Mundgesundheit: So putzen Sie Ihre Zähne richtig

Zahnpasta: Auf die richtige Bewegung und die Länge der Putzzeit kommt es an Zur Großansicht
dapd

Zahnpasta: Auf die richtige Bewegung und die Länge der Putzzeit kommt es an

Fegen und rütteln statt kreisen: Die Mehrheit der Deutschen putzt ihre Zähne falsch. Doch wer nicht die richtige Technik anwendet, riskiert Verletzungen des Zahnfleischs und Entzündungen. Wichtig beim Zähneputzen ist vor allem eines - ausreichend Zeit.

Die Mehrheit der Deutschen putzt sich mindestens zweimal täglich die Zähne. Aber die Art der Reinigung ist bei vielen oft falsch. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1025 Personen zwischen 14 und 69 Jahren im Auftrag der Universität Witten/Herdecke und des Versicherungsunternehmens Axa.

57 Prozent der Befragten putzen ihre Zähne in kreisenden Bewegungen. Stefan Zimmer, Inhaber des Lehrstuhls für Zahnerhaltung an der Universität Witten/Herdecke, sieht das aber kritisch: "Eine kreisende Bewegung der Zahnbürste kann das Zahnfleisch verletzen sowie Zahnbelag und Bakterien unter den Zahnfleischrand schieben, wo Entzündungen entstehen können. Außerdem reinigt sie nicht so gut. Die richtige Technik besteht in fegenden und rüttelnden Bewegungen, die das Zahnfleisch schonen und bakteriellen Zahnbelag optimal entfernen."

Weniger als ein Drittel der Befragten reinigt sich die Zähne demnach richtig (32 Prozent). "Für Kinder bis zum Grundschulalter sind kreisende Bewegungen durchaus die richtige, weil einfache Technik. Für Erwachsene jedoch nicht. Der Zahnarzt kann die individuell beste Putztechnik empfehlen."

Nur wenige nutzen Zahnseide oder Interdentalbürsten

Lediglich 40 Prozent aller Befragten nehmen sich für das Zähneputzen drei Minuten oder länger Zeit. Darüber hinaus nutzt auch nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) Zahnseide oder Interdentalbürsten. Und nur eine Minderheit (11 Prozent) nutzt Zahnseide mindestens einmal täglich.

Wichtig sei es zudem, sich während des Zähneputzens zu konzentrieren, so Zimmer. Während sich die Befragten über 50 Jahre (78 Prozent) beim Zähneputzen mehrheitlich nur auf diese Tätigkeit konzentrieren, lenken sich besonders die 14- bis 29-Jährigen häufig ab, indem sie beispielsweise durch die Wohnung laufen (31 Prozent) oder etwa an den Tag und die Arbeit denken (25 Prozent). Bei Männern gehören teilweise auch Grimassen und bei den Frauen leichte Gymnastikübungen dazu.

Karies
Bakterienschaden
Bakterien im Mund sind völlig normal: Sie gehören zur Mundflora dazu, mehr als 700 verschiedene Bakterienarten tummeln sich in der Mundhöhle. Ist die Mundflora im Gleichgewicht, schützen die dort angesiedelten Bakterien sogar vor Infektionen mit krankmachenden Erregern.

Nach dem Essen bilden die Bakterien gemeinsam mit Speichel einen Biofilm auf den Zähnen, Plaque genannt. Dieser muss regelmäßig entfernt werden. Ansonsten vermehren sich vor allem jene Bakterien, die Karies verursachen können, insbesondere dann, wenn ihnen unbegrenzt Zucker zur Verfügung steht, denn der unterstützt ihren Stoffwechsel. Die Karieskeime, zu denen unter anderem Lactobazillen und verschiedene Streptokokken zählen, produzieren organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht.
Vorstufen
Bevor das berühmte Loch im Zahn auftritt, fallen bereits weiße Flecken auf den Zähnen auf. Das sind Stellen, an denen dem Zahn Mineralien fehlen, was noch heilbar ist. Unter anderem deswegen wird Zahnpasta Fluorid zugesetzt: Das Fluorid soll dafür sorgen, dass Mineralien aus dem Speichel wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden.
Gefährdete Zähne
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem am Zahnfleischrand an den oberen Schneidezähnen, Zahnärzte nennen das Nuckelflaschenkaries. Im Kindesalter sind dagegen vor allem die Kauflächen der Backenzähne betroffen. Bei Erwachsenen schließlich sitzt Karies in engen Zahnzwischenräumen. Erst im Seniorenalter kommt es häufiger zu Wurzelkaries an freiligenden Zahnhälsen.
Folgen
Neben unangenehmen Behandlungen beim Zahnarzt droht der Verlust der kariösen Zähne. Je früher der Zahn behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, ihn erhalten zu können. Dabei versucht der Zahnarzt zunächst, die Bakterien daran zu hindern, sich weiter auszubreiten. Der Zahnarzt alleine kann allerdings nicht viel bewirken, wenn der Patient nicht mitmacht: Eine gute Mundhygiene ist Pflicht, damit der Zahn gerettet werden kann.
Vorbeugung
Zahnärzte nennen drei Säulen der Prophylaxe: eine gesunde Ernährung, die gründliche Mundhygiene und regelmäßige Fluoridierung. Zusätzlich gibt es in vielen Zahnarztpraxen Angebote für eine professionelle Zahnreinigung.
Schutz bei Kleinkindern
Stillen gilt als natürlicher Schutz vor Karies. Geht das nicht, kommt es auf die richtigen Sauger an. Die Flasche sollten Kleinkinder nur zu den Mahlzeiten bekommen oder zum Durstlöschen. Und auch dann sollten nur ungesüßte Getränke in der Flasche sein: Wasser oder Tee. Sobald das Kind Zähne hat, sollten man diese mit einer fluoridhaltigen Kleinkindzahnpasta putzen. Sie sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Schutz bei Kindern bis sechs Jahren
Kinder, die ihre Milchzähne haben und selbst Zähne putzen können, sollten das zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta tun. Damit die Zähne komplett geputzt werden, empfehlen Zahnärzte die "KAI-Methode": zuerst die Kauflächen, dann die Außen- und die Innenseite der Zähne.

