Neue Lasertechnologie: Mit Hightech Tattoos entfernen

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Mediziner in Bochum entfernen Tätowierungen mit einem neuen, sanfteren Hightech-Laserverfahren. Der Arbeitsplatz hat Zukunft: Mit der Zahl der Tätowierten steigt auch die Zahl derjenigen, die ihre Körperbemalung wieder loswerden wollen.

Tattoo-Entfernung: Wachsender Kostenfaktor, ungeklärtes Risiko Fotos
Uniklinikum Ruhr-Universität Bochum

"Tätowierungen", sagt Klaus Hoffmann, "sind ja überraschend billig, wenn man darüber nachdenkt. Ich sehe da manchmal Leute mit richtigen Kunstwerken auf dem Körper. Und wenn ich nach dem Preis frage, antworten die: 150 bis 500 Euro. Dafür bekommt man so was ja nicht auf Leinwand!"

Allerdings sind Tattoos mitunter auch Kunstwerke, deren vollen Preis man nicht unbedingt direkt nach Entstehung bezahlt. Auch das weiß kaum jemand besser als Hoffmann, Leiter des Zentrums für Lasermedizin des Landes Nordrhein Westfalen, angesiedelt an der Universitätshautklinik der Ruhr Uni Bochum im St. Josef Hospital. Einen guten Teil des Gesamtumsatzes macht die Klinik mit der "aesthetisch-operativen Abteilung" - nicht zuletzt mit der Entfernung von Tätowierungen: "Die Entfernung eines mittelgroßen Tattoos", sagt Hoffmann, "kostet zwischen 1000 und 1500 Euro."

Der Arzt spricht von Laserbehandlungen, neben dem Abschleifen und Wegschneiden des Tattoos die wirksamste Methode. Wirklich sanft war auch die aber lange nicht. "Bisher bestrahlte man Tattoo-Farben mit einem Laser in Komplementärfarbe, um sie zum Verblassen zu bringen", erklärt Hoffmann. "Das ging mit Verbrennungen und Schmerzen einher und hinterließ auch Narben."

Ein neues Spielzeug, das Farbpigmente zertrümmert

Heute steht Hoffmann ein neues "Spielzeug" zur Verfügung, das erst seit einem halben Jahr auf dem Markt sei: Die deutsche Firma Cynosure ist bisher die einzige, die einen sogenannten Picosekunden-Laser im Programm hat. Das werde sich bald ändern, noch aber habe die Firma einen Vorsprung von rund einem Jahr vor ihrer Konkurrenz, glaubt Hoffmann. Die Bochumer zahlten für den Picosure-Laser 300.000 Euro.

Mit dem beschieße man das Tattoo mit ultrakurzen, aber hochenergetischen Laserimpulsen. Hoffmann: "Dabei werden die Farbpigmente regelrecht zertrümmert und können von den Fresszellen des Körpers rückstandsfrei abgebaut werden."

Das Risiko, dass sich dabei toxische oder krebserregende Farbbestandteile, die in Tattoo-Farben immer wieder einmal gefunden werden, im Körper ablagern und anreichern, sieht Hoffmann als nicht bewiesen: "Man weiß nicht, ob das Fakt ist oder eher anekdotisch. Es gibt keine Studien darüber." Die Behörden gehen dennoch vorsichtig mit den Substanzen um - sobald das europäische Schnellwarnsystem für Konsumgüter Rapex Alarm schlägt. Immer wieder nehmen die Behörden dann Tinten für Tattoos vom Markt, weil diese mit krebserregenden Begleitstoffen verunreinigt sind. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht in einigen Fällen ein "ernstes Gesundheits- und Sicherheitsrisiko für Verbraucher".

Fehler und Risiko liegen Hoffmann zufolge vor allem im Tattoo selbst. Tätowierungen werden dauerhaft, wenn eingespritzte Farbpigmente in der Haut eingekapselt werden. Bis das geschieht, wird ein großer Teil der Farbe schon abtransportiert, 60 bis 80 Prozent der eingespritzten Farbe landet nicht im Tattoo, sondern irgendwo im Körper.

Jeder fünfte Tätowierte will Tattoo wieder loswerden

Schmerzen, Narben und ständige Wiederholungen der Laserbehandlung sollen mit dem neuen Verfahren angeblich auch der Vergangenheit angehören. Der Hersteller behauptet, es ließen sich Tattoos nun in drei statt bisher zehn bis 15 Sitzungen tilgen. Hoffmann will das nach rund 50 Anwendungen noch nicht bestätigen: "Was wir aber sagen können, ist, dass man mit etwa einem Drittel der Anwendungen auskommt. Selbst wenn es also fünf statt 15 sind, ist das ein erheblicher Fortschritt."

Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent der Bevölkerung tätowiert. 20 bis 25 Prozent von ihnen versuchen irgendwann, ihre Tattoos entfernen oder verändern zu lassen. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber nur in sehr seltenen Fällen gesundheitlicher Natur: "Man hört immer von allergischen Reaktionen", sagt Hoffmann, "aber das sind Ausnahmen." Auf der ersten internationalen Konferenz zur Tattoo-Sicherheit, die in diesem Jahr in Berlin stattfand, mahnte Jorgen Serup vom Bispebjerg Hospital in Kopenhagen: "Wenn man erst mal allergisch geworden ist, kann man das äußerst schwer behandeln, weil so viel Farbe im Körper ist." Er zeigte Bilder von Haut, die wegen der Allergie herausgeschnitten werden musste. Im schlimmsten Fall drohen sogar Amputationen.

Viel häufiger als gesundheitliche Probleme seien Hoffmann zufolge jedoch Änderungswünsche, weil etwa der tätowierte Name nicht mehr zum neuen Partner passe, der Patient sich schlicht ein anderes, neues Tattoo wünsche, ein Tattoo nicht gelungen sei oder sogar bei einer missglückten Entfernung entstellt wurde: "99 Prozent aller Patienten kommen nicht aus gesundheitlichen Gründen. Zehn bis 20 Prozent, schätzt Hoffmann, hätten aber berufliche Probleme: "Polizisten zum Beispiel dürfen an den sichtbaren Unterarmen nicht tätowiert sein."

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass Tattoos noch immer soziale Signale senden. Und das offenbar nicht ohne Grund: Laut einer Emnid-Studie aus dem Sommer 2012 steigt die Tätowierungsquote mit sinkendem Einkommen - wer arm ist, hat mehr Tattoos. Noch krasser fallen die Ergebnisse einer französischen Studie aus dem Frühjahr 2012 aus: Demnach steigt mit der Zahl der Tätowierungen auch die Wahrscheinlichkeit für "riskante Verhaltensweisen" wie ungeschützten Sex, vermehrten Alkoholkonsum, kriminelles oder gewaltbereites Verhalten. Das gilt natürlich nicht für die Gesamtheit der Tätowierten - sorgt aber dafür, dass sie mit Vorurteilen konfrontiert werden.

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insgesamt 46 Beiträge
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1.
XRay23 01.08.2013
mal wieder ein Tattoo-Artikel??? Naja - ich hätte da eine Anmerkung zur Behauptung , mit sinkendem Einkommen steige die Anzahl der Tattoos - richtig ist: Mit sinkendem Einkommen steigt die Anzahl hässlicher Tattoos. Hochwertige Arbeiten kosten mal schnell so viel wie ein durchschnittlicher Kleinwagen, was da auf den Körper kommt will der Träger aber auch nicht von so ein Pfuscher mit dem Laser veranstalten lassen. Die "behandelten" Körperteile sind danach meist entstellt fürs Leben.
2. Schade
osbourne68 01.08.2013
... ich fänd's klasse, wenn die Leute, die im Wahn meinen, sich den Namen des aktuellen Partners in riesigen Lettern auf den Arm stechen lassen zu müssen, ewig damit rumlaufen müßten ;-) Im Ernst: würden sich alle, welche die Absicht haben, sich tätowieren lassen zu müssen, sich gründlich darüber Gedanken machen, als sich aus einer Laune oder Mode (siehe Arschgeweih) heraus dazu zu entschließen, würde man hinterher auch keine Entferung in Anspruch nehmen müssen. Dies berührt nicht Entferungen aus medizinischer Notwendigkeit heraus!
3. Lächerlich...
fatherted98 01.08.2013
...erst lassen sich diese Dumpfbacken "bemalen" dann wollen sie den Mist wieder weg haben...am Besten noch auf Krankenkasse...naja...solange sie es privat bezahlen solls mir egal sein....lächerlich ist es trotzdem.
4. Tattooentfernung auf Staatskosten
deutscher_demokrat 01.08.2013
Im Land der rot-grünen Schuldenkönigin Hannelore Kraft erfolgt Tattooentfernung für Kriminelle auf Staatskosten... http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Hintergrund-Angeklagter-laesst-Tattoo-auf-Staatskosten-entfernen--71784a3e-04ab-450c-9760-40efedbe736f-ds
5. optional
steelman 01.08.2013
Auf eigene Kosten tätovieren, auf eigene Kosten lasern. Noch ein paar Schmerzen dazu und das Prinzip "Eigenverantwortlichkeit" ist dann in Körper und Geist angekommen.
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  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Sein besonderes Interesse gilt den Schnittstellen zwischen Kultur und Technologie. Zuletzt veröffentlichte er dazu "Der viktorianische Vibrator", eine Geschichte der Nebenwirkungen des Fortschritts.
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