Nebenwirkungen Muss die Schmerztablette wirklich sein?

Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers. Auch aus diesem Grund sollten sie nur wenige Tage auf eigene Faust mit Pillen betäubt werden. Hinzu kommt das Risiko für Nebenwirkungen.

Schmerzmittel: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig"
DPA/ TMN

Schmerzmittel: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig"


Im Kopf hämmert es, ein Zahn pocht, und der untere Teil des Rückens tut höllisch weh: Schmerzen will jeder so schnell wie möglich loswerden. Um gewappnet zu sein, haben viele ein Schmerzmittel auf Vorrat.

Präparate, zum Beispiel mit Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen, sind oft ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Bei ihrer Einnahme ist jedoch eins wichtig: Auch wenn sie den Schmerz kurzzeitig ausschalten, seine Ursache bekämpfen sie nicht. Außerdem können sie Nebenwirkungen haben.

Der Absatz von Schmerzmitteln ist in Deutschland zuletzt leicht gestiegen, berichtet das Marktforschungsunternehmens IMS Health. Im Jahr 2015 wurden knapp 162 Millionen Packungen Analgetika - so der medizinische Fachausdruck - in Apotheken verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 2,4 Prozent. Knapp 115 Millionen von den verkauften Schmerzmittel-Packungen hatten Verbraucher rezeptfrei erworben - 1,4 Prozent mehr als 2014.

"Nicht länger als drei Tage hintereinander"

"Es spricht nichts dagegen, wenn bei kurzzeitigen Schmerzzuständen ein ansonsten gesunder Patient auf eigene Faust eine Schmerztablette schluckt", sagt Peter Walger. Er ist leitender Arzt für Internistische Intensivmedizin und Infektiologie an den Evangelischen Kliniken in Bonn.

Bei anhaltenden Schmerzen ist das aber anders: "In keinem Fall sollten rezeptfreie Schmerzmittel in der Selbstmedikation länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden", sagt Julia Richter vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

Mit Schmerzen signalisiert der Körper, dass etwas nicht in Ordnung ist. Auf der Haut oder in Organen hat der Mensch eine Art Fühler - in der Fachsprache heißen sie Nozirezeptoren. Sie reagieren auf bestimmte chemische Stoffe, auf hohen Druck, aber auch auf Wärme und Kälte.

Ihre Impulse werden an die nächstgelegene Nervenzelle geleitet. Von dieser wandert der Schmerz an die Nervenfasern, dann ins Rückenmark und schließlich landet er im Gehirn. Dann nehmen wir ihn bewusst wahr.

Für leichte bis mittelschwere Schmerzen

Rezeptfreie Schmerzmittel sind für leichte bis mittelschwere Schmerzen zugelassen. Werden sie vorübergehend und in Maßen eingenommen, bereiten sie gesunden Menschen in der Regel keine Probleme. Allerdings sollten Betroffene neben der Anzahl der Tage auch beachten, dass sie die im Beipackzettel angegebenen Höchstdosen nicht überschreiten. Sonst steigt das Risiko für Nebenwirkungen.

Magen-Darm-Probleme: Die häufigsten Nebenwirkungen entzündungshemmender Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen sind Magenprobleme. Sie können etwa eine Magenschleimhautentzündung auslösen. Walger zufolge ist zudem bei einer unkontrollierten Einnahme das Risiko von Magenblutungen verdoppelt bis vervierfacht. Anzeichen sind Blut im Stuhl oder das Erbrechen von Blut.

Verordnet ein Arzt über einen längeren Zeitraum Schmerzmittel, kann das Risiko für Komplikationen wie diese mit der gleichzeitigen Einnahme von Magenschonern deutlich gesenkt werden.

Herz-Kreislauf-Probleme: Hohe Dosen bestimmter Schmerzmittel wie Diclofenac können auf Dauer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Zu diesen Ergebnissen kommen die Auswertungen mehrerer Studien, berichtet die unabhängige Seite gesundheitsinformation.de.

Vor allem, wer schon ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme hat, sollte Schmerzmittel deshalb mit Bedacht wählen. Wer ohnehin Medikamente schluckt, zum Beispiel blutdrucksenkende Mittel, sollte auf jeden Fall Rücksprache mit einem Arzt halten. "In solchen Fällen muss gegebenenfalls die Blutdruckmedikation angepasst werden", sagt Walger.

Auch bei verschiedenen anderen Krankheiten - etwa Nierenproblemen oder Lebererkrankungen - sind manche Schmerzmittel tabu. Wer eine Vorerkrankung hat, sollte sich deshalb ebenfalls von einem Arzt beraten lassen.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Werden Schmerzen auf Dauer mit Medikamenten unterdrückt, können die Mittel auch selbst Kopfschmerzen auslösen. Ein Teufelskreis, wenn die Betroffenen weiter Schmerzmittel nehmen, um die Kopfschmerzen unter Kontrolle zu bekommen. Auch dessen sollten sich Menschen bewusst sein, wenn sie über eine längere Zeit Schmerzmittel einnehmen.

Grundsätzlich gilt: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig", ist die beste Faustformel, um Komplikationen zu entgehen und nicht unnötig zu leiden. Halten die Schmerzen auf Dauer an, sollte ohnehin ein Arzt nach der Ursache suchen.

Von Sabine Meuter, dpa/irb

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