Erst Hitze, dann Regen So trotzen Sie der Mückenplage

In den kommenden Wochen droht eine Mückenplage. Warum werden manche Menschen besonders häufig gestochen? Und wie lässt sich erklären, dass Stiche dieses Jahr noch fieser jucken als sonst?

Hausmücke
imago/ blickwinkel

Hausmücke


Egal, ob beim Grillen im Garten oder beim Picknick am See - sobald die Dämmerung einsetzt, wird es schnell ungemütlich: Mücken begeben sich auf die Suche nach Blut. Dann ist guter Schutz gefragt. Alles, was Sie über die Plagegeister wissen müssen.

Wird 2018 ein Mückenjahr?

Ja, wird es. Wenn der Frühling warm ist und plötzlich kommt, wie in diesem Jahr, schlüpfen besonders viele Mücken auf einmal. Noch dazu gab es feuchtes Wetter: "Es sorgt dafür, dass sich vor allem Kriebelmücken und Gnitzen stark vermehren", sagt Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).

In den vergangenen Wochen hat die Trockenheit die Mücken zwar in vielen Regionen wieder dezimiert. Nach starken Regenfällen kann sich das jedoch schnell ändern. Dann finden Weibchen wieder optimale Plätze, um ihre Eier abzulegen. Bei Temperaturen von um die 25 Grad ist der Nachwuchs bereits nach zwei Wochen stichbereit. Laut Walther wird es in vielen Regionen bald umfangreiche Mückenpopulationen geben.

Welche Gebiete sind aktuell besonders stark betroffen?

Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch in anderen Regionen können sich Mückenplagen laut Walther noch ausbreiten.

Was lockt Mücken an?

Mücken nehmen das Kohlendioxid wahr, das wir mit der verbrauchten Atemluft ausscheiden, und zwar über mehr als 30 Meter hinweg. Beim Abbau von Schweiß und Talg auf unserer Haut entstehen außerdem Stoffwechselprodukte wie Milchsäure, Ammoniak oder Harnsäure, deren Geruch Mücken anlockt.

Jemand, der stark verschwitzt ist, wird daher eher gestochen als jemand, der eben erst geduscht hat. Gleichzeitig gilt, dass sich die Zusammensetzung von Hautschweiß und Talg von Mensch zu Mensch unterscheidet: Manche sind durch ihren Hautgeruch besonders "attraktiv" für Mücken und werden häufiger zum Opfer von Stichen.

Licht hingegen zieht Stechmücken nicht an, anders als viele glauben.

Warum jucken manche Stiche mehr als andere?

Mücken geben mit ihrem Speichelsekret Proteine in die oberen Hautschichten ab, um die Gerinnung des Bluts zu hemmen und das Trinken zu erleichtern. Das Immunsystem des Körpers reagiert auf diese Fremdstoffe, was den Juckreiz auslöst. Wie stark ein Stich juckt, hängt auch davon ab, welche Mückenart zugestochen hat: "An die Stiche der häufig vorkommenden Gemeinen Hausmücke ist unser Immunsystem von Kind an gewöhnt", sagt Walther. "Bei anderen Arten kann die Immunreaktion stärker ausfallen."

In diesem Jahr gebe es zum Beispiel deutlich mehr Kriebelmücken als sonst, deren Stiche starken Juckreiz und Schwellungen auslösen. Das erklärt, warum viele dieses Jahr ihre Mückenstiche als besonders fies empfinden. Wie stark sich jemand an einem Mückenstich stört, sei aber immer auch ein persönliches Empfinden, sagt Walther. "Die ersten Mückenstiche im Jahr nehmen wir meist als besonders unangenehm wahr - weil wir während des Winters einfach vergessen haben, wie sich das anfühlt."

Was hilft gegen den Juckreiz?

Es kann helfen, geschwollene Mückenstiche zu kühlen oder eine aufgeschnittene Zwiebel aufzulegen. Wer besonders stark auf Stiche reagiert, dem helfen Salben, die Antihistaminika oder niedrig dosiertes Kortison enthalten. Beides schwächt die Immunreaktion des Körpers ab.

ZALF-Biologin Walther empfiehlt einen sogenannten Stichheiler, einen wärmeproduzierenden Stift, den man einige Sekunden auf die Einstichstelle hält. Alternativ erfüllen auch eine mit heißem Wasser gefüllte Tasse oder ein in heißem Wasser getränkter Wattebausch den Zweck. Die Hitze zerstört die Proteine, die den Juckreiz auslösen.

Spucke, die viele gegen Mückenstiche verwenden, bringt zwar keine Heilung. Sie kann jedoch für einen kurzen Moment kühlen. Das schlechteste Mittel gegen den Juckreiz ist übrigens Kratzen: Dabei gelangt schnell Dreck in die Einstichstelle, es drohen Entzündungen und offene Wunden.

Was schützt am besten vor Stichen?

Am einfachsten aber auch unattraktivsten ist, den Aufenthalt im Freien zu meiden, wenn Mücken besonders aktiv sind - also in der Dämmerung. Auf Terrasse oder Balkon halten Räucherspiralen die Blutsauger einigermaßen wirksam fern. Um weniger Mücken anzulocken, hilft es auch, sich vor dem Aufenthalt im Freien noch einmal zu duschen. Aber Vorsicht: Manche Deos oder Duschgels mit stark duftenden Zusatzstoffen können das Gegenteil bewirken und Mücken anziehen.

