Berlin - Millionen gesetzlich Krankenversicherte müssen sich auf andere Arzneimittel einstellen. Der Grund sind neue Rabattverträge vieler Krankenkassen, die Anfang des Jahres in Kraft treten. Das hat jetzt der Deutsche Apothekerverband (DAV) in Berlin bekanntgegeben.
Hintergrund ist ein Gesetz, das die ständig steigenden Ausgaben für Arzneimittel unter Kontrolle halten soll. Dazu verhandeln die Krankenkassen mit Herstellern über die Kosten einzelner Medikamente. Es geht dabei um sogenannte Generika, also Nachahmungen von Arzneien, für die der Patentschutz bereits abgelaufen ist.
Die verschiedenen Mittel der unterschiedlichen Hersteller haben also alle denselben Wirkstoff und wirken somit gleich. Dennoch dürfen die Apotheker nur jenes Mittel an den Patienten abgeben, für den die Krankenkasse mit einem Hersteller den Preisnachlass verabredet hat. Seit dem 1. April 2007 sind sie dazu verpflichtet.
Das Verfahren sieht vor, dass die Krankenkassen bekanntgeben, für wie viele Patienten sie ein bestimmtes Medikament benötigen werden. Daraufhin geben die Hersteller Angebote ab. Zudem müssen sie garantieren, dass sie die gewünschte Menge in der erforderlichen Qualität rechtzeitig liefern können. Wer das kann und den günstigsten Preis anbietet, erhält den Zuschlag.
Verunsicherung bei den Patienten
In der Regel laufen diese Rabattverträge alle zwei Jahre aus. Das Problem: Gerade bei chronisch kranken Menschen, die ihre Medikamente genau kennen, führe die Umgewöhnung zu einer Verunsicherung, sagte der DAV-Vorsitzende Fritz Becker. Es liege an den Apothekern, das Vertrauen der Patienten in ihre Medikation wieder herzustellen. Viele der Betroffenen glauben, es handle sich um ein anderes Medikament, weil es anders aussieht oder anders verpackt ist. Dabei sind die Wirkstoffe bei den Generika absolut identisch.
Laut DAV gelten seit dem 1. Januar unter anderem Rabattverträge der IKK Classic über etwa 150 Wirkstoffe. Zum 1. Februar würden mehr als 40 Betriebs- und Innungskrankenkassen ihre Versicherten mit neuen Rabattarzneimitteln für mehr als 150 Wirkstoffe versorgen. Ebenfalls zum 1. Februar habe die Techniker Krankenkasse Rabattverträge für mehr als 20 Wirkstoffe abgeschlossen.
Obwohl Auswertungen zufolge die Rabattverträge dazu beigetragen haben, die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneien in den letzten Jahren zu senken, stehen die Verträge mitunter in der Kritik: Im Oktober waren Lieferengpässe bei der Versorgung mit Grippeimpfstoffen bekannt geworden. Kritiker machten unter anderem die Exklusivverträge dafür verantwortlich. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge haben die Kassen 2011 durch die Ausschreibungen der Generika jedoch insgesamt 1,6 Milliarden Euro gespart.
cib/dpa
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