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Mythos oder Medizin: Hilft Spucke gegen Mückenstiche?

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Das gibt eine juckende Beule: Weibliche Stechmücken saugen Blut, um sich fortpflanzen zu können Zur Großansicht
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Das gibt eine juckende Beule: Weibliche Stechmücken saugen Blut, um sich fortpflanzen zu können

Es surrt, es piekst - und der Rest ist eine wahre Plage: jucken, kratzen, weiter kratzen. Spucke ist der Klassiker unter den Behandlungstipps gegen Mückenstiche. Was taugen die gängigen Hausmittel?

Einfach nicht weiter drüber nachdenken. Bei einem Mückenstich ist Ablenkung oft die effektivste und einfachste Methode, den Juckreiz loszuwerden. Allerdings gelingt das meist nur für eine Weile. Eine unachtsame Berührung und schon juckt es wieder.

Hausmittel gibt es viele: Manche empfehlen Spucke, andere raten zu Kühlpacks, wieder andere schwören darauf, eine Tasse voll heißem Wasser auf den Stich zu halten. Die Erfahrung zeigt: Alles hilft irgendwie ein bisschen, aber nichts so richtig effektiv. Wie also behandelt man einen Mückenstich am besten?

Zuerst die schlechte Nachricht: Die eine perfekte Behandlung gibt es nicht. Die gute hinterher: Man kann trotzdem etwas tun.

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Bei einem Mückenstich geben Stechmücken Speichel in die oberen Hautschichten ab. Nur die Weibchen ernähren sich von Blut, da sie es für die Entwicklung ihrer Eier und damit für die Fortpflanzung brauchen. Im Mückenspeichel enthaltene Proteine verhindern, dass menschliches Blut gerinnt und erleichtern den Tieren das Blutsaugen.

Was den Insekten nutzt, ruft allerdings die menschliche Immunabwehr auf den Plan. "Eine klassische Abwehrreaktion, obwohl es dann schon zu spät ist", schreibt Marcus Maurer, Direktor für Forschung an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité in Berlin auf Anfrage. "Der Stich ist bereits erfolgt."

Klebepampe gegen Juckreiz

Zur Abwehr der Fremdstoffe schütten Immunzellen den Botenstoff Histamin aus, dieser reizt die umliegenden Nervenzellen, die ein Jucksignal ans Hirn senden. Außerdem provoziert Histamin eine Entzündung, wodurch Fremdstoffe abgebaut und Zelltrümmer entfernt werden - der Stich schwillt an.

Spucke kann den Juckreiz zumindest kurzzeitig lindern, wenn die Flüssigkeit auf der Haut verdunstet, mehr aber nicht. "Spucke bringt nichts, außer, dass sie kühlt", so Maurer. Lauwarmes Wasser habe denselben Effekt.

Besser betäuben lässt sich der Stich mit einem Kühlpack - wie immer bei Gefrorenem mit einem Tuch umwickelt, weil sonst Erfrierungen drohen. Manche Menschen schwören auch auf Honig oder aufgeschnittene Zwiebeln gegen Mückenstiche. Tatsachlich haben beide Lebensmittel eine leicht antibakterielle Wirkung.

Ob die Hausmittel dem Mückengift unter der Haut zu Leibe rücken, ist allerdings fraglich und wissenschaftlich nicht belegt. Immerhin: Die Behandlung kann vorübergehend vom Kratzen abhalten - und verschlossen heilt der Stich in der Regel am schnellsten.

Sauna fürs Mückengift

Wer auf das Mückengift abzielt, sollte dagegen auf Hitze setzen, so der Hausmittel-Rat. Die Idee dahinter ist, dass die Proteine im Mückenspeichel ab einer Temperatur von mehr als etwa 45 Grad Celsius zerfallen.

Firmen haben kleine Gerätschaften entwickelt, mit denen sich ein Stich punktgenau erhitzen lässt. Günstiger ist eine mit heißem Wasser gefüllte Tasse, ein in heißem Wasser getränkter Wattebausch oder erwärmtes Metall, etwa ein Messer oder ein Löffel. Aber Vorsicht: Es besteht Verbrennungsgefahr.

"Erhitzen könnte was bringen", schreibt Maurer. "Das ist aber bisher nicht ausreichend untersucht." Zwar hält der Hautarzt es für unwahrscheinlich, dass das Mückengift durch Wärme zerstört wird. "Die Hitze könnte aber helfen, die Wirkung der juckreizauslösenden Stoffe zu mindern, die nach dem Stich vom Körper ausgeschüttet werden."

