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Zuckerkrankheit: Diabetes könnte Demenz-Risiko erhöhen

Häufige Injektion: Ein Diabetiker spritzt sich Insulin Zur Großansicht
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Häufige Injektion: Ein Diabetiker spritzt sich Insulin

Diabetes nimmt weltweit zu und immer mehr Menschen leiden unter den Folgeerkrankungen wie Nierenschäden oder Schlaganfällen. Eine aktuelle Analyse zeigt jetzt: Die Zuckerkrankheit erhöht auch die Gefahr für eine Demenz.

Baltimore - Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden oder Fußamputation - das alles können Folgen einer der häufigsten chronischen Erkrankung weltweit sein: Typ-2-Diabetes. Nun mehren sich Hinweise, dass dieser Liste auch noch eine weitere gefürchtete Krankheit hinzugefügt werden muss, die Demenz.

Forscher um Elizabeth Selvin von der US-amerikanischen Johns-Hopkins-University haben ermittelt, dass Menschen, die in mittleren Jahren an Diabetes erkrankten, im Alter eine höhere Wahrscheinlichkeit für Wortfindungsstörungen oder schlechtere Gedächtnisleistungen haben - beides typische Demenzsymptome. Die Wissenschaftler schreiben in den "Annals of Internal Medicine", dass Diabetes das Hirn um etwa fünf Jahre altern lässt: Durchschnittlich hat ein 60-jähriger Diabetiker dieselben kognitiven Fähigkeiten wie ein 65-jähriger gesunder Mensch. Auch frühere Studien hatten einen Zusammenhang zwischen Demenz und einem hohen Blutzuckerspiegel gezeigt.

Für die Untersuchung hatten die Wissenschaftler Daten der Aric-Studie ausgewertet, einer Langzeituntersuchung, für die die Bürger aus vier verschiedenen US-Gemeinden ab 1987 insgesamt fünf mal untersucht werden sollten - zuletzt im Jahr 2013. Das Durchschnittsalter bei der ersten Untersuchung lag bei 57 Jahren. Die Forscher verglichen den durchschnittlichen Verlust von kognitiven Fähigkeiten mit fortschreitendem Alter in der Allgemeinbevölkerung, der aus vorherigen Studien bekannt ist, mit dem der Aric-Patienten. So ermittelten sie, dass diejenigen mit Diabetes oder einem Frühstadium der Erkrankung ein um 19 Prozent gesteigertes Risiko für Demenz-Symptome in dem untersuchten Zeitraum von 20 Jahren aufzeigten.

Motivation für einen gesunden Lebensstil

Bei den Untersuchungen erfassten die Forscher sowohl Bildungsstand der Probanden wie auch Body-Mass-Index, Alkohol- und Zigarettenkonsum, Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob sich die Probanden regelmäßig bewegten, wurde aber nicht abgefragt.

Und: Ein Beleg für einen tatsächlichen kausalen Zusammenhang ist die Studie nicht - es handelt sich lediglich um einen statistischen Zusammenhang, der aber auch andere Ursachen haben kann. Außerdem konnten die Forscher den Einfluss von verbesserter Messtechnik bei der Blutzuckerkontrolle im Laufe der 20 Jahre nicht mit einbeziehen. Außerdem hatten die sie Schwierigkeiten mit der nachlassenden Beteiligung der Probanden: Bei der ersten Untersuchung wurden knapp 13.500 Personen untersucht - bei der letzten waren es nur noch etwa 6000.

"Das Wissen über die Ursachen für kognitive Schädigungen während der mittleren Lebensphase könnte eine große Motivation dafür sein, langfristig einen gesunden Lebenstil zu führen", sagt Richey Sharrett, einer der Co-Autoren der Studie.

Die Untersuchung belegt einmal mehr die Gefahr von Diabetes für die Volksgesundheit - übersechs Millionenen Menschen in Deutschland leiden unter Diabetes Typ 2, ein Drittel mehr als noch vor 15 Jahren. Und die Zahlen werden weiter steigen. Schätzungen zufolge könnten es 2035 weltweit 600 Millionen sein. Allein in den USA, dem Heimatland der Studienautoren, leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung - etwa 21 Millionen US-Amerikaner - unter Diabetes.

"Wenn wir uns bei der Diabetesprävention verbessern, verbessern wir uns auch im Kampf gegen Demenz", sagt Elisabeth Selvin. "Wer mit 70 geistig fit sein möchte, muss mit 50 gesund essen und sich körperlich fit halten." Ein gesunder Lebenstil mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung gilt als einer der wesentlichen Faktoren, um sich vor Diabetes zu schützen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass ein gesunder 60-Jähriger dieselben kognitiven Fähigkeiten wie ein 65-jähriger Diabetiker hat. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

joe

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Diabetes ist gut?
skell100 04.12.2014
Zitat: "Durchschnittlich hat ein gesunder 60-Jähriger dieselben kognitiven Fähigkeiten wie ein 65-jähriger Diabetiker." Na dann lohnt es sich doch, Diabetiker zu sein.
2. Alter Hut
thelma&louise 04.12.2014
Schon wieder so ein alter Hut, der uns hier als neue Erkenntnis angeboten wird. Es passt zum Thema "die Deutschen wollen weniger arbeiten: Frührente macht auch dement. Wahrscheinlich bringt die Laienpresse das so in zehn Jahren.
3. Unterirdisch
teilzeitmutti 04.12.2014
Super, eine Studie die im Grunde nichts feststellt und mit der Forderung nach einer besseren Diabetes-Prävention einher geht. Da dürfte der Effekt der arteriosklerotischen Veränderungen im Alter wohl höher sein.
4. aktuell?
kumi-ori 04.12.2014
Dass Diabetes zu einem Raubbau am Gehirn führt, ist seit bald einem halben Jahrhundert bekannt. Im hypoglykämischen Zustand gehen die Zellen an ihren Eiweißbestand und somit sprichwörtlich an ihre Substanz, und da die Zellen des Gehirns am meisten Ennergie verbrauchen, wundert es nicht, dass es bei Diabetikern über kurz oder lang zu irreversiblen kognitiven Einschränkungen kommt. Dass Bewegung im Alter von 50 Jahren der Demenz im Alter vorbeugt hingegen, ist ja offensichtlich eine reine Vermutung der Autoren, da die Bewegung der Patizipanten ja gar nicht abgefragt wurde.
5. Als Diabetiker
Pfaffenwinkel 04.12.2014
kann ich nur empfehlen, sich nicht auf Tabletten zu verlassen, sondern so früh wie möglich Insulin zu spritzen, weil es die Spätfolgen nach hinten verschiebt.
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Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, sodass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.

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