Magen-Darm-Beschwerden Norovirus-Saison beginnt früh und heftig

Die Noroviren treffen Deutschland dieses Jahr früher als sonst. Aktuell leiden Tausende Menschen unter den hochansteckenden Magen-Darm-Erregern. Die Krankheitswelle dürfte diese Saison besonders stark ausfallen.

Norovirus in der Blutbahn (Illustration)
imago/Science Photo Library

Norovirus in der Blutbahn (Illustration)


Wer sich mit dem Norovirus infiziert, verteilt oft Millionen der Krankheitserreger in seiner Umgebung. Das Tückische: Nur zehn bis hundert der Viren reichen aus, um jemanden anzustecken. Diesen Winter dürfte die Krankheitswelle noch stärker ausfallen als sonst.

Die Noro-Saison habe deutlich früher und heftiger begonnen als in den Vorjahren, berichtet das Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach wurden im November bundesweit mehr als 14.500 Fälle des hochansteckenden Brechdurchfalls registriert. Das sind fast doppelt so viele wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre.

Grund für das besonders starke Auftreten könnte dem RKI zufolge ein neuer Untertyp des Virus sein. Auch in der Vergangenheit hatte sich das Erbgut des Norovirus oft gewandelt, wenn es zu einem frühen Anstieg und außergewöhnlich hohen Erkrankungszahlen kam. Im Prinzip können Infektionen mit Noroviren das ganze Jahr über auftreten. Zwischen Oktober und März sind sie aber besonders weit verbreitet.

Häufiges und sorgfältiges Händewaschen bieten den wirksamsten Schutz vor einer Infektion. Das hochansteckende Virus wird entweder durch den direkten Kontakt mit Erkrankten oder indirekt durch Oberflächen übertragen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte. Dazu zählen verschmutzte Waschbecken, Türgriffe oder Toilettenbecken - aber auch eine Computertastatur oder ein Wasserglas.

Nach etwa zwölf Stunden bis zwei Tagen wird es besser

Noroviren zählen in Deutschland zu den häufigsten Erregern infektiöser Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit vergehen sechs bis 50 Stunden. Die Infektion löst schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle aus. Die Betroffenen leiden unter Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen und fühlen sich völlig matt. Fieber tritt nur selten auf. Nach etwa zwölf Stunden bis zwei Tagen klingen die Symptome wieder ab.

Medikamente oder eine Impfung gegen das Virus gibt es nicht. Wichtig ist vor allem, dem erheblichen Flüssigkeitsverlust entgegen zu wirken. Erkrankte sollten reichlich trinken, zur Not muss die Flüssigkeit löffelweise verabreicht werden. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät zu verdünnten Säften, Brühe oder gezuckertem Tee.

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Elektrolytpräparate aus der Apotheke können dem Körper zudem die verloren gegangenen Mineralien wieder zuführen. Wer essen kann, sollte es mit Zwieback, Salzstangen, trockenem Brot und leichten Suppen versuchen. Unter Umständen kann ein Medikament die Übelkeit unterdrücken.

Noch länger ansteckend

Ist ein Familienmitglied erkrankt, sollte es unbedingt eigene Handtücher benutzen. Außerdem ist es sinnvoll, die Toilette, das Waschbecken, Türgriffe und auch Böden nach dem Benutzen mit Einwegtüchern zu reinigen. Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden.

Auch wenn die Symptome nachgelassen haben, gibt es Verhaltensregeln: Das Magen-Darm-Virus wird noch bis zu zwei Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden, warnen die Ärzte. Daher sollten Betroffene nicht gleich wieder arbeiten gehen, sondern mindestens zwei Tage nach Abklingen der Symptome noch zu Hause bleiben. Auch auf die Toilettenhygiene achtet man am besten weiterhin.

Wenn sich der Allgemeinzustand eines Patienten im Verlauf der Erkrankung verschlechtert, muss ein Arzt hinzugezogen werden. Das Risiko für einen schweren Verlauf ist besonders bei Kindern unter fünf Jahren und Menschen jenseits der 70 erhöht. Bevor man einen Patienten ins Krankenhaus bringt, sei es hilfreich, dort anzurufen, rät die DGVS. Denn mit dem Norovirus infizierte Menschen werden so weit wie möglich isoliert, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

irb/AFP/dpa



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