Diagnose und Therapie Wie Nierensteine entstehen - und was dagegen hilft

Heftige stechende Schmerzen im Bauch - das können Nierensteine sein. Wer einmal betroffen war, muss damit rechnen, dass neue entstehen. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich dem verbreiteten Leiden vorbeugen.

Nierenstein (rot) im Harnleiter: Gelb sind die Nierenbecken und der Abfluss des Urins durch die Harnleiter zu erkennen.
UIG via Getty Images

Nierenstein (rot) im Harnleiter: Gelb sind die Nierenbecken und der Abfluss des Urins durch die Harnleiter zu erkennen.


Reinigungssystem, Blutdruck-Regulator, Hormonproduzent: voilà, die Nieren. Sie filtern Stoffwechselprodukte und Giftstoffe aus dem Blut und leiten sie über den produzierten Harn ab. Sie steuern den Salz- und Wasserhaushalt sowie den Blutdruck, und sie stellen lebenswichtige Hormone her. Ohne die zwei etwa faustgroßen Organe, die am unteren Ende des Brustkorbs rechts und links neben der Wirbelsäule liegen, könnte ein Mensch ohne medizinische Hilfe nicht überleben.

Normalerweise spürt man die Nieren und Harnleiter nicht. Wenn sich allerdings Nierensteine bilden, kann es zu heftigsten Schmerzen kommen. Der Überblick über ein häufig auftretendes Leiden.

Was sind Nierensteine?

Nierensteine bestehen aus eigentlich im Urin gelösten Stoffen, die kristallisieren. Sie können unterschiedlich groß sein - die Bandbreite reicht von wenigen Millimetern - etwa so groß wie ein Reiskorn - bis zu mehreren Zentimetern. Meist ist nur eine Niere betroffen. Ein Nierenstein, der in den Harnleiter gelangt, wird als Harnleiterstein bezeichnet.

Was ist die Ursache?

Früher ging man davon aus, dass Nierensteine immer entstehen, wenn eigentlich gelöste Salze im Harn im Überschuss vorliegen und kristallisieren. Aus den kleinen Kristallen, die sich in der Niere bilden, entwickeln sich im Laufe der Zeit Steinchen. Allerdings: "Mittlerweile weiß man, dass dies stark vereinfacht ist - und für die meisten Steine nicht zutrifft", sagt Thomas Knoll, Chefarzt an der Urologischen Klinik Sindelfingen. Anders gesagt: Manche Menschen haben zu viel an bestimmten Stoffen im Urin - und bilden dennoch keine Steine. "Andere hingegen weisen geringere Konzentrationen auf und leiden unter Steinen", so Knoll. "Warum das so ist, weiß man noch nicht genau."

Zu den sogenannten steinbildenden Stoffen zählen Kalzium, Harnsäure oder Oxalat. Problematisch ist es auch, wenn sich zu wenig steinauflösende Stoffe wie Magnesium oder Citrat im Urin befinden. Auch das trägt dazu bei, dass sich Nierensteine bilden.

Die Steinchen werden entsprechend ihrer Zusammensetzung nach unterschiedlichen Typen unterschieden:

  • Am häufigsten sind Kalziumsteine (circa 80 Prozent), die aus Kalziumsalzen, genauer aus Kalziumphosphat oder Kalziumoxalat, bestehen.
  • Harnsäuresteine machen etwa zehn Prozent aus. Sie entstehen, wenn zu viel Harnsäure im Urin und der pH-Wert niedrig, der Harn also sauer ist.
  • Danach folgen Magnesium-Ammonium-Steine (fünf Prozent), die auch als Struvit-Steine bezeichnet werden. Ihre Ursache sind Harnwegsinfekte.
  • Seltener sind Steinarten wie Zystinsteine (circa zwei Prozent), die durch einen Überschuss der Aminosäure Zystin im Urin entstehen.

Steine können sich auch bilden, wenn der Urin sehr konzentriert ist - etwa durch starkes Schwitzen oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr. "Auch bestimmte Medikamente, Übergewicht, Vorerkrankungen wie Gicht, Diabetes oder chronischer Durchfall sowie wiederkehrende Harnwegsinfekte begünstigen die Kristallbildung", so Knoll. Diskutiert wird zudem, ob eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielt. Allerdings ist nicht klar, ob hier wirklich die Gene dafür verantwortlich sind oder ein ähnlicher Ernährungsstil und Lebenswandel innerhalb einer Familie.

