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Organspende-Skandal in Göttingen: Klinikum beschließt Aus für Leistungsprämien

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Folgen des Organspende-Skandals sind noch nicht absehbar Zur Großansicht
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Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Folgen des Organspende-Skandals sind noch nicht absehbar

Der Medizinskandal in Göttingen hat das Vertrauen in die Organspende erschüttert und eine Debatte über schärfere Kontrollen ausgelöst. Jetzt zieht die Universitätsklinik erste harsche Konsequenzen: Ab sofort ist die Höhe der Ärzte-Gehälter nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt.

Göttingen - Als Folge des Organspende-Skandals ist die Höhe von Ärzte-Gehältern an der Göttinger Universitätsmedizin ab sofort nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt. Der Vorstand habe damit Konsequenzen aus der Affäre um einen früheren Oberarzt gezogen, erklärte ein Sprecher am Dienstag.

Der leitende Transplantationsmediziner habe einen Vertrag mit einer Leistungskomponente gehabt. Details könne er nicht nennen, sagte Uniklinik-Sprecher Stefan Weller.

Der Arzt soll durch Manipulationen von Krankenunterlagen dafür gesorgt haben, dass seine Patienten auf der Warteliste nach oben rutschten und dadurch früher Spenderlebern erhielten. Es geht um bisher 25 Fälle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Unter der Leitung des Arztes war am Göttinger Uniklinikum die Zahl der Leber-Transplantationen in den Jahren 2009 und 2010 stark angestiegen.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als größter deutscher Transplantationsklinik habe es derartige leistungsbezogene Verträge für Mediziner nie gegeben, sagte Sprecher Stefan Zorn. Ärzte hätten zu keinem Zeitpunkt finanzielle Vorteile infolge gestiegener Zahlen von Organübertragungen gehabt.

Nach dem Organspende-Skandal in Göttingen verstärkten sich die Forderungen nach einer strengeren Kontrolle der Patientenakten. So forderte etwa Hans Lilie, der Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK), dass Laborwerte künftig nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft werden sollen. Experten glauben, dass dadurch die Sicherheit vor Ort und die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Betrügereien erhöht würde, wenn zwei Ärzte die Befunde unterschreiben müssten.

Andere dagegen zweifeln, dass ein solches Verfahren Fälschungen verhindern könne. Für manche Entscheidungen sei es zudem nicht günstig und praktisch auch nicht immer umsetzbar. Stattdessen müssten alle Transplantationszentren darauf überprüft werden, ob dort bisher richtig gearbeitet wurde. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte die Kammern und die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) aufgefordert, den Skandal konsequent aufzuklären und die Verantwortlichen zu bestrafen.

cib/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Leistungsabhängiges Gehalt ist nichts Neues
menalinda 24.07.2012
Viele Mediziner in Führungspositionen bekommen so etwas wie eine "Erfolgsprämie". Letztlich wird der Heilberuf dadurch stark ökonomisiert. Nur wissen viele Patienten davon nichts. Ein moralisches Dilemma tut sich da zwangsläufig auf. Bitte mehr Kontrollen für die Götter in Weiß!!
2.
peter_30201 24.07.2012
Zitat von sysopDPADer Medizinskandal in Göttingen hat das Vertrauen in die Organspende erschüttert und eine Debatte über schärfere Kontrollen ausgelöst. Jetzt zieht die Universitätsklinik erste harsche Konsequenzen: Ab sofort ist die Höhe der Ärzte-Gehälter nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846192,00.html
Also, wie war das mit der Organspende? Die Verteilung erfolgt transparent, von einer unabhängigen Stelle gesteuert und ist absolut manipulationssicher... Profit schlägt niemand aus den Transplantationen... Aber medizinische Bedenken gibt es immer noch keine!?
3. Wo waren
bert1966 24.07.2012
die klugen Aufforderungen von Herrn Spahn, als die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den gleichen Täter in einem ähnlich gelagerten Fall in dessen Zeit in Regensburg von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden ? Vielleicht hätte ein Durchgreifen der Ermittlungsbehörden damals sogar präventiven Charakter gehabt ? Ich bin immer wieder begeistert, wie schnell man sich in Deutschland den Titel "Experte für ..." verdienen kann. Vom Bankkaufmann zum Gesundheitsexperten.
4. Organspende-Skandal in Göttingen
fragel 25.07.2012
Klinikum beschließt Aus für Organspende ! Wäre das nicht mal eine Meldung , die die Gegner der Organspende ruhig stellen würden ? Für ein Dafür sind in der Regel nur die , die der Natur ins Handwerk pfuschen wollen. Ich will kein Organ, denn wenn es soweit ist , dann ist meine Zeit um und warum soll ich es hinauszögern ?
5.
Cotti 25.07.2012
Zitat von sysopDPADer Medizinskandal in Göttingen hat das Vertrauen in die Organspende erschüttert und eine Debatte über schärfere Kontrollen ausgelöst. Jetzt zieht die Universitätsklinik erste harsche Konsequenzen: Ab sofort ist die Höhe der Ärzte-Gehälter nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846192,00.html
Noch so eine Neuigkeit in Organspendesumpf. Wer viel transplantierte, bekam viel Geld - wer mehr schaffte, bekam mehr. Aber ganz bestimmt hat man sich immer an alle Regeln gehalten - außer natürlich in ganz seltenen Ausnahmefällen.
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Erweiterte Zustimmungsregelung
Der Verstorbene muss zu Lebzeiten, z.B. per Organspendeausweis, einer Organentnahme zugestimmt haben. Liegt keine Zustimmung vor, können die Angehörigen über eine Entnahme entscheiden. Entscheidungsgrundlage ist der ihnen bekannte oder der mutmaßliche Wille des Verstorbenen. Dieses Recht gilt in Deutschland, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Irland, der Schweiz und in den Niederlanden.
Widerspruchsregelung
Hat der Verstorbene einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, z.B. in einem Widerspruchsregister, so können Organe zur Transplantation entnommen werden. In einigen Ländern (Belgien, Finnland, Norwegen) haben die Angehörigen ein Widerspruchsrecht. Dieses Recht gilt in Belgien, Finnland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.
Informationsregelung
Auch hier geht der Gesetzgeber grundsätzlich von einer Bereitschaft zur Organspende bei fehlendem Widerspruch zu Lebzeiten aus. Allerdings müssen die Angehörigen in jedem Fall über die geplante Entnahme unterrichtet werden. Ein Einspruchsrecht steht ihnen jedoch nicht zu. Dieses Recht gilt in Frankreich und Schweden.

quelle: deutsche stiftung für organtransplantation (dso); bundesministerium für gesundheit und soziale sicherung



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