe Quote. Zudem maßen die Mediziner per Haarprobe, dass die Hälfte der Patienten kürzlich Drogen oder starke Beruhigungs- oder Schmerzmittel konsumiert hatte.

"Wir können nicht schlussfolgern, dass es sich bei diesem Hautleiden um eine neue Krankheit oder um eine weitere Ausprägung des Dermatozoenwahns handelt, mit dem es einige Merkmale teilt", schreiben die Forscher. Aber sie konnten anhand der Biopsien feststellen, dass es dort wenig zu finden gab, was ein Arzt konkret hätte behandeln können.

Da es keine eigene Therapie für die Morgellons-Krankheit gibt, schlagen die Forscher vor, andere diagnostizierte Störungen zu behandeln - also etwa Depression, Drogensucht oder Schmerzmittel-Abhängigkeit. Ob dies auch die Morgellons vertreibt, ist aber leider ungewiss. Hautbiopsien und die Fahndung nach exotischen Würmern und Bakterien können Ärzte den Betroffenen aber ersparen.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
katie10 05.08.2012
1. optional
ich finde das ist doch klar, das man bei den entzündeten hautstellen kratzspuren findet! wen die stellen ständig jucken, kratzt man ja wohl auch, das die betroffenen depressiv sind finde ich auch nicht verwunderlich, wen es mir schlecht geht und keiner mir glaubt und ich voll von exemen bin ist das kein wunder und außerdem kann das ja auch ein syntom der krankheit sein! das letztendlich zu starken schmerzmitteln, drogen und ähnliches gegriffen wird ist ja wohl auch nicht verwunderlich, wen einen nicht geholfer wird muß man sich ja irgendwie selber helfen! man sollte die betoffenen langsam mal ernst nehmen!
zeroset 09.08.2012
2. Ja, genau....steht im Spiegel und muss demnach ja wahr sein
....die Frage die sich stellt ist folgende: Wie können Fasern, die aus der Haut wachsen oder stark juckende Stellen "EINBILDUNG" sein. Aufgrund der immer stärker durchgeführten Cloud-seeding Geschichte, ist es eher möglich, nein sogar sehr warscheinlich, das diese Hautveränderung aufgrund von "Stoffen" kommen, die in diesen "Regenwolken" stecken. Mir wird schlecht und ich werde echt stinksauer, wenn jemand so ein Mist schreibt, danke SPIEGEL...ihr wisst echt bescheid
nurso14112012 14.11.2012
3. Artikel ist eine Lüge
es muss ja irgendetwas darüber berichtet werden, auch wenn es eine lüge ist. wenn aus dem ursprungsartikel nur das zitiert wird, was zu der lüge passt, kann jeder behaupten, dass diese krankheit eine einbildung ist. viele menschen leiden an diese karnkheit und haben keine kratzspuren oder ähnliches an denen sich angeblich diese nylonfäden absetzen können. polyamid sind kleine plastikfasern, die sich die betroffenen aus der haut ziehen. werden diese unters mikroskop gelegt, ist ersichtlich, dass es lebewesen sind. tipp: besser zitieren und die wahrheit schreiben.
schemmie 21.11.2012
4. Wenn Dir der Spiegel keine Fotos von Fäden zeigt...
Zum Thema Morgellons sollte man die Google-Bildersuche sowie google ganz allgemein nutzen. Es gibt auf Youtube unzählige Dokus, in denen man sehen kann, wie Ärzte ihren Patienten diese "Einbildung" entnehmen und unter dem Mikroskop analysieren. Der Spiegel verunglimpft die gesamte Chemtrailproblematik und nun auch leider diese kranken Menschen, mit einem harmlosen Bild von einer Narbe. Wenn Dir der Spiegel keine Fotos von Fäden zeigt, sind diese nicht existent... Auf Verharmlosung hereinzufallen, weil es einen beruhigt, ist eine Sache, sich an dieser aktiv zu beteiligen, eine andere. Letzteres muss man verantworten können, denn im Endeffekt spielt es keine Rolle, ob man es aus manipulativen oder naiven Gründen tut.
mrsa-doc 11.04.2013
5. Morgellons / chemtrails
Zitat von sysopAP/ CDCEs kribbelt, es juckt und sieht aus, als wüchsen Fäden aus dem Körper: Vor allem Frauen klagen über eine mysteriöse Hautkrankheit. US-Forscher haben das Morgellons genannte Phänomen untersucht - und hoffen nun auf bessere Hilfe für die Betroffenen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,836099,00.html
Selten so einen lächerlich schlecht recherchierten Artikel gelesen ! Beim nächsten mal vorher bitte informieren, Rolf Müller Arzt Chemtrails | Politaia.org (http://www.politaia.org/thema/umwelt-und-gesundheit/chemtrails/)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.