Ohrspeicheldrüsenkrebs: Selten, aber tückisch

Tumoren an der Ohrspeicheldrüse, der größten Drüse des Menschen, wachsen häufig im Verborgenen. Erst spät spüren die Betroffenen die ersten Beschwerden. Dann muss immer operiert werden, doch oft kehrt der Tumor nach einer Weile zurück.

Versteckt: Die Ohrspeicheldrüse sitzt vor dem Ohr in der Backe Zur Großansicht
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Versteckt: Die Ohrspeicheