Überfüllte Rettungsstellen Chef der Kassenärzte fordert Gebühr für Notaufnahmen

Lange Wartezeiten, Personalmangel: Um Rettungsstellen bundesweit zu entlasten, will der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Patienten zur Kasse bitten, die sich dort unnötig vorstellen.

Klinikpersonal in der Notaufnahme (Symbolbild)
DPA

Klinikpersonal in der Notaufnahme (Symbolbild)


Um überflüssige Besuche in der Notaufnahme von Krankenhäusern zu verhindern, will der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, notfalls eine Gebühr von den Patienten verlangen.

"Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde. In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich", sagte Gassen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

"Wenn sich bestimmte Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen", sagte Gassen.

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Seiner Ansicht nach gehört der Großteil der Patienten, der in die Notaufnahme kommt, nicht dorthin. "Ziel muss sein, dass wir nur noch diejenigen in den Notaufnahmen haben, die später auch stationär behandelt werden müssen." Alle anderen müssten ambulant versorgt werden. Dafür sei eine bundesweite Lösung erforderlich.

Bundesweit sind viele Rettungsstellen überfüllt und überlastet. Einer Forsa-Umfrage zufolge waren in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich nur sechs von zehn Patienten, die in Notaufnahmen kamen, tatsächlich akute Notfälle.

Am Freitag sagte Mark Barjenbruch, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen", dass sein Verband schon seit 2016 eine Kostenbeteiligung fordere. "Ich kann mir 50 Euro pro Patient vorstellen", sagte er. "Dieses Geld kann in einen Fonds fließen, um andere Projekte im Gesundheitswesen zu fördern."

lov/dpa

insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
MisterD 15.07.2018
1. Verständlich, aber letztlich eine Frechheit...
woher soll ein Laie wissen, ob sein Problem ernst genug ist oder nicht? Am Ende wird es dazu führen, dass sich arme Menschen nicht mehr in die Notaufnahme trauen, weil 50 EUR für diese Leute sehr, sehr viel Geld ist. 5 EUR fänd ich ok, aber 50???
noalk 15.07.2018
2. Ja die KV
Vielleicht sollte die KV mal dafür sorgen, dass die von ihr vertretenen Ärzte eine funktionierende Notdienst-Regelung außerhalb der üblichen Prxisöffnungszeiten hinbekommen.
tiger56 15.07.2018
3. Gute Lösung
Weil, Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Was bedeutet dieses Verhalten für diejenige die wirklich Notfälle sind. Es gibt einiges was zu lernen gilt.. wenn Eltern hier versagten... dann ist es schade... aber die Allgemeinheit kann nicht dafür auch nicht zur Kasse gebeten werden. Diejenigen die hier zwischen Notfall u. Bagatelle nicht unterscheiden Vermögen... sollten vielleicht sich ihre Kenntnisse auffrischen.;0))
m.ecker 15.07.2018
4.
Eine medizinisch sachverständige Kraft am Empfang, welche in drr Lage ist Notfälle zu identifizieren. Der "Schnupfen" muss eben wieder gehen. Dann würde sich das Problem bald lösen. Wieder Geld zu nehmen bedeutet noch eine Zweiklassenmedizin und die Verwaltung frisst den Profit auf. Deshalb geht 5? nicht, weil die Verbuchung wahrscheinlich 36? kostet. Das Geld kommt ja nicht in die Kaffeekasse sondern muss abgerechnet werden.
krautrockfreak 15.07.2018
5. Generell ist unser Vollkasko-System eine Katastrophe
Wie in fast allen Ländern der Welt müssten auch die Deutschen viel mehr an ihren Krankenkosten beteiligt werden. Wir stecken in einer katastrophalen Entwicklung, allein was es Diabetes-Patienten gibt, rein aus Fehlernährung und Bewegungsmangel. Das kostet uns Milliarden und Abermilliarden und die Ärzte, Apotheker und Pharmaindustrie reiben sich die Hände. "Die Kasse zahlt es ja" höre ich immer wieder, null Anreiz mal selbst was zu machen. Und mein Beitrag steigt und steigt und steigt und....
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