Gebärmutter-Myome Diese Krankheit trifft fast jede vierte Frau

Viele Frauen haben Wucherungen in der Gebärmutter, sogenannte Myome. Sie können die Periode zur Qual machen und Probleme in der Schwangerschaft bereiten. Die wichtigsten Antworten zu dem weitverbreiteten Leiden.

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Von Judith Merkelt-Jedamzik


Anja Herbst (Name geändert) ist Ende dreißig, als ihre Periode immer massivere Beschwerden verursacht. Sie hat schmerzhafte Krämpfe, blutet stärker und übersteht die Monatsblutung nur noch unter Schmerzmitteln. Die Ursache: Herbst hat Myome, das sind gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Myome entstehen aus den Muskelzellen der Gebärmutter und wachsen unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen.

Wie häufig die Myome sind, ist schwer zu schätzen, weil viele Studien nur Frauen berücksichtigen, bei denen Beschwerden auftreten. Doch auch das ist extrem häufig der Fall: 20 bis 25 Prozent aller Frauen im fruchtbaren Alter erhalten irgendwann die Diagnose.

Welche Anzeichen deuten auf Myome hin?

Oft machen sich Myome wie bei Anja Herbst durch Veränderungen der Regelblutung bemerkbar. Diese kann mit langanhaltenden Schmerzen und Krämpfen verknüpft sein, mit besonders starken Blutungen einhergehen oder länger als sieben Tage andauern.

Daraus kann sogar ein Eisenmangel entstehen, weil die Frauen in der Periode recht viel Blut verlieren. Die sogenannte Anämie führt zu Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit.

Manchmal entdecken Ärzte bei Routineuntersuchungen per Ultraschall Myome, die keine Beschwerden verursachen. Das war auch bei Anja Herbst der Fall. Sie erhielt die Diagnose mit Ende zwanzig, lebte aber jahrelang problemlos damit. "Ich hatte so lange keine Symptome, dass ich gar nicht daran gedacht habe, dass meine Beschwerden von den Myomen kommen könnten", sagt sie.

Die Wucherungen können zudem Beschwerden auslösen, die nicht mit der Periode zusammenhängen:

  • Druck auf die Blase mit vermehrtem Harndrang,
  • Druckgefühl auf den Darm, verbunden mit Schmerzen und Blähungen,
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
  • ein Fremd- oder Schweregefühl im Becken,
  • Schmerzen im Rücken oder in die Beine ziehend.

Es gibt allerdings weitere Erkrankungen wie etwa Endometriose, die ähnliche Symptome wie Myome auslösen können.

Wie entstehen Myome?

Warum sich Myome bilden, ist noch nicht vollständig geklärt. Bekannt sind aber einige Risikofaktoren.

"Wir wissen, dass zum Beispiel Übergewicht das Myom-Risiko erhöht, wohingegen die Einnahme der Anti-Baby-Pille eher davor zu schützen scheint", sagt Matthias David, der an der Berliner Charité am Campus Virchow-Klinikum eine spezielle Myom-Sprechstunde leitet.

Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle. Aus den USA ist bekannt, dass Afroamerikanerinnen ein erhöhtes Risiko haben. Außerdem können die gutartigen Tumore familiär gehäuft vorkommen.

Anja Herbst sagt: "Meine Mutter hat auch unter Myomen gelitten - bei ihr musste schlussendlich sogar die Gebärmutter entfernt werden."

Wie werden Myome behandelt?

Eine Therapie ist meist nur nötig, wenn die Myome tatsächlich Beschwerden verursachen. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  • Mit Hilfe von fokussiertem Ultraschall können Myome ohne Operation behandelt werden. Der Ultraschall zerstört die Gewebewucherungen durch Hitze, die Myome verkleinern sich um bis zu 40 Prozent.
  • Bei der sogenannten Embolisation wird eine Gelatinekugel in die kleinen Schlagadern eingebracht, die die Myome mit Blut versorgen. Das passiert über einen schmalen Schnitt in der Leistengegend. Innerhalb weniger Monate schrumpft das Myom so um bis zu 50 Prozent.
  • Bei der Ausschälung entfernen Ärzte die Wucherungen per OP. Die Gebärmutter selbst bleibt intakt.
  • Bei allen Methoden, die die Gebärmutter erhalten, besteht die Gefahr, dass sich nach einiger Zeit wieder Myome bilden. Das letzte Mittel ist deshalb die komplette Entfernung der Gebärmutter, die sogenannte Hysterektomie.

"Welche Behandlungsoption die richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt sehr von der einzelnen Patientin ab. Alter, Anzahl der Myome und die Frage, ob noch ein Kinderwunsch besteht, sind wichtige Faktoren", sagt Matthias David.

