Von Nina Weber
Hamburg - So mancher Raucher, der pünktlich zu Neujahr der Sucht abgeschworen hat, wird vermutlich schon wieder zu Zigaretten greifen. Den wenigsten gelingt es auf Anhieb, mit dem Rauchen aufzuhören. Verschiedene nikotinhaltige Ersatzprodukte sollen Entzugserscheinungen lindern und damit den Übergang vom Raucher zum Nichtraucher erleichtern. Die Substanz kann sich dabei in Kaugummis, Pflastern, Inhalations- oder Nasenspray befinden. In Deutschland werden die Nikotinersatzprodukte in Apotheken vertrieben. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten jedoch nicht, auch wenn die Produkte von Ärzten empfohlen werden.
Viele Studien bescheinigen, dass die Nikotinersatztherapie sinnvoll ist. Auch eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, in der Studien mit mehr als 40.000 Teilnehmern analysiert wurden, kam 2008 zum Schluss: Durch die Therapie steigen die Chancen, für mindestens sechs Monate mit dem Rauchen aufzuhören, um 50 bis 70 Prozent. Das bedeutet laut der Studie allerdings nur: Etwa drei bis fünf Prozent der Raucher, die einfach so aufhören, sind noch sechs bis zwölf Monate später abstinent. Die Nikotinersatztherapie hilft demnach weiteren zwei bis drei Prozent, zum Ex-Raucher zu werden.
Eine jetzt im Fachmagazin "Tobacco Control" veröffentlichte Studie kommt jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis. Demnach helfen die Produkte überhaupt nicht. In den Jahren 2001/02 befragten Hillel Alpert von der Harvard School of Public Health in Boston und seine Kollegen 787 Erwachsene im US-Bundesstaat Massachusetts, die in den vergangenen zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatten. Auch in den Jahren 2003/04 und 2005/06 fragten die Forscher die Studienteilnehmer,
Beim zweiten und dritten Termin berichtete jeweils fast jeder Dritte von einem Rückfall, wobei nur 480 Teilnehmer bei der zweiten Befragung mitmachten und nur 248 bei der letzten. Bei dieser Art von Studie ist es durchaus normal, dass die Zahl der Teilnehmer sinkt, die Forscher nehmen jedoch an, dass ihre Daten in diesem Fall dadurch nicht verzerrt wurden.
Etwa jeder Fünfte nutzte der Studie zufolge eine Form von Nikotinersatztherapie, um sich den Rauchstopp zu erleichtern. Doch die meisten wendeten sie nicht korrekt an: Obwohl empfohlen wird, die Mittel etwa acht Wochen lang zu nehmen, setzten etwa zwei Drittel sie nach höchstens sechs Wochen ab.
Kein langfristiger Schutz vorm Rückfall
Das Ergebnis der Befragungen: Weder fachliche Beratung noch Nikotinersatztherapien senkten das Risiko der frischen Ex-Raucher, wieder zu Zigaretten zu greifen. Im Gegenteil: Starke Raucher (mehr als 20 Zigaretten am Tag, erste Zigarette innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen), die ein Nikotinersatzprodukt nahmen, ohne sich von einem Arzt oder anderweitig beraten zu lassen, hatten eine doppelt so hohe Rückfallquote wie starke Raucher, die nicht zu Pflastern, Kaugummis oder Sprays griffen.
Deutlich wurde auch: Wer vor der ersten Befragung bereits länger als sechs Monate auf Zigaretten verzichtet hatte, hielt mit größerer Wahrscheinlichkeit durch als die Studienteilnehmer, die weniger als ein halbes Jahr Nikotinabstinenz vorweisen konnten.
Die Studie zeige, dass Nikotinersatztherapien langfristig nicht dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, sagt Hillel Alpert. Seiner Meinung nach zeigt die Untersuchung, wie wichtig es ist, die Ergebnisse klinischer Studien - wo sich die Mittel als effektiv erwiesen - später bei der Nutzung in der allgemeinen Bevölkerung zu überprüfen.
In der "New York Times" äußert sich Gregory Connolly, Co-Autor der Studie, enttäuscht über das Ergebnis: "Wir haben etwas anderes erhofft. Ich habe selbst für Jahre ein Therapieprogramm geleitet und wir haben Millionen in diese Programme investiert."
Die Forscher nehmen an, dass die Ersatzprodukte nur kurzfristig beim Rauchstopp helfen: Da sie Nikotin enthalten, lindern sie sonst einsetzende Entzugserscheinungen. Aber langfristig vor einem Rückfall schützen können sie eben nicht.
Der ebenfalls an der Studie beteiligte Lois Biener spricht sich deshalb dafür aus, kein Geld mehr dafür auszugeben, Rauchern diese Produkte zu finanzieren. Das sollte stattdessen in andere Programme fließen, die sich als effektiv erwiesen hätten, wie etwa Medienkampagnen gegen das Rauchen. Auch eine weitere Erhöhung der Zigarettenpreise hält er für sinnvoll.
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