Plage in Deutschland So schützen Sie sich vor Mücken

Der Regen vermiest nicht nur das Sommervergnügen, er bietet Mücken auch beste Fortpflanzungsbedingungen. Wie hält man sich die Plagegeister vom Leib? Und was hilft bei einem Stich? Ein Überblick.

Mückenplage
Getty Images/ National Geographic

Mückenplage


Der Eindruck täuscht nicht: Für die Mücken läuft es dieses Jahr richtig gut. Alle zwei Wochen schlüpft angesichts der Regenfälle in weiten Teilen Deutschlands eine neue Generation, erklärt Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Was hilft gegen die Plagegeister? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was kann man tun, um die Mücken abzuhalten?

Warme Haut lockt Mücken an, sagt Martin Geier, Biologe aus Regensburg. Wer Sport getrieben hat, sollte schnell kalt duschen oder die Haut im See abkühlen. Lange Kleidung schützt Beine und Arme. Außerdem empfiehlt es sich, helle Sachen zu tragen. Dunkle Kleidung zieht Mücken eher an.

Was bringen Mückensprays?

Die Sprays bilden auf nackter Haut einen Geruchsmantel, der die Insekten abhält. Der synthetische Stoff Diethyltoluamid, kurz DEET, hält einem Test von Stiftung Warentest zufolge am längsten. Er kann allerdings auch die Schleimhäute, etwa in den Augen, reizen. Gut abgeschnitten haben zudem Mittel mit Icaridin.

Damit die Wirkung erhalten bleibt, müssen die Sprays regelmäßig - das heißt etwa alle vier Stunden - aufgetragen werden. Für Babys sind die Mittel ungeeignet. DEET sollte auch bei Kleinkindern nicht angewendet werden, rät Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesapothekerkammer.

Gibt es Pflanzen, die Mücken fernhalten?

Ein beliebtes Hausmittel gegen Mücken ist das Laub der Tomatenpflanze, erklären die Experten des Blumenbüros Essen. Auch den Geruch von Rosmarin, Katzenminze, Lavendel, Minze, Zitronenmelisse, Zitronengras und Zitronengeranie meiden Mücken demnach. Die Deutsche Wildtierstiftung empfiehlt einen Basilikumtopf auf dem Gartentisch, um die Plagegeister fernzuhalten. Bei der Stiftung Warentest konnten Pflanzen auf der Fensterbank allerdings nicht als Mückenschutz überzeugen.

Stimmt es, dass Mücken manche Menschen lieber stechen?

Ja, sagt Biologe Geier, der seit vielen Jahren zum Verhalten von Stechmücken forscht. Ob ein Mensch eher gestochen wird oder nicht, hängt von der Mischung von Stoffen auf seiner Haut ab. Substanzen wie Milchsäure, Ammoniak und Fettsäuren erzeugen einen bestimmten Geruch, auf den die Mücken entweder fliegen - oder eben nicht. Besonders Geplagten hilft eine Dusche, allerdings nur für kurze Zeit. Dann ist der Geruch wieder da.

Wer hingegen eher weniger gestochen wird, ist nur solange geschützt, wie er sich in einer Gruppe befindet. Sobald er allein ist, sind die Mücken nicht mehr wählerisch. Dann wird auch er gestochen. Geier vergleicht die Situation mit hungrigen Menschen: "Können sie am Büfett Essen wählen, nehmen sie das, was schmeckt." Gibt es nur trockenes Brot, wird halt das gegessen.

Warum jucken Mückenstiche?

Wenn eine Mücke sticht, injiziert sie ihren Speichel in die Haut, damit das Blut nicht gerinnt und sie es trinken kann. Auf die Proteine im Speichel reagiert der Mensch allergisch, erklärt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesapothekerkammer. Das verursacht die Rötung, Schwellung und den Juckreiz.

Was hilft, wenn die Mücke doch gestochen hat?

Zuallererst: nicht kratzen! Sonst schüttet der Körper noch mehr "Juckstoffe" aus, erklärt Christine Eichler, Chefärztin des Evangelischen Zentrums für Altersmedizin in Potsdam. Aufgekratzte Stiche entzünden sich zudem leichter.

Stattdessen empfiehlt Eichler eine Reihe Hausmittel: Eine halbe Zwiebel oder eine Scheibe Zitrone desinfizieren, kühlen und beruhigen die Einstichstelle. Apfelessig kann den Juckreiz lindern, wenn er unmittelbar nach dem Stich auf die Hautstelle gegeben wird. Selbst Spucke wirkt dem Juckreiz für kurze Zeit entgegen, weil sie kühlt.

