Mehr als ein Schnupfen Wenn die Nebenhöhlen entzündet sind

Die Nase ist dicht, der Geruchssinn weg und ein unsichtbarer Klotz scheint aufs Gesicht zu drücken: Fast jeder kennt Nasennebenhöhlenentzündung, bei manchen werden sie chronisch. Was hilft?

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Wenn die Nase trieft, ist das nervig. Manchmal vermisst man die laufende Nase aber geradezu - wenn der Schleim festsitzt und sich die Nebenhöhlen entzünden. Jeder Atemzug wird dann zur Qual, der Geruchssinn schwindet und das Gesicht schmerzt. Dazu kommen manchmal Kopfweh und Fieber. In vielen Fällen helfen Geduld und Medikamente. Ansonsten kann auch eine Operation notwendig werden.

Mediziner unterscheiden zwischen einer akuten und einer chronischen Sinusitis:

  • Mit der chronischen Form haben Betroffene länger als zwölf Wochen zu kämpfen. Laut Achim Beule, leitender Oberarzt in der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Münster, kennen etwa elf Prozent der Deutschen das Problem.
  • Die akute Form ist häufiger und dauert höchstens zwölf Wochen. Bei 60 bis 80 Prozent der Betroffenen heilt sie unter medikamentöser Therapie innerhalb von zwei Wochen ab, nach sechs Wochen sind die Beschwerden bei fast allen weg.

Zur medikamentösen Therapie eignen sich am besten abschwellende Nasensprays, wie Stefan Fink, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbandes, sagt. Diese sollte man aber nicht länger als sieben Tage verwenden. Sonst können sie zu einem Gewöhnungseffekt führen und langfristig die Nasenschleimhaut schädigen.

Hausmittel: Trinken, Wärme, Inhalieren

Ebenfalls hilfreich kann sein, ausreichend zu trinken. Zwei bis drei Liter täglich helfen, den Schleim zu verflüssigen. Gleiches gilt für Wärme, etwa in Form einer Rotlichtlampe. Fink empfiehlt Betroffenen außerdem, zu inhalieren. Das Wasser sollte aber nicht kochen, sondern nur 70 bis 80 Grad warm sein.

Nutzt das alles nichts, ist auch eine Nasendusche einen Versuch wert. Dabei wird der Nasenraum mit einer Kochsalzlösung ausgespült. Auch pflanzliche Mittel zum Einnehmen etwa Destillate aus Eukalyptus, Myrte oder Thymian sowie Extrakte aus Enzian, Primel und Eisenkraut sollen schleimlösend und entzündungshemmend wirken.

Wenn die Erkrankung länger anhält oder besonders schlimm ist, bekommen die Patienten in der Regel ein cortisonhaltiges Nasenspray. Antibiotika kommen zum Einsatz, wenn sich Bakterien ansiedeln, die schwere Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung verursachen können. Es sei allerdings ein Irrglaube, dass die frühzeitige Gabe von Antibiotika das präventiv verhindern kann, schränkt Beule ein.

Wenn alles nichts hilft: Anatomisches Problem?

Helfen all diese Maßnahmen nicht, kann es sein, dass ein anatomisches Problem die Dauerentzündung verursacht: Eine verschobene Nasenscheidewand oder gutartige Wucherungen in der Nase - sogenannte Polypen - hindern den Schleim manchmal am Abfließen. Dann kommt eine Operation infrage.

Bevor sich Patienten zu schnell unters Messer legen, sollten sie allerdings überlegen, die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen, empfiehlt Leif Erik Walther, Experte des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. "Ein solcher Eingriff ist nicht ungefährlich und gehört in die Hand eines erfahrenen HNO-Chirurgen, um Komplikationen, wie Blutungen und Verletzungen des Sehnerven oder der Schädelbasis, zu vermeiden."

Nicht in jedem Fall ist die OP zudem wirklich notwendig. Polypen können manchmal auch wirksam mit Medikamenten behandelt werden. Auch wenn sie entfernt wurden, kann es sein, dass sie wieder wachsen. Ob das geschieht, sei kaum vorherzusagen, erläutert Walther.

Komplikationen bei 5 von 1000 Operierten

Entscheiden sich Arzt und Patient für eine Operation, werden die betroffenen Stellen zunächst per Computertomografie abgebildet. So kann der Arzt genau sehen, was den Schleim am Abfließen hindert. Inzwischen wird die Abbildung anschließend oft in einen PC eingelesen, um dem Operateur die Navigation zu erleichtern. "Das soll die Sicherheit erhöhen", sagt Walther.

Bei dem Eingriff entfernt der Arzt die Polypen oder begradigt die Nasenscheidewand. Eine solche OP dauert zwischen 30 Minuten und vier Stunden und wird unter Vollnarkose durchgeführt. 5 von 1000 Operierten erleiden eine ernsthafte Komplikation, mehr als 80 Prozent haben einen Nutzen, erläutert Bauer.

Meistens bleiben die Patienten nach der OP vier bis fünf Tage im Krankenhaus. Eine Tamponade in der Nase soll währenddessen Nachblutungen verhindern. Hinterher wird man in der Regel für zwei bis drei Wochen krankgeschrieben und in der Zeit von seinem niedergelassenen Arzt weiter betreut. Der entfernt zum Beispiel die Kruste, damit sich keine Narben bilden, saugt das Sekret ab und kümmert sich um die Medikation.

Von Elena Zelle, dpa/irb



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