Mückenatlas
  • DPA
    Für den Mückenatlas Deutschland sammeln Forscher möglichst viele Mücken aus verschiedenen Regionen. Jeder kann das Projekt als "Mückenjäger" unterstützen. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Insekten-Repellents hingegen verändern den Hautgeruch so, dass er für Mücken weniger attraktiv wird. Natürliche Mittel wie Zitronenöl sind dabei eher begrenzt wirksam und müssen häufig neu aufgetragen werden. Besseren Schutz bieten handelsübliche Sprays mit dem chemischen Zusatz Icaridin. Auf Reisen in tropische Gebiete mit Denguefieber-, Malaria-, Zika- oder Gelbfieber-Risiko empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hochwirksame Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET.

Übertragen Mücken auch in Deutschland tropische Krankheiten?

Nein, bisher nicht. Zwar gibt es in Baden-Württemberg kleine Populationen der asiatischen Tigermücke. Diese überträgt in wärmeren Regionen der Welt tropische Viren, die unter anderem das Westnil-, Chikungunya- oder Dengue-Fieber auslösen. Auch die Asiatische Buschmücke, die in anderen Ländern ebenfalls tropische Fieber verbreitet, ist bereits in mehreren Regionen Deutschlands heimisch.

"Das ist aber kein Grund zur Panik, denn es heißt nicht, dass die Mücken diese Krankheiten auch in Deutschland übertragen", sagt Walther.

Und so haben die neuen Arten in Deutschland auch noch niemanden mit einer Tropenkrankheit infiziert. Ob Mücken Krankheiten übertragen, hängt nämlich nicht nur von der jeweiligen Art ab, sondern auch von Klima und Umweltbedingungen. Es sei aber sinnvoll, die Ausbreitung neuer Arten weiterhin zu überwachen, sagt Walther. Auch heimische Mücken behalten die Experten im Blick. Diskutiert wurde zuletzt, ob diese Borreliose-Erreger übertragen können, es gilt aber eher als unwahrscheinlich.

Saugen alle Mücken Blut?

Nein. In Deutschland kommen 28 Familien von Mücken vor. Es gibt aber nur drei Familien mit flächendeckender Verbreitung, die Blut saugen:

  • die Stechmücken mit mehr als 50 Arten,
  • die Kriebelmücken mit mehr als 50 Arten,
  • und die Gnitzen mit mehr als 300 verschiedenen Arten.

Blut saugen dabei nur die Mückenweibchen, sie benötigen Nährstoffe aus dem Blut für die Produktion ihrer Eier. Mückenmännchen hingegen ernähren sich von Blütennektar.



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
wandfarbe 23.07.2018
1.
Verstehe ich nicht: haben wir einen feuchten Sommer, wird vor einer hohen Mückenpopulation gewarnt. Ist der Sommer trocken, dann aber auch. Das erkläre mir bitte jemand...
sumse123 23.07.2018
2. Mecklenburg-Vorpommern?
Ich habe viele Freunde und Verwandte dort, wir selbst leben im Havelland (Brandenburg). Es hat hier und auch dort seit dem 10.06.2018 nur 1x! geregnet... wo zum Geier sollen denn da die Mücken jetzt schlüpfen? Ich hörte von Gewitter und Regen westlich der Elbe... hier ist nüscht mit Regen...
Goldwin 23.07.2018
3. Mückenplage? Wespenplage?
Mückenplage? Wespenplage? Das kann doch nicht sein. Ich lese hier seit Monaten nur noch vom Insektensterben und plötzlich soll es Insektenplagen geben? Was stimmt denn nun?
serbskisokol2 23.07.2018
4. Oma's alte Hausmittel ausprobieren.Vielleicht...
Ja ja, die Mückenstiche. Dieses Jahr besonders schlimm.Gibt ja bekanntlich Mittelchen und Mittel aus der Werbung, die allesamt helfen bzw. helfen sollen. Aber jeder Mensch ist ja anders,empfindet die Stiche anders, intensiver oder auch nicht. Hat mehr oder minder "süßes" Blut, schwitzt intensiver usw. Deswegen kann man schlecht Ratschläge geben.Bzw. nur weiter vermitteln, was mir dabei hilft - aber schon beim nächsten nicht anschlägt. "Versuch macht kluch("klug") heißt es im Volksmund. Aber da ungefährlich und ein sogenanntes altes Hausmittel, verrate ich, was schon unsere Uroma, Oma und auch meine Mutter geholfen hat und was half. Einmal Essig und zum anderen auch Zwiebel.Selbst wenn Zwiebel ähnlich wie Knoblauch nicht jedermanns Geschmack ist, aber wenns hilft, kann man es ja auch probieren. Am allerbesten ist allerdings - wenn man nicht unbedingt muß - z.B. bei Urlaub auf Balkonien- nicht rausgehen.Läßt sich eben nur nicht immer vermeiden.
MartinS. 23.07.2018
5. ...
Zitat von wandfarbeVerstehe ich nicht: haben wir einen feuchten Sommer, wird vor einer hohen Mückenpopulation gewarnt. Ist der Sommer trocken, dann aber auch. Das erkläre mir bitte jemand...
Ist eigentlich nicht so schwer.... Regen = viele Mücken, Kälte = wenige Mücken, langanhaltende Trockenheit = weniger Mücken..... nach viel Hitze und Trockenheit ausgiebig Regen = Mückeninferno (!!!!) Deshalb auch die Überschrift "Erst Hitze, dann Regen: so trotzen sie der Mückenplage" Je länger es trocken bleibt, desto sicherer sind sie. Wenn die Nässe kommt, wirds halt blöd dann.
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