Wie häufig sind Nierensteine?

Nierensteine sind ein weitverbreitetes Leiden: Etwa fünf Prozent der Deutschen sind davon betroffen, Männer doppelt so oft wie Frauen. Sie können in jedem Alter entstehen, am häufigsten erkranken Erwachsene zwischen 35 und 55 Jahren.

Welche Symptome zeigen sich?

Kleine Steine gehen meist unbemerkt über den Urin ab und verursachen keine Beschwerden. Sie werden häufig nur durch Zufall entdeckt - etwa bei einer Ultraschalluntersuchung. Sind die Steine größer, rufen sie Schmerzen hervor, wenn sie in den Harnleiter gelangen und darin stecken bleiben. "Sie blockieren dann den Harnabfluss", so Knoll.

Bei einer solchen Nierenkolik treten plötzlich heftige, krampfartige und stechende Schmerzen auf, die sich in der Flanke, im Rücken, der Leistengegend oder im Unterbauch zeigen und bis in die Genitalien ausstrahlen können. Oft kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. "Nierenstein-Geplagte winden sich meist ruhelos, bis die Kolik aufhört", sagt der Urologe. Je nachdem, wie schnell der Stein wandert, kann eine Kolik wenige Minuten bis Stunden dauern. Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder sichtbares Blut im Urin können ebenfalls Anzeichen sein.

"Zeigen sich bei Problemen mit Nierensteinen Fieber und Schüttelfrost, ist dies ein Notfall, der sofort behandelt werden muss", so Knoll. Es kann zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung kommen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die meisten Nieren- oder Harnsteine lassen sich durch eine Ultraschalluntersuchung auffinden. Manchmal ist eine Computertomografie (CT) notwendig. Auf eine Röntgenuntersuchung wird heute wegen der Strahlenbelastung in der Regel verzichtet. Zudem untersucht der Arzt den Urin und das Blut. So lässt sich abklären, ob die Nierenwerte stimmen, Harnsäure -und Kalziumwerte erhöht sind oder ob eine Infektion besteht.

Wie wird behandelt?

Je nach Lage und Größe geht der Arzt unterschiedlich vor. "Kleinere Steine von höchstens fünf Millimetern gehen meist innerhalb eines Monats von selbst ab", so Knoll. Daher reicht es oft aus, bei Beschwerden Schmerzmittel einzunehmen, viel Wasser zu trinken und abzuwarten. Das ist auch bei etwas größeren Steinen (höchstens zehn Millimeter) einen Versuch wert. Bei Bedarf können Medikamente gegeben werden, die die Muskulatur entspannen. Auch Wärme (Wärmflasche, Bad) hat diesen Effekt. Sinnvoll auch: sich bewegen, vorsichtig hüpfen etwa oder Treppen steigen. Wichtig: Steine beim Wasserlassen mit einem Sieb abfangen. Nur so lässt sich abklären, wie sie entstanden sind.

Größere Steine (über zehn Millimeter) müssen meist durch Schallwellen zertrümmert oder endoskopisch entfernt werden. Eine offene OP ist nur selten notwendig. Mit speziellen Medikamenten lassen sich lediglich Harnsäuresteine manchmal auflösen.

Lässt sich vorbeugen?

Einmal Nierenstein, wieder Nierenstein? Bei etwa einem Viertel bis zur Hälfte der Patienten ist das der Fall. Das Risiko lässt sich allerdings senken - durch ein paar einfache Maßnahmen:

Viel und regelmäßig trinken

Mindestens 2,5 Liter ungesüßte Flüssigkeiten wie Wasser pro Tag. Cola und andere Softdrinks hingegen sollten Sie besser meiden. Sie enthalten Phosphorsäure (Zusatzstoff E 338), was vermutlich die Bildung von Nierensteinen begünstigt. Gegen ein Glas Wein oder Bier sei ab und zu nichts einzuwenden, sagt Knoll. "Kaffee hemmt offenbar sogar die Steinbildung, durch den entwässernden Effekt." Auch Zitrussäfte - etwa eine selbstgemachte, kaum gesüßte Zitronenlimonade - sind gut, sie erhöhen die Citrat-Konzentration im Urin. Wichtig vor allem: "Regelmäßig trinken", so Knoll.