Können Medikamente helfen?

"Es gibt leider nur wenige Medikamente, die wir bei Myomen einsetzen können", sagt David. Manche Frauen nehmen die Anti-Baby-Pille, weil sie die Symptome bei der Monatsblutung lindert, so der Arzt.

Im Jahr 2012 kam Esmya, ein Medikament für die Behandlung von Myomen, auf den Markt. Doch das Mittel mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat steht zurzeit im Verdacht, Leberschäden zu verursachen, und soll daher keinen neuen Patientinnen verschrieben werden, bevor die Risikobewertung durch die Europäische Arzneimittelbehörde nicht abgeschlossen ist.

Der Gynäkologe David hielte das Aus von Esmya für ein großen Verlust: "Das Medikament führte manchmal zum Schrumpfen von Myomen, sorgte aber vor allem dafür, dass während der Einnahme die Monatsblutung ausblieb und deshalb für die Operation keine Bluttransfusionen benötigt wurden", erklärt er. Auch bei Patientinnen kurz vor der Menopause wurde das Medikament zur Überbrückung eingesetzt. In den meisten Fällen bilden sich Myome durch die Hormonumstellung nach den Wechseljahren zurück.

Wie kann es sein, dass eine Krankheit so viele Frauen betrifft und es kaum Medikamente dagegen gibt? "Ich glaube, es liegt daran, dass den Pharmafirmen der Anreiz für Studien fehlt. Wir können bei Myomen wegen der Nebenwirkungen jeweils nur begrenzte Zeit mit Medikamenten arbeiten, daher lohnt es sich wohl für sie nicht", mutmaßt Matthias David.

Beeinflussen Myome Fruchtbarkeit oder Schwangerschaft?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Auf der einen Seite existieren Hinweise, dass es mit bestimmten Gebärmutterwucherungen schwieriger ist, schwanger zu werden. "Wenn der Gebärmutterknoten zum Beispiel direkt vor den Eileitern liegt, kann er den Eingang regelrecht blockieren", sagt der Gynäkologe David. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Patientinnen mit Myomen, die problemlos schwanger geworden sind und Kinder bekommen haben.

Fest steht, dass bei Kinderwunschpatientinnen lediglich in ein bis zwei Prozent der Fälle Myome als alleinige Ursache der Unfruchtbarkeit festgestellt werden. Meist sind es also andere Gründe.

In der Schwangerschaft können große Myome oder welche mit ungünstiger Lage Komplikationen auslösen. Häufiger liegt das Kind in Becken-End-Lage, was die Geburt erschwert. Auch das Risiko für Frühgeburten ist höher. Zusätzlich ist bei Myom-Patientinnen öfter ein Kaiserschnitt nötig, oder es kann zu starken Blutungen nach der Geburt kommen.

Allerdings fehlen große Studien, die untersuchen, ob es bei einem Kinderwunsch wirklich sinnvoll ist, die Myome zu entfernen und welche Methode dann die besten Ergebnisse erzielt, sagt David.

Anja Herbst sucht noch die passende Therapie. "Eigentlich ist eine Entfernung der Gebärmutterschleimhaut für mich die beste Option, aber ich möchte mir die Möglichkeit auf eine Schwangerschaft noch nicht endgültig nehmen lassen", sagt die heute 41-Jährige. Über einen solchen Schritt will sie erst in ein paar Jahren nachdenken.

