Nebenwirkungen HPV-Impfung erhöht nicht das Thrombose-Risiko

Wie gefährlich ist die HPV-Impfung? Erste Studien deuteten darauf hin, dass sie möglicherweise das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel steigert. Jetzt konnte eine große Untersuchung die Bedenken ausräumen.

Nadel vorm Einstich: Welche Nebenwirkungen haben Impfungen?
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Nadel vorm Einstich: Welche Nebenwirkungen haben Impfungen?


Impfungen können vor schweren Krankheiten schützen, dennoch verbinden viele die Spritzen mit einem mulmigen Gefühl: Tue ich meinem gesunden Körper gerade etwas an, das ihn vielleicht krank macht? Nur aus Angst vor einer Krankheit, die noch sehr fern scheint? Umso wichtiger ist es, die Nebenwirkungen von Impfungen genau zu untersuchen und zu dokumentieren.

Bei der HPV-Impfung, die vor einigen Typen von HP-Viren und damit letztendlich vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll, gab es lange Zeit Bedenken, dass sie möglicherweise das Risiko für eine venöse Thrombose erhöht. Zwei Untersuchungen hatten nach der Zulassung darauf hingewiesen, dass Frauen nach der Spritze häufiger die Blutgerinnsel entwickeln. Jetzt konnten dänische Forscher um Nikolai Madrid Scheller vom Statens Serum Institut in Kopenhagen die Sorgen in einer großen Studie ausräumen, wie sie im Fachmagazin "Jama" berichten.

Bei einer Thrombose handelt es sich um Blutgerinnsel, die sich meist in Venen bilden. Lösen sie sich von der Gefäßwand, können sie durch den Blutstrom in den ganzen Körper gelangen und wichtige Gefäße verstopfen. Bei der tiefen Venenthrombose, die häufig in den tiefen Bein- oder Beckenvenen lokalisiert ist, droht beispielsweise eine Lungenembolie. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem Rauchen und Übergewicht. Auch die Antibabypille kann die Gefahr steigern, ein solches Blutgerinnsel zu entwickeln.

Daten von mehr als 1,5 Millionen Frauen

Um zu untersuchen, ob die HPV-Impfung ebenfalls das Thrombose-Risiko steigert, nutzten die Forscher ein Register mit den Daten aller dänischen Frauen. Dabei beschränkten sie sich auf den Zeitraum zwischen Oktober 2006 und Juli 2013 und werteten nur die Angaben zu Frauen aus, die in der Zeit zwischen zehn und 44 Jahre alt waren. Insgesamt sammelten die Wissenschaftler so die Daten von rund 1,6 Millionen Däninnen.

Wer hat's bezahlt
    Die Autoren besitzen nach eigenen Angaben keine Interessenkonflikte und haben die Studie im Rahmen ihrer Anstellung beim Statens Serum Institut, einem staatlichen Forschungsinstitut, durchgeführt.
Fast ein Drittel der Frauen (31 Prozent), mehr als 500.000, hatten sich gegen humane Papillomaviren impfen lassen, sie erhielten eine sogenannte quadrivalente HPV-Impfung. Dabei konnten die Forscher keinen statistischen Zusammenhang zwischen den 42 Tagen nach der Impfung, die als risikoreich galten, und Thrombosen nachweisen. Unter allen Frauen erkrankten 4375 in der Studienzeit an einem solchen Blutgerinnsel, 20 Prozent von ihnen wurden in der Zeit auch gegen HPV-geimpft.

Auch als die Forscher ihre Daten im Hinblick auf das Alter der Studienteilnehmerinnen aufdröselten und weitere Risikofaktoren für Thrombosen wie Schwangerschaft, die Einnahme der Antibabypille und Operationen mit einrechneten, änderte sich das Ergebnis nicht: Es gab keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Impfung und der Entwicklung einer Thrombose. Die Ergebnisse decken sich mit denen einer großen Studie schwedischer Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm, die schon im Herbst 2013 Entwarnung gegeben hatten.

Impfung ist noch umstritten

Die HPV-Impfung wird in Deutschland allen Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen, bei ihnen erstatten die Krankenkassen die Kosten. Wer sich später impfen lassen möchte, muss die mehr als 450 Euro für die drei notwendigen Spritzen mitunter selbst tragen. Das Serum schützt relativ zuverlässig vor den Virus-Typen HPV-16 und -18, die bei etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen nachzuweisen sind. Immer mehr Studien sprechen zudem dafür, dass die Impfung gut verträglich ist. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle.

Trotzdem ist die Impfung bislang umstritten. Zum einen fehlen noch Langzeitergebnisse dazu, wie gut sie wirklich vor Gebärmutterhalskrebs schützen kann, da sie noch nicht lang genug auf dem Markt ist. Zum anderen bemängeln Kritiker, dass sie die Patienten in einer falschen Sicherheit wiege: Es gibt mehr als hundert Subtypen der Papillomaviren, die Impfung wirkt nur gegen zwei davon, krebserregend sind mindestens zwölf. Deshalb sollten Frauen trotz schützender Impfung weiterhin zur Vorsorge gehen.

irb

insgesamt 3 Beiträge
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alittlebitmore 09.07.2014
1. Alles Lüge
Meine Tochter wurde mit 13 Jahren gehen HPV geimpft. Mit 19 war sie plötzlich HPV positiv. Zunächst fiel eine genitalwarze auf, dann waren die 16&18 Varianten positiv. Angeblich schützt die Impfung ja genau vor diesen Stämmen. Die Gynäkologin war ratlos und meinte, dass man nicht unbedingt davon ausgehen könne, dass die Impfung eine Ansteckung verhindere. Es sei zwar wünschenswert, aber leider oft nicht der Fall..... Na reizend!!!
shad0r 10.07.2014
2.
Das haben Impfungen nunmal so an sich. Insbesondere bei HPV wird ein wirksamer Impfschutz nur bei 70 - 85% der geimpften Frauen erreicht.
herrschickhilfe! 10.07.2014
3. Sehr selektiv, das SPON hier (nicht) zulaesst
Dann schreibe ich es eben nochmal: Konflikte kann man nicht "besitzen". Aber Deutsch sollte man als Journalist schon koennen. Aus dem Text: "Die Autoren besitzen nach eigenen Angaben keine Interessenkonflikte..."
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