Hypotonie Das hilft bei niedrigem Blutdruck

Nach schnellem Aufstehen dreht sich alles, Hände und Füße sind ständig eisig: Die Symptome eines niedrigen Blutdrucks können lästig sein. Was lässt sich dagegen unternehmen?

Bei niedrigem Blutdruck sind die Hände oft kalt
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Bei niedrigem Blutdruck sind die Hände oft kalt


Wenn es um den Blutdruck geht, wird meist vor hohem Druck gewarnt. Denn Werte über 140 zu 90 Millimeter Quecksilber (mmHg) gehen mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einher.

Allerdings gibt es auch Menschen, deren Blutdruck zu niedrig ist. In Deutschland ist das bei schätzungsweise drei bis fünf Millionen der Fall. Die sogenannte Hypotonie ist oft harmlos, in einigen Fällen kann sie jedoch ein Krankheitsanzeichen sein.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt der Blutdruck ab folgenden Werten als zu niedrig:

  • Frauen: unter 100 zu 60,
  • Männer: unter 110 zu 70.

Ein Arzt sollte abklären, ob der niedrige Blutdruck eine organische Ursache hat, sagt Herzspezialist Heribert Brück aus dem nordrhein-westfälischen Erkelenz, Pressesprecher des Bundesverbands niedergelassener Kardiologen. Die Hypotonie kann zum Beispiel auf eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Herzmuskelschwäche hinweisen.

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"Der niedrige Blutdruck an sich ist keine Krankheit", stellt Brück klar. Betroffene nehmen Hypotonie oft erst wahr, wenn sie in bestimmten Situationen unter Schwindel und Ohrensausen leiden, oft müde sind oder sehr kalte Hände und Füße haben.

Mediziner unterscheiden zwischen der regulativen sowie der chronischen und episodischen Hypotonie. Bei der regulativen Hypotonie gibt es etwa Probleme bei schnellen körperlichen Lagewechseln. Das kann das abrupte Wiederaufrichten des Körpers nach dem Bücken oder ein zu rasches Aufstehen nach dem Liegen sein. Dem Betroffenen ist dann womöglich schwindelig. Bei einem chronisch oder episodisch erniedrigten Blutdruck gibt es Störungen bei der Durchblutung. Mögliche Folgen: Konzentrationsschwäche und schnelle Ermüdung.

Vor allem ältere Menschen sollten einen niedrigen Blutdruck ernst nehmen, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Haben Senioren etwa Probleme beim Aufstehen, riskieren sie, bei den ersten Schritten zu stürzen. "Das kann gerade bei älteren Menschen, die nicht selten an Osteoporose leiden, zu schmerzhaften und komplizierten Knochenbrüchen führen", sagt Sellerberg.

So wird der niedrige Blutdruck behandelt

"Bei niedrigem Blutdruck werden meist keine Arzneimittel verabreicht", sagt Kardiologe Brück. Stattdessen wird eher auf Mittel zur Selbsthilfe gesetzt. Unter anderem kann das Tragen von Kompressionsstrümpfen die Symptome vertreiben.

Bewegung hilft oft bei niedrigem Blutdruck. "Eine Möglichkeit ist etwa, den Kreislauf dadurch anzukurbeln, indem man morgens im Bett vor dem Aufstehen mit den Beinen in der Luft Rad fährt", sagt Sellerberg. Das hilft besonders, wenn man sonst morgens nach schnellem Aufstehen Sternchen sieht. Nicht nur morgens, sondern generell gilt: langsam aufstehen.

Christian Dannhart vom Kneipp-Bund - dem Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention in Bad Wörishofen - verweist auf Kneipp, der maßvolle Bewegung an der frischen Luft empfahl. Übersetzt in die heutige Zeit bedeutet dies Ausgleichssportsarten wie Wandern, Radfahren oder Skilanglauf.

Warm-kalte Wechselduschen regen das Herz-Kreislauf-System an und wirken durchblutungsfördernd. Kostet die kalte Dusche zu viel Überwindung? Dann kann man erst mal nur die Beine wechselnd warm und kalt abbrausen. Achtung: "Im Vorfeld sollte ein Arzt zurate gezogen werden", sagt Brück. Denn Wechselduschen sind bei bestimmten Vorerkrankungen wie etwa Venenleiden nicht immer empfehlenswert.

Wer niedrigen Blutdruck hat, kann in der Regel gern zu salzreicherem Essen greifen. Hilfreich kann auch sein, statt weniger großer Mahlzeiten lieber häufiger kleinere Portionen zu essen. Gleichzeitig sollte genug getrunken werden. Mindestens zwei Liter am Tag werden empfohlen.

Sabine Meuter, dpa/wbr

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