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OECD-Bericht: Was Deutsche für Medikamente zahlen

Tabletten-Mix: Obwohl in Deutschland viele Generika verordnet werden, sind die Arzneimittelkosten hierzulande hoch Zur Großansicht
DPA

Tabletten-Mix: Obwohl in Deutschland viele Generika verordnet werden, sind die Arzneimittelkosten hierzulande hoch

Deutschland zählt bei der Versorgung von Kranken zur Weltspitze - und bei den Arzneimittelausgaben. Laut einem OECD-Bericht lagen die Kosten für Medikamente bei 678 Dollar pro Kopf - in Dänemark nur bei 240 Dollar.

Im internationalen Vergleich schneidet das deutsche Gesundheitssystem gut ab: Zu diesem Schluss kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), zu der 34 Staaten gehören, in einem aktuellen Bericht.

Wartezeiten und finanzielle Eigenleistung der Patienten seien gering, zusätzlich hätten sie ausgeprägte Wahlmöglichkeiten. Es gebe eine große Anzahl von Ärzten und Pflegern sowie Krankenhausbetten.

Für die Qualität der Versorgung spreche unter anderem, dass Menschen einen Schlaganfall oft überlebten. Dass aber bei der Vorbeugung noch einiges besser werden könnte, zeige sich an einer hohen Zahl vermeidbarer Fälle von Herzkreislauferkrankungen, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen sowie Diabetes. Zudem ist laut OECD die Zahl der Arztbesuche und Operationen in Deutschland sehr hoch.

2013 lagen die Gesundheitsausgaben in Deutschland bei elf Prozent des Bruttoinlandprodukts - und damit über dem Durchschnitt der OECD-Staaten von knapp neun Prozent.

Insgesamt sind die Gesundheitsausgaben in Deutschland deutlich gestiegen, zeigt der Bericht. Zwischen 2009 und 2013 seien die Ausgaben in Deutschland pro Jahr inflationsbereinigt um rund zwei Prozent gewachsen, im OECD-Durchschnitt dagegen nur um 0,6 Prozent.

Höchste Ausgaben für Arzneimittel

Deutschland gehört laut OECD zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben für Arzneimittel. 2013 lagen die Ausgaben kaufkraftbereinigt bei 678 Dollar pro Einwohner. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt lag bei 515 Dollar pro Einwohner. In Dänemark kommt man mit 240 Dollar pro Einwohner aus. Noch höher als in Deutschland sind die Arzneimittelausgaben laut OECD nur in den USA, Japan, Griechenland und Kanada.

Generika, günstige Nachahmerprodukte, sollen helfen, die Arzneikosten zu senken. In Deutschland werden inzwischen relativ viele Generika verordnet. Im Jahr 2000 machten sie 47 Prozent der verschriebenen Medikamente aus, 2013 waren es 80 Prozent. Damit liegt der Generika-Anteil in Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 48 Prozent.

Die hohen Ausgaben begründet die OECD zum einen mit einigen sehr teuren Präparaten. Zum anderen schluckten die Deutschen relativ viele Medikamente. Beispielsweise werden in Deutschland mehr Blutdrucksenker verschrieben als in allen anderen OECD-Staaten: nämlich 575 Tagesdosen pro 1000 Einwohner pro Tag. In Österreich sind es nur 184.

Auch der kürzlich veröffentlichte Arzneiverordnungsreport kommt zu dem Schluss, dass einige wenige Medikamente die Kosten in Deutschland in die Höhe treiben. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten im Jahr 2014 insgesamt 35,4 Milliarden Euro für verschreibungspflichtige Medikamente - ein Zuwachs von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der verordneten Arzneien stieg allerdings nur um ein Prozent.

Auch bei einigen Operationen liegt Deutschland an der Spitze: Beispielswiese kamen 2013 auf 100.000 Einwohner 283 Eingriffe, bei denen Ärzte ein künstliches Hüftgelenk implantierten. Diese OP wurde nur in der Schweiz noch häufiger (292) und in Österreich (276) ähnlich oft durchgeführt. Im Schnitt von 33 OECD-Staaten gab es pro 100.000 Einwohner lediglich 161 solcher Hüftoperationen.

Alte Ärzte

Eine Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem sieht die OECD beim Ärztenachwuchs. Denn: 42 Prozent der praktizierenden Mediziner sind laut dem Bericht mindestens 55 Jahre alt. Im OECD-Schnitt trifft das nur auf ein Drittel zu. Ausländische Fachkräfte würden immer wichtiger, um den Bedarf zu decken. Zurzeit stammen laut Bericht weniger als zehn Prozent der in Deutschland arbeitenden Ärzte aus dem Ausland - gut die Hälfte von ihnen kommt aus anderen EU-Staaten. Insgesamt haben rund 17 Prozent der in OECD-Staaten praktizierenden Mediziner ihre Ausbildung in einen anderen Land absolviert.

wbr

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1. Mir wurde in NRW ein Mittel verschrieben....
joG 04.11.2015
......bei dem ich für das Rezept 14 Euro und für da Medikament 198 Euro zahlte. In Spanien bekomme ich es ohne Rezept für 46 Euro. In Holland habe ich es gekauft mit Rezept für 17.50 Euro. Beim zweiten Kauf zahlte ich 10,50 Euro, weil man den Preis reduziert, wenn man mehrfach kauft, sagte mit die freundliche Holländerin.
2. Ein Hoch auf die Pharma-Lobby!
r_dawkins 04.11.2015
Gepaart mit der ges. Krankenversicherung ein hervorragendes Feld um der Allgemeinheit staatl. abgesegnet das Geld aus der Tasche zu ziehen!
3. Tatsächlich?
schamot 04.11.2015
Mich hat schon immer gewundert warum ein Medikament in Deutschland das 3-5 fache von dem in Tschechien kostet obwohl es genau das gleiche Medikament ist aus deutscher Herstellung. Eigentlich müßten da noch Transportkosten dazu kommen. Aber man kann das Ganze auch Geldwäsche bezeichnen, mit dem unser Gesundheitssystem über die Krankenkassen die Pharmaindustrie bereichert.
4.
hansdampf01 04.11.2015
Zitat von joG......bei dem ich für das Rezept 14 Euro und für da Medikament 198 Euro zahlte. In Spanien bekomme ich es ohne Rezept für 46 Euro. In Holland habe ich es gekauft mit Rezept für 17.50 Euro. Beim zweiten Kauf zahlte ich 10,50 Euro, weil man den Preis reduziert, wenn man mehrfach kauft, sagte mit die freundliche Holländerin.
Um was für ein Medikament soll es sich denn da gehandelt haben? Klingt ja mysteriös.
5. deutschland das land der wehleidigen oder ?
kratzdistel 04.11.2015
ist doch kein wunder, wenn der deutsche auch führend ist bei der anzahl der arztbesuche. dann noch die vielen gesundheitssendungen. das könnte auch bei mir vorliegen, wird dann schnell gedacht.dabei regelt sich bei entsprechender Lebensweise bzw. ordnungstherapie, wie die naturhelkundler sagen, vieles von selbst. verwunderlich ist der hohe verbrauch an medikamenten kosten in den USA, ob das so stimmt, da die medikamente dort signifikant billiger sind als hier und viele frei verkäuflich sind. die dänen sind ja auch ein zufriedenes Völkchen, während wir bei den überängstlichen auch mit spitze sind. liegt es wohl daran ?
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