Die Zahnpasta für Kleinkinder sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Zähneputzen bei Schulkindern
Mit den ersten bleibenden Zähnen gibt es auch eine neue Zahnpasta für die Kinder: 1500 ppm Fluorid empfehlen Zahnärzte, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube. Geputzt wird weiterhin zweimal täglich mindestens zwei Minuten. Weil die bleibenden Zähne enger stehen als die Milchzähne, sollten sich Schulkinder an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnen. Einmal täglich empfehlen Zahnärzte.
Tipps für Erwachsene
Natürlich müssen auch Erwachsene nach der KAI-Regel zweimal täglich Zähne putzen. Wichtig ist aber vor allem, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Gepflegt werden sollte auch das Zahnfleisch, sonst entstehen Schäden am Zahnhals - wo Karies sich schneller ausbreiten kann.
Zahnbürste und Zahnpasta
Die Zahnbürste sollte man alle drei Monate wechseln. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind, welche die richtige für Sie ist.

Die Zahnpasta sollte einen Fluoridgehalt von 1.400 bis 1.500 ppm haben, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Informationen

Tanja Wolf

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Fegen und Rütteln?
noalk 19.10.2012
Hier les' ich nun, ich tumber Tor, und bin so schlau als wie zuvor. Wie sieht denn der Bewegungsablauf beim Fegen und Rütteln aus? Ich habe zwar eine dunkle Ahnung, aber die hilft mir nicht so richtig weiter.
2. Elektrische Zahnbürsten rütteln nicht, die kreisen!
Emmi 19.10.2012
Mir wurde letztens beim Zahnarztbesuch neben Zahnseide und Lysterine auch ne elektrische Zahnbürste empfohlen. Die "rüttelt" und "fegt" aber nicht, sondern kreist. P.S.: Zum Rütteln könnten man nen Vibrator mit ner Bürste kombinieren (sollte beides in einem gut sortierten Haushalt zu finden sein...).
3.
_oasis_ 19.10.2012
Zitat von noalkHier les' ich nun, ich tumber Tor, und bin so schlau als wie zuvor. Wie sieht denn der Bewegungsablauf beim Fegen und Rütteln aus? Ich habe zwar eine dunkle Ahnung, aber die hilft mir nicht so richtig weiter.
Renzi erklärt die KAI-Regel. (http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/48958/Bild/35600) Und das Rütteln und Schütteln und das Schrubbern und Zahnpastablubbern.
4. Munddusche, ...
canUCme 22.10.2012
nicht zu hart eingestellt und anschliessend eine gute elektrische Zahnbürste mit einer anerkannt guten Zahncreme: So bleiben Zähne und Zahnfleisch (zahnärtzlich anerkannt) gesund. Einmal im Jahr noch eine PZR, that's it.
5.
rulamann 22.10.2012
Zitat von sysopDDPFegen und rütteln, statt kreisen: Die Mehrheit der Deutschen putzt ihre Zähne falsch. Doch wer nicht die richtige Technik anwendet, riskiert Verletzungen des Zahnfleischs und Entzündungen. Wichtig beim Zähneputzen ist vor allem eines - ausreichend Zeit. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/mundgesundheit-so-putzen-sie-ihre-zaehne-richtig-a-860823.html
Ich putze mir mind 15 min. die Zähne 2x, trotzdem fette Beläge, liegt m.M. nach an den Kinderpasten die hier verdealt werden: möglichst viel Fluor zum Verdummen und kaum Abrasivstoffe.
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