Münster 16-jähriger Flüchtling stirbt an Pilzvergiftung

Allein vorige Woche haben sich mehr als 50 Flüchtlinge mit dem Knollenblätterpilz vergiftet. Ein 16-Jähriger ist jetzt an den Folgen gestorben. Offenbar gibt es in Syrien einen essbaren Pilz, der dem giftigen Pilz zum Verwechseln ähnelt.

Grüner Knollenblätterpilz: Enthält einige der gefährlichsten Giftstoffe überhaupt
Corbis

Grüner Knollenblätterpilz: Enthält einige der gefährlichsten Giftstoffe überhaupt


Ein 16 Jahre alter syrischer Flüchtling ist in Münster gestorben, weil er Knollenblätterpilze verzehrt hatte. Er war vergangene Woche mit einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Laut Mitteilung der Uniklinik von Montag fand sich für den 16-Jährigen kein passendes Spenderorgan. Er starb in der Nacht auf Montag an Leberversagen. "Aufgrund der Schwere der Vergiftung war eine Transplantation letztendlich die einzige Chance", sagte Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin.

Vier weitere Patienten, darunter die Mutter des Jungen, sind derzeit ebenfalls wegen einer Pilzvergiftung in Münster in Behandlung. Drei von ihnen können die Klinik in den nächsten Tagen geheilt wieder verlassen. Bei einem vierten Patienten ist die Lage kritisch, hier wird eine Spenderleber gesucht.

Verwechslungsgefahr mit Champignons

In Münster und Hannover sind in der vergangenen Woche mehr als 50 Fälle von Vergiftungen wegen Knollenblätterpilzen aufgetreten. Betroffen waren meist Flüchtlinge aus Syrien. In ihrem Heimatland scheine es einen essbaren Pilz zu geben, der ihm zum Verwechseln ähnlich sehe, vermuten Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Möglich ist auch, dass die Betroffenen noch nie selbst Pilze gesammelt haben.

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze, der in Deutschlands Wäldern wächst. Er ist für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Besonders gefährlich sind der grüne Knollenblätterpilz, der spitzhütige Knollenblätterpilz und der Frühlingsknollenblätterpilz. Sie enthalten Amatoxine, die zu den gefährlichsten Giftstoffen überhaupt zählen und denen auch Kochen, Trocknen oder Wässern nichts anhaben kann.

Das Gift wirkt erst mehrere Stunden nach dem Verzehr. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, nach ein bis zwei Tagen kann es zur Schädigung der Leber kommen, die von Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen begleitet werden kann. Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, wie es bei dem Jugendlichen passiert ist.

Auch in Deutschland verwechseln Pilzsammler Knollenblätterpilze mitunter mit Champignons. Um Asylsuchende vor der Gefahr zu warnen, hat die MHH ein Plakat entworfen und in verschiedene Sprachen übersetzt.

irb/AFP/dpa

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