Niedersachsen 50 Tote durch Grippe

In Niedersachsen sind bereits 50 Menschen der Grippe zum Opfer gefallen. Experten zufolge ist unter anderem die abnehmende Impfbereitschaft Grund für den Anstieg der Krankenzahlen.

Frau mit Schutzmaske in der U-Bahn
Getty Images/ Canopy

Frau mit Schutzmaske in der U-Bahn


In Niedersachsen hat die Grippewelle 50 Menschenleben gefordert. Die "Hannoversche Allgemeine" berichtete unter Berufung auf das Landesgesundheitsamt, unter den Toten seien 15 Menschen unter 70 Jahren. Auch zwei Kleinkinder seien dem Grippevirus zum Opfer gefallen. Bei der Mehrzahl der Opfer handelt es sich allerdings um vorerkrankte Senioren.

"Wir haben auf die Zahl der Infektionen bezogen die stärkste Grippesaison der letzten Jahre", sagte Matthias Pulz, der Leiter des Landesamtes, der Zeitung. In der vergangenen Woche wurden dem Gesundheitsamt zufolge knapp 2900 neue Grippefälle gemeldet. Der Höhepunkt der Grippewelle sei zwar überwunden, allerdings sei der Krankenstand noch auf einem hohen Niveau, berichtete der NDR.

Experten zufolge war die Grippewelle in dieser Saison besonders heftig. In Niedersachsen wurden seit Oktober mehr als 15.000 Grippekranke registriert. In der vergangenen Saison waren es im gleichen Zeitraum etwa 5000. Krankenhäuser in Niedersachsen, aber auch in Schleswig-Holstein, hatten zwischenzeitlich Probleme, Patienten unterzubringen.

Der Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, Tobias Welte, nannte dem NDR zwei Gründe für die hohe Zahl der Erkrankungen: Einerseits habe die Bereitschaft, sich gegen Grippe impfen zu lassen, nachgelassen. Zum anderen decke der empfohlene Dreifach-Impfstoff den aktuellen Virusstamm nicht ausreichend ab. Die Influenza-Viren des Typs B der sogenannten Yamagata-Linie sind in diesem Winter besonders stark verbreitet, aber in dem Dreifachimpfstoff nicht enthalten.

Im Video: Angriff der Grippeviren - Influenza-Epidemie in 2015

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Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
    Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
  • Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

ala



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