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madameping 04.06.2018
1. Krankheit ohne Krankheitswert
Das war jedenfalls das, was mir die Ärzte unabhängig voneinander sagten. Ich entschied mich vor einigen Jahren zur Embolisation; es wurde ein Katheter in die Arterie der Leistengegend gelegt. Der Eingriff dauerte etwa eine Stunde bei vollem Bewusstsein. Selbstverständlich mit Schmerzmitteln. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauerte nur wenige Tage. Für eine Embolisation spricht nicht alleine der uns Frauen unterschwellig suggerierte Kinderwunsch, sondern vielmehr die Möglichkeit, Abhilfe gegen eine lästige Erscheinung ohne beeinträchtigende OP zu leisten. Der entscheidende Faktor für eine Embolisation damals war für mich der: das Behalten des Uterus, um nicht früher die Wechseljahre zu kommen, als notwendig. Beschwerden habe ich keine mehr. Fazit: Ich kann nur jeder Frau, die vor der Entscheidung Hysterektomie oder Embolisation steht, zur Embolisation raten - sofern sie medizinisch sinnvoll ist. Der Eingriff geht schneller, auch die Erholung, und ist kein solch wesentlicher Eingriff in die Natur wie eine Hysterektomie. Das ist jedenfalls meine persönliche Erfahrung.
peachblossom 04.06.2018
2.
Bei mir wurde in Alter von 40 Jahren ein Myom entdeckt, meine erz-konservative Haus Aerztin riet nach langem hin und her zu einer Hystorektomy bei der ein Eierstock zur Hormonproduktion zurueck gelassen wurde. Die naechsten acht Jahre waren die besten meines Lebens. Dann machte sich das Klimakterium bemerkbar zusammen mit einer Cyste am letzten Eierstock, wir dachten "Krebsherd" and operierten nochmal. Alles ging gut. Ich habe einen Sohn und hatte ein schoenes Leben als Frau bis meine Maenner anfingen weg zu sterben. Man sollte sich nicht unnoetig quaelen nur um die Fortpflanzungs -Faehigkeit zu erhalten.
goodcharlotte 04.06.2018
3. Gebärmutter raus und alles ist wieder wunderbar
Ich habe mich gegen jammernde Bedenkenträgerinnen in der Arzteschaft durchgesetzt und die Gebärmutter aufgrund der Myome entfernen lassen. Ich kann nur bestätigen, was Kommentatorin 2 schreibt: Es ist wunderbar, man fühlt sich wieder wie ein Teenager, keine Menstuation mehr, jeden Tag Sport, weiße Hosen/ Röcke tragen, nie mehr Tampons kaufen oder auf irgendetwas Rücksicht nehmen müssen, einfach herrlich. Meine Frauenärztin habe ich gewechselt.
Vournet 05.06.2018
4.
Dass es kaum Medikamente gibt, könnte auch daran liegen, dass die Krankheit beziehungsweise deren erstaunliche Häufigkeit den Entscheidern in den Pharmafirmen unbekannt ist. Über diese Krankheit wird nur im engsten Familienkreis und höchstens unter Frauen mit den besten Freundinnen gesprochen. Mir ist diese Krankheit auch nur durch einen Fall in der Familie ein Begriff und wegen dieser Mauer des Schweigens hatte ich die Krankheit bisher für selten gehalten.
vera gehlkiel 05.06.2018
5.
Zitat von VournetDass es kaum Medikamente gibt, könnte auch daran liegen, dass die Krankheit beziehungsweise deren erstaunliche Häufigkeit den Entscheidern in den Pharmafirmen unbekannt ist. Über diese Krankheit wird nur im engsten Familienkreis und höchstens unter Frauen mit den besten Freundinnen gesprochen. Mir ist diese Krankheit auch nur durch einen Fall in der Familie ein Begriff und wegen dieser Mauer des Schweigens hatte ich die Krankheit bisher für selten gehalten.
Puh, ich bin froh, von sowas bisher verschont worden zu sein. Dass Frauen, die noch ein paar Jahre älter sind als ich mit Anfang Vierzig, an sich mit allergrösster Erleichterung darüber berichten, dass die Gebärmutter endlich weg ist, kenne ich aber, und das selbst ohne Myombildung (jedenfalls, wenn doch, hat man es oft anscheinend nicht erfahren). Ich würde das, ohne mir natürlich im Bezug auf Einzelfälle ein Urteil erlauben zu können, auch auf die "Mauer des Schweigens" zurückführen, die sie sehr zu recht thematisieren. Hierbei wird mir immer noch zuviel nur in der Kategorie gedacht, dass die Gebärmutter (welch schreckliches Wort das ist, für ein an sich hochinteressantes Organ!) die Mutter ausmacht, und sonst auf den Mülll kann. Obwohl auch mir meine Periode lästig ist, zumal ich sehr viel Sport treibe, versuche ich meine Gebärmutter nicht als Feindin in meinem Körper zu betrachten, und auch mein Lebenspartner sollte intensiv damit befasst sein, wie es um sie (und mich!) gerade steht. Weil es dabei eben zentral auch um den Sex respektive seine gute Qualität geht, damit um ein Kernanliegen gelingender Beziehung. Ich möchte, und das möglichst lange, meinen Körper als eine Art von Erlebniswelt für meinen Geist betrachten können. Was für mich aber klar bedeutet, dass möglichst wenig daran herum geschnitten wird. Im Bezug auf die weibliche Regelblutung ganz im Allgemeinen haben bestimmte Verkrampfungen irgendwie eine erstaunliche Halbwertzeit, trotzdem es mutige Vorstösse mit grosser Breitenwirkung zum Thema gibt, wie etwa seitens der dafür nicht genug zu lobenden Humoristin Kebekus (auch wenn die sich eher an die Zwanzigjährigen wendet).
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