Denkbar sei auch, dass Hitze, ähnlich wie Kälte, die Hautnerven daran hindert, ein Jucksignal ans Gehirn zu leiten.

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Wenn das Jucken gar nicht auszuhalten ist oder eine allergische Reaktion droht, können Antihistaminika aus der Apotheke Abhilfe schaffen. Breitet sich die Rötung stark aus oder entstehen Fieber und Schüttelfrost, sollte man vorsichtshalber zum Arzt gehen. Das gilt besonders, wenn man zuvor in den Tropen war.

In Deutschland bringen Stiche, neben allergischen Reaktionen, vor allem das Risiko mit sich, dass beim Kratzen Bakterien in die Haut gelangen.

Ich mag, wie du riechst

Vorsorge ist deshalb besser als Nachsorge. "Mückenspray ist das Wichtigste", berichtet Maurer. Aber auch langärmlige Kleidung und Moskitonetze verringern das Stichrisiko. Ätherische Öle oder Nelken vertreiben die Plagegeister dagegen nur für kurze Zeit, da ihr Geruch schnell verfliegt. Auch elektrische Mückenfallen und Kerzen bringen nur wenig. Durch ihr Licht ziehen sie weitere Mücken an.

Übrigens: "Süßes Blut gibt es nicht“, erklärt Maurer. "Stechmücken reagieren vor allem auf die Körpertemperatur." Und sie riechen unseren Schweiß, auch wenn dessen Geruch uns selbst noch gar nicht auffällt. Duschen verringert das Stichrisiko demnach zumindest für kurze Zeit.

FAZIT: Es gibt keine wissenschaftlich nachgewiesene Methode, die das Mückengift unter der Haut zerstört. Auch Spucke heilt den Stich nicht, kann aber vom Kratzen abhalten. Das hat einen großen Vorteil: Verschlossen heilen Mückenstiche am besten.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Mythos oder Medizin: Brauchen Wunden Luft oder Pflaster?" von Irene Berres und Julia Merlot. Dort finden Sie auch hilfreiche Informationen zur Auswahl eines passenden Mückensprays und zum Mückenschutz bei Kindern und Schwangeren. Der Artikel wurde für den Online-Auftritt leicht bearbeitet.

Zur Autorin
  • Julia Merlot begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Die studierte Wissenschaftsjournalistin ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft und Gesundheit von SPIEGEL ONLINE.
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insgesamt 58 Beiträge
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1.
MatthiasPetersbach 04.08.2015
Mit dem Fingernagel kreuzweise 2 Rillen in den Stich drücken. Verwandelt erstmal das Jucken in Schmerz und hilft dadurch, sich vom Kratzen abzulenken. Und beschleunigt -angeblich- durch die nachfolgende erhöhte Durchblutung den Abbau von Histamin usw.
2. Thema erledigt
frogger++ 04.08.2015
Das im Text beschriebene kleine Gerät kostet gerade mal 25 Euro und funktioniert völlig problemlos. Auf einen Mückenstich draufhalten, Knopf drücken und fertig. Tut zwar ordentlich weh, nachher weiß man aber nicht mal mehr, wo der Mückenstich überhaupt war. Habe das Gerät schon etlichen Bekannten empfohlen, bisher waren alle sehr zufrieden. - Kleiner Tipp: Wenn das Gerät nicht mehr funktioniert, einfach die Batterien kurz rausnehmen und wieder einlegen, dann läuft alles wieder. Scheint ein Wackelkontakt zu sein. Der erste Satz Batterien hält bei mir jedenfalls schon ein gutes Jahr.
3. es gibt
wilam 04.08.2015
so einen Stift für zwei AAA-Batterien mit einer kleinen (centgroßen Heizplatte) an einer Seite. Letztere soll ziemlich genau 60 Grad warm werden. Ihre Anwendung hat mir noch nie die Haut verbrannt, aber immer in Minuten den Juckreiz beendet. Musstma probiern
4.
Ri Chie 04.08.2015
Ich "behandle" meine Mückenstiche immer gerne mit einem heißen Gegenstand. (Tasse mit frischem Kaffee etc.) Einfach auf den Stich drücken bis man den Schmerz nicht mehr erträgt und das ganze 3 bis 4 mal wiederholen. Das durch die Mücke injizierte Gift wird dadurch zerstört und der Stich juckt nicht mehr.
5. Auf zahllosen Südostasien-Reisen bewährt!!!
ghenry 04.08.2015
Brennende Zigarette mit der Glutz KURZ ganz nah an den Stich heranführen. Sobald ein brennendes Gefühl einsetzt, Zigarette sofort zurückziehen. Hitze zersetzt die Proteine im Mückenspeichel.
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