Behandlungsfehler Arzt soll 400.000 Euro an hirngeschädigtes Kind zahlen

Weil ein Gynäkologe Warnzeichen übersehen hat, wurde eine Schwangere zu spät ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr Kind kam deshalb schwerbehindert zur Welt. Jetzt urteilte ein Gericht in dem Fall.

Oberlandesgerichtes in Hamm (Nordrhein-Westfalen)
DPA

Oberlandesgerichtes in Hamm (Nordrhein-Westfalen)


Das Oberlandesgericht Hamm hat einen niedergelassenen Arzt wegen eines Behandlungsfehlers verurteilt und einem heute Neunjährigen ein Schmerzensgeld von 400.000 Euro zugesprochen. Der Gynäkologe habe im Jahr 2008 trotz mehrerer Warnzeichen nicht dafür gesorgt, dass eine Schwangere schnellstmöglich in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, entschieden die Richter (Aktenzeichen 3 U 63/15).

Das Kind kam wegen einer Unterversorgung mit Sauerstoff mit schweren Behinderungen zur Welt und wird immer auf Hilfe angewiesen sein. Das Gericht wirft dem Arzt vor, sich die Herzschlagfrequenz und die Wehentätigkeit zu spät angeschaut und deshalb die sich abzeichnenden Probleme übersehen zu haben. Eigentlich sind Ärzte dazu verpflichtet, sich innerhalb von zwanzig Minuten mit den Untersuchungsergebnissen zu beschäftigen.

Tatsächlich schaute sich der Arzt die Daten laut den Gerichtsermittlungen erst gut 50 Minuten nach der Untersuchung an. Zudem hätte er die Mutter eigentlich so schnell wie möglich in eine nahe gelegene Entbindungsklinik schicken müssen. Stattdessen fuhr die Schwangere zunächst mit dem eigenen Auto nach Hause und erst von dort aus in ein Krankenhaus.

Wegen der "grob fehlerhaften" Behandlung sei das Kind mit einer Verzögerung von 45 Minuten entbunden worden, so die Richter. Das hätte den Hirnschaden mit verursacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im vergangenen Jahr kam es deutschlandweit laut der Bundesärztekammer zu 2200 Behandlungsfehlern. Mindestens 62 Patienten starben an den Folgen.

Im Video: Wenn Ärzte Fehler machen - Wie sicher bin ich im Krankenhaus?

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