Ernährung umstellen

Ist einmal festgestellt worden, aus welchen Stoffen sich die Nierensteine zusammensetzen, kann man durch eine gezielte Ernährungsumstellung versuchen, deren Konzentration im Urin zu senken.

  • Bei Kalziumoxalat- und Oxalat-Steinen empfiehlt es sich, oxalathaltige Lebensmittel wie Erdnüsse, Spinat, Rote Bete, Mangold, Rhabarber, schwarzen und grünen Tee sowie Schokolade und Kakao zu meiden oder nur in geringen Mengen ab und an zu verzehren.
  • Nicht mehr empfohlen wird, bei Kalziumsteinen auf Kalzium aus der Nahrung zu verzichten. Eine kalziumarme Ernährung begünstigt die Entstehung der Steine vielmehr, da mehr Oxalat in den Harn gelangt. Anders ist das bei Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel. Hier gibt es Hinweise, dass sich bei Frauen in der Menopause die zusätzliche Zufuhr negativ auswirkt.
  • Bei Kalzium- und Harnsäuresteinen ist es zudem ratsam, wenig tierisches Eiweiß zu essen und sich salzarm zu ernähren.
  • Als generell günstig gilt eine Ernährung mit viel Gemüse und Früchten.
  • Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Diese werden auch über die Nahrung aufgenommen und stecken in Wurst und Fleisch, vor allem Innereien, bestimmten Fischsorten wie Hering und Meeresfrüchten. Allerdings ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht, ob eine purinarme Ernährung das Risiko für Harnsäuresteine senkt. "Ich empfehle meinen Patienten aber, rotes Fleisch zu reduzieren", so Knoll. Eine Reduktion von Purinen bei Harnsäuresteinen wird auch in der aktuell gültigen Behandlungsleitlinie zur Vorbeugung angeraten.
  • Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-D-Präparate können die Steinbildung fördern.

Mit Medikamenten vorbeugen

Reichen viel trinken und eine Ernährungsumstellung nicht aus, können auch Medikamente verschrieben werden. Sie senken gezielt die Konzentration bestimmter Salze im Urin. Sinnvoll sind sie, wenn das Risiko für weitere Nierensteine groß ist - etwa wenn die Steine erstmals in der Kindheit oder Jugend aufgetreten sind, eine familiäre Belastung besteht oder es eine Vorerkrankung gibt.

Wie sinnvoll sind Hausmittel?

Mancher Steingeplagte greift zu Natron, das meist in Backpulver enthalten ist. Ist das sinnvoll? "Der Wirkstoff ist hier Bikarbonat, das zu dem Steinhemmer Citrat verstoffwechselt wird", so Knoll. "Patienten mit schlechter Nierenfunktion erhalten Bikarbonat-Tabletten, chemisch ist das im Prinzip nicht viel anders als Backpulver. Es wirkt, indem es den pH-Wert anhebt." Allerdings: Es sorgt auch für Blähungen.

Dafür, dass Apfelessig oder Ingwer hilft, fehlen dem Urologen zufolge die Belege. Brennesseltee ist harntreibend und dadurch günstig - wenn insgesamt ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird. Mancher hofft auch, dass zusätzlich eingenommenes Magnesium steinhemmend wirkt. Doch auch hier gilt: "Das ist nicht belegt", sagt Knoll.