Gegen den Juckreiz und Entzündungen helfen Sellerberg zufolge auch Cremes oder Gele. Sie enthalten zum Beispiel Antihistaminika und Hydrocortison. Die Quaddeln werden dann unter Umständen nicht ganz so groß. Der Stich verschwindet aber nicht einfach, auch nicht mit den Hausmitteln. Letztlich hilft nur: abwarten und zusehen, dass man nicht gleich wieder gestochen wird.

Was können Gartenbesitzer gegen Mücken tun?

Stehendes Wasser vermeiden, denn darin brüten die Tiere. Planschbecken und Gießkanne sollten jeden Abend geleert werden, rät der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Das überschüssige Wasser lässt sich gut als Gießwasser für Pflanzen verwenden. Regentonnen sollten ebenfalls regelmäßig geleert beziehungsweise abgedeckt werden. Wer einen Gartenteich besitzt, kann die Larven dort mit einem Kescher abschöpfen - oder Goldfische halten. Sie fressen Mückenlarven.

irb/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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priexo 26.07.2017
1. Hitze!
Ich bin leider mit "süßem Blut" gesegnet, oder besser "geplagt". Ein wirklich guter Tipp für bereits Gestochene fehlt in diesen Übersichten fast immer: Hitze! Die den Juckreiz verursachenden Proteine/Enzyme können durch Hitze denaturiert werden. Am einfachsten macht man das mit einem Feuerzeug und einer Münze (z.B. 2€). Diese Münze wird nun mit einem Feuerzeug erhitzt und auf die Einstichstelle gepresst. Bei mir wirkt eine einzelne Anwendung (2x hintereinander) schon recht gut, und der Juckreiz verschwindet umgehend. Meist muss man das Verfahren einige Stunden später nochmals wiederholen, aber damit sollte es dann in den meisten Fällen getan sein. Diesen Tipp habe ich übrigens in meiner Erinnerung ebenfalls aus einem Leserkommentar. Mücken in der Wohnung lassen sich, nebenbei bemerkt, rückstandsfrei mit einem Staubsauger entfernen. In diesen Tagen ist das leider bitter nötig.
maiclyde 26.07.2017
2. Hilfe gegen das Jucken
Auch ich gehöre zur bevorzugten " Beute " von Stechmücken. Vom Leibe halten klappt nicht, aber es gibt ein sehr wirksames, natürliches Mittel gegen das Jucken und die Schwellungen. Es gibt sogenannte " Pferrde-Salbe " die nur aus natürlichen Zutaten besteht. Bemerke ich einen Stich, trage ich diese Salbe auf. Nach 10-15 Minuten ist das Jucken weg, Schwellungen entstehen meistens gar nicht erst. Am Tag danach ist das Thema erledigt. Für mich als Geplagter ein wahres Wundermittel, besser als alles was es in Apotheken gibt!
MatthiasPetersbach 26.07.2017
3. Das Mittel gegen EINE Mücke....
...im Schlafzimmer, wegen der man nicht schlafen kann: Ohrenstöpsel. Morgends hat man dann EINEN Stich, hat aber geschlafen. Im Gegensatz zur meist vergeblichen Jagd auf den Störenfried.
map_13 26.07.2017
4. Genau, Hitze fehlt vollkommen!?!
Kommentar Nr. 1 kann ich nur beipflichten. Wir haben so einen Hitzestift (der Produktname ist mir eben entfallen und wäre ja wahrscheinlich auch unerwünschte Werbung) und der hilft sowohl bei Mücken- als insbesondere auch Wespenstichen exzellent. Es mag ein wenig Überwindung kosten, den Stift entsprechend dem Timer auf der Einstichstelle gedrückt zu lassen, aber nach spätestens 2 Behandlungen sind wirklich sämtliche lästigen Wirkungen des Insektengiftes verschwunden. Ein Nachteil ist allerdings, daß die Behandlung einige Minuten nach dem Stich erfolgen sollte - zumindest bei Mückenstichen ist das wohl nicht immer gegeben.
Tom Joad 26.07.2017
5. Kratzen hilft ...
... man darf aus den bekannten Gründen bloß nicht den Mückenstich selbst kratzen, sondern nur die umgebende Haut. Der Mückenstich geht schneller weg, wenn man mit dem Fingernagel ein Kreuz hineindrückt (machen die Finnen so).
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