Neue Statistik: Patienten verlassen Klinik immer schneller

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Leere Betten: Deutsche Patienten verlassen das Krankenhaus immer schneller

In deutschen Krankenhäusern werden immer mehr Patienten behandelt - in immer kürzerer Zeit. 2011 blieb ein Patient durchschnittlich acht Tage in der Klinik. Der Bericht des Statistischen Bundesamts zeigt auch: Während in öffentlichen Häusern die Bettenzahl sinkt, legen Privatkliniken zu.

Wiesbaden - In Deutschlands Krankenhäusern bleiben die Patienten im Durschnitt gut eine Woche. Immer mehr Patienten werden in immer kürzerer Zeit behandelt - und das häufiger in privaten Kliniken. Das zeigen vorläufige Daten für 2011, die das Statistische Bundesamt am Freitag präsentiert hat. Aus der Statistik geht auch hervor, dass mehr Menschen in Krankenhäusern arbeiten.

Im vergangenen Jahr wurden 18,3 Millionen Patienten in 2041 Krankenhäusern stationär behandelt, das sind 300.000 mehr als 2010 (plus 1,6 Prozent). Im Durchschnitt blieb ein Kranker 7,7 Tage in der Klinik - im Jahr 2010 waren es noch 7,9 Tage.

Das Klinikangebot habe sich im Gegensatz zum Vorjahr kaum verändert, berichtete Ute Bölt vom Statistischen Bundesamt: Die 2041 Krankenhäuser im Jahr 2011 hatten zusammen knapp 502.000 Betten, 23 Krankenhäuser wurden seit 2010 geschlossen, die Zahl der Betten sank um 1000.

Nahezu konstant blieb die Bettenauslastung. Die Statistiker errechneten für 2011 eine Belegung von 77,3 Prozent nach 77,4 Prozent im Vorjahr. Die höchste Bettenauslastung hatten die öffentlichen Krankenhäuser mit 78,7 Prozent, die geringste die freigemeinnützigen Krankenhäuser - das sind meist kirchliche Träger - mit 75,7 Prozent.

Krankenhausstatistik 2011
Insgesamt öffentlich freigemeinnützig privat
Krankenhäuser 2041 623 741 677
Betten 501.593 243.954 171.598 86.041
Belegungstage 141.596.163 70.074.720 47.406.928 24.114.515
Patienten 18.321.073 9.098.882 6.283.256 2.938.935
Bettenauslastung 77,3% 78,7% 75,7% 76,8%
Verweildauer 7,7 7,7 7,5 8,2
Ärztliches Personal 138.647 77.988 40.229 20.431
Nichtärztliches Personal 700.647 388.014 210.833 101.801
davon Pflege 310.484 162.839 100.117 47.529
Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse. Bettenauslastung, Verweildauer: Durchschnittswerte. Personal: Vollkräfte (Teilzeitstellen werden in Vollzeitstellen umgerechnet, tatsächlich arbeiten mehr Personen in den jeweiligen Bereichen). Quelle: Statistisches Bundesamt
"Weiterhin steht annähernd jedes zweite Bett in einem Krankenhaus eines öffentlichen Trägers", teilte das Bundesamt mit. "Der Anteil der Betten in privaten Häusern nimmt jedoch stetig zu." 2010 stellten die Privaten 16,9 Prozent der Betten, 2011 waren es 17,2. Der Anteil der Gemeinnützigen sank auf 34,2 Prozent.

Mehr Patienten, kürzere Verweildauer - das bedeutet mehr Arbeit für das Personal. Die Zahl der sogenannten Vollkräfte in den Krankenhäusern stieg an. Die Statistiker rechnen dafür die bestehenden Arbeitsverträge der Beschäftigten in Vollzeitstellen um, tatsächlich arbeiten also mehr Menschen als die rechnerischen Vollkräfte in den Kliniken. 839.000 Vollkräfte waren 2011 in den Krankenhäusern beschäftigt - 2,8 Prozent mehr als zuvor. 139.000 waren Ärzte, 701.000 zählten zum nichtärztlichen Dienst, darunter zum Beispiel 310.000 Pflegekräfte.

Der stationäre Aufenthalt in einer der 1235 Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen Deutschlands dauerte wie im Jahr 2010 im Durchschnitt 25,4 Tage. In diesen Kliniken standen knapp 171.000 Betten für die Versorgung von rund 1,9 Millionen Patienten zur Verfügung. In den Einrichtungen arbeiteten gut 8000 Vollkräfte im ärztlichen und 84.000 Vollkräfte im nicht-ärztlichen Dienst.

dba/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. So geschehen..
Frau_von_heute 25.08.2012
..daß der Patient. 72 nach Blasen-OP, mit liegenden Wunddrainagen am Freitag nach Hause entlassen wurde, mit neu gelegtem suprapubischen Katheter, und die Ehefrau keine Ahnung hat, wie sie das alles pflegen und versorgen soll, geschweige denn irgend ein Hinweis mitgegeben wurde, welche Hilfsmittel gebraucht werden und wo man sie bekommt...am Dienstag war der Patient mit hohem Fieber wieder in der Klinik.
2. optional
spon-facebook-10000357559 03.09.2012
Das is halt das deutsche Gesundhetssystem alles Statistik, aber das auf den Stationen und im ambulanten Bereich die Mitarbeiter nur am schufften sind, zich Überstunden haben und sich fragen Erholung was is das? Das fließt nicht ein... wie sagte mein Mathelehrer immer traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälschst hast!!
3. das hochgelobte
spunk27 03.09.2012
deutsche Gesundheitssystem hat seine Macken. Die moderne Medizin bringt auch Nachteile mit sich.Denken wir dabei an die immer älter werdende Bevölkerung.Die Betten in den Alters- und Pflegeheimen reichen jetzt schon nicht mehr aus.Wie soll das in 10 oder 50 jahren aussehen. Genau das gleiche Problem werden wir beim Personalbestand haben. Wenn man als Mutter in 3 Schichten arbeitet, so auch an Feiertagen und Wochenende, und solch einer extremen körperlichen, psychischen Belastung( je nach Station/Abteilung) ausgesetzt ist und dann sieht was am Ende des Monats auf dem Konto ist, kann einen nur schlecht werden.Wollen wir in Deutschland weiter "Spitzenmedizin" betreiben, muss einiges grundlegend verändert werden.Das fängt an bei der Aufklärung über Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Organspende bis zu besseren Arbeitsbedingungen für das Personal.
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