Haarpflege Was passiert, wenn man nie wieder Shampoo benutzt?

Ist das jetzt trendy - oder vielleicht doch nur eklig? Manche Menschen verzichten bewusst auf Shampoos und andere Pflegeprodukte fürs Haar. Sie hoffen auf positive Effekte. Aber die stellen sich längst nicht bei jedem ein.

imago/ Westend61


Unter die Dusche steigen, die Haare shampoonieren: Das ist für viele Menschen ein tägliches Morgenritual. Doch manche machen da nicht mehr mit. Anhänger des "No Poo"-Trends verzichten auf Shampoo - daher auch der Name. Auch Pflegespülung und ähnliche kosmetische Produkte kommen ihnen nicht ins Haar.

Aber warum tun sie das? Und wie verändern sich ihre Haare dadurch?

Die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger kennt die Probleme, die durch die täglichen Pflegerituale entstehen können: "Konventionelle Shampoos enthalten viele künstliche Inhaltsstoffe, die unsere Kopfhaut irritieren oder sogar nachhaltig schädigen können." Parfümstoffe etwa können Allergien auslösen.

Der "No Poo"-Trend setzt genau da an. Durch den Verzicht auf gängige Pflegemittel soll das Haar wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt werden. Das kann ganz unerwartete Effekte haben, sagt Friseurin Anja Geisler, die in Münster den Salon "Lockvogel" betreibt. "Die Haarqualität, aber auch der Zustand der Kopfhaut verbessern sich, feines Haar bekommt mehr Volumen, und dickes Haar wird weicher."

Es wird weiter gepflegt

Allerdings bedeutet "No Poo" nicht den kompletten Verzicht auf Pflege. Geisler rät, die Haare mit einer Bürste zu pflegen, die aus Naturhaaren wie etwa Wildschweinborsten gefertigt ist. "Das reinigt Haar und Kopfhaut von Schmutz und Staub." Darüber hinaus sorgt die Pflege mit der Bürste dafür, dass sich das natürliche Haarfett von der Kopfhaut aus gleichmäßig bis in die Spitzen verteilt - das Haar wird geschmeidig. Die von der Generation der Großeltern propagierten 100 Bürstenstriche funktionierten nach demselben Prinzip.

Zum Teil wird auch empfohlen, statt Shampoo bei manchen Wäschen Backpulver (ein Teelöffel, aufgelöst in einem kleinen Glas Wasser) ins Haar zu massieren und anschließend auszuwaschen. Als Ersatz für die folgende Pflegespülung raten "No Poo"-Anhänger zu verdünntem Apfelessig. Es gibt allerdings Frauen, die schildern, dass ihre Haare nach einer Weile durch diese Prozedur geschädigt wurden und brachen.

Shampoo-Verzicht ist nicht für jeden geeignet

Wer aufs Shampoo verzichten will, muss sich auf jeden Fall auf eine längere Umgewöhnungsphase einstellen: Zuerst werden die Haare fettig aussehen, wahrscheinlich bilden sich auch mehr Schuppen. Das kann bis zu einem halben Jahr andauern, meint Friseurin Geisler.

Ganz wichtig: "No-Poo" ist nicht für jeden geeignet, sagt der Hamburger Dermatologe Frank-Matthias Schaart. Manche Menschen neigen zu Kopfschuppen und gereizter Kopfhaut. "Liegt eine Veranlagung zu diesem sogenannten seborrhoischen Ekzem vor, ist die Anwendung eines medizinischen Shampoos mit einer Anti-Pilz-Substanz unbedingt erforderlich", betont der Spezialist für Haarprobleme. Wer diese wichtige Behandlung weglässt, riskiert eine massiv juckende Schuppenkruste auf der Kopfhaut, die nach und nach zu Haarausfall führt. Bei Problemen mit der Kopfhaut rät er, sich medizinischen Rat zu holen, bevor man einfach mal das Shampoo weglässt.

wbr/Andrea Abrell, dpa



insgesamt 58 Beiträge
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maipiu 26.10.2017
1. Mein Tipp: Haarseife
Da ich den Anteil von Plastikflaschen im Hausmüll reduzieren wollte, bin ich schon vor Jahren auf Haarseifen umgestiegen. Die sind zwar etwas teurer, reichen dafür aber länger. Es gibt sie von verschiedenen Herstellern und ich bin durchweg sehr zufrieden. Momentan benutze ich Aleppo-Seife, die nicht nur gut, sondern sogar günstig ist. (Vielleicht hilft es auch den Herstellern in Aleppo.)
jazzarchive 26.10.2017
2. Von Geburt an
Unsere Kinder haben seit ihrer Geburt kein Shampoo auf ihren Haaren, sie sind jetzt 19,16,13 und 11. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht. Die Haare werden immer gebürstet und sind immer schön geschmeidig, nicht fettig, sehen einfach gut aus. Wenn wir dies anderen Menschen erzählen, sind sie immer erstaunt das dies funktioniert.
ace.of.spades 26.10.2017
3. Ratlos
Ich benutze seit ca. 20 Jahren kein Shampoo mehr, weil ich das irgendwann einmal als "überteuerte Spezialseife" eingeordnet hatte. Allerdings benutze ich beim täglichen Duschen die ganz normale, dermatologisch empfohlene Seife (bräunlich und fast durchsichtig, kein Markenname hier!) mit dem natürlichen ph-Wert der Haut und ohne Geruchsstoffe, die auch Chirurgen täglich und ständig benutzen. Auch für die Haare! Zu welcher Gruppe gehöre ich denn nun? Meine Haare sind voll und gesund, fühlen sich weich und sauber an, und ich habe keine Schuppen und keinerlei Kopfhautprobleme. Vielleicht kann ja mal ein Dermatologe dazu Stellung nehmen?
g_bec 26.10.2017
4. No Poo
Also der Name der Bewegung "No Poo" ließ mich zunächst in eine ganz andere Richtung denken (mehr so im Ernährungsbereich:-) Kein Shampoo? Wer's verträgt, gerne. Aber gerade mit eher fettigen und kurzen Haaren und viel Aufenthalt im Freien gerade in der Allergiesaison wirkt so ein richtig scharfes Shampoo Wunder. Statt dessen hundert Bürstenstriche mit 'ner Wildschweinborstenbürste klingen nicht sehr angenehm bei Kurzhaarschnitten. PS: Anti-Schuppen-Shampoos helfen, unter den Achseln angewandt, auch gegen das modische Parfum "Sommerschweiß".
Jo-achten-van-Haag 26.10.2017
5. Chirugen
benutzen Seife am Stück? @ 3 Aha. Steht vielleicht so in der Werbung. Ich kenne im Krankenhausbereich nur Waschlotionen. Im Artikel steht, ohne Shampo das funktioniert nicht bei jedem. Und so sollte man es sehen. Hauptsache man stinkt nicht nach ranzigem Körperfett.
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