insgesamt 9 Beiträge
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ennodv 04.09.2018
1. Vorbeugende 10-Wochentests - ein Litholink durchfûhren
Die Vorbeugung von wiederkehrenden Nierensteinen sollte man mit einen Nephrologen besprechen. Dieser wird auf die richtigen Mineralien im Körper achten. Ein Litholink-Test, der über mehrere Wochen die Sammlung von Urin vereinfacht, zeigt dass Nierensteine bis zu 80% vom Wiederauftauchen vorgebeugt werden.
totak 04.09.2018
2. Wahres Labkraut
Mir hing letztes Jahr ein 11 mm großer Harnstein "prävesikal" also unmittelbar vor dem Übergang des Harnleiters in die Blase fest. Das war ausgesprochen unangenehm, mein Urologe meinte, er müsste mit einer Schlinge geholt werden. Da ich darauf keine Lust hatte, besorgte ich mir wahres Labktkraut als Tee aus dem Internet. Wahres Labkraut baut einen unheimlichen Harndruck auf, viel intensiver als Brennesseltee. Dazu habe ich literweise Wasser getrunken und bin auf Strümpfen 2 Tage hintereinander mehrmals am Tag vom 5. Stock bis zum Erdgeschoss heruntergehüpft. Am Morgen des dritten Tage ist der Stein dann abgegangen.
flohzirkusdirektor 04.09.2018
3. Ein 11 mm grosser Harnstein.
Zitat von totakMir hing letztes Jahr ein 11 mm großer Harnstein "prävesikal" also unmittelbar vor dem Übergang des Harnleiters in die Blase fest. Das war ausgesprochen unangenehm, mein Urologe meinte, er müsste mit einer Schlinge geholt werden. Da ich darauf keine Lust hatte, besorgte ich mir wahres Labktkraut als Tee aus dem Internet. Wahres Labkraut baut einen unheimlichen Harndruck auf, viel intensiver als Brennesseltee. Dazu habe ich literweise Wasser getrunken und bin auf Strümpfen 2 Tage hintereinander mehrmals am Tag vom 5. Stock bis zum Erdgeschoss heruntergehüpft. Am Morgen des dritten Tage ist der Stein dann abgegangen.
Mit Spontanabgang durch Ureter und Urethra? Soso ... Und zum Beitrag: Das CT ist also keine Röntgenuntersuchung mehr? Danke, gar nicht mitbekommen.
Harry Heddergott 04.09.2018
4. Mir fehlt ein Hinweis
Mir fehlt ein Hinweis zum "Steinbrechertee" (Chanca Piedra ), der in der Naturheilkunde häufig erfolgreich eingesetzt wird. Außerdem kann man mit einer Analyse mit einem NLS-Oberon sehr früh Hinweise auf die Entstehung von Nierensteinen bekommen.
outofheapspace 04.09.2018
5. hochgradig proximaler Erfahrungsbericht
Bei mir fing alles mit einem Blasenstein an. Wenig spaeter Nierenstein, der per Laser zertruemmert wurde, dann Harnleiterschiene und 4 Jahre Ruhe. Dann fing der Spass richtig an. Erneuter Stein, 9mm. Wieder Laser und Schiene. Leider hat der Stein den Harnleiter auf 3cm vernarbt. Es folgten in den letzten 1,5 Jahren 9 KH Aufenthalte und mehrere (Dehnungs-)Schienen. Leider ohne Erfolg. Die vernarbte Stelle verklebt immer wieder. Zuletzt kleiner Erfolg mit Laserschlitzung. Da die Vernabung hochgradig proximal ist (nahe der Niere) kommt man da schlecht ran. Aktuell soll regelmaesssig ein ING fuer den Nierenfunktionstest angefertigt werden. Vermutlich werde ich bald vor der Entscheidung stehen, mit einer gestauten Niere und gelegentlichen Koliken leben zu muessen, oder operieren zu lassen. Letzter Strohalm ist die Entfernung der kaputten Stelle und Ersatz per Darminterponat. Jedoch besteht auch hier die Gefahr der Vernabung. Alternativ riskiere ich eine Niere. Offenbar sind Patienten mit einer hochgradig proximalen Uresterstenose selten und daher die Therapien ueberschaubar. Angefangen hat alles mitte 30 und ich habe einen Buerorjob. Oft vergesse ich das Trinken. Vermutlich liegt hier die Ursache. Ich bin ansonsten nicht bewegungsfaul und ernaehre mich gesund. Trinke nicht, rauche nicht. Wer einen Blasenstein hatte oder auch schon den ersten Nierenstein, sollte sich im Blick behalten und ggf. Vorsorgeuntersuchungen einplanen. Die ganze Sache kann zur Qual werden. Gerade die Schienen schraenken wirklich ein und bleiben gerne 5 Wochen im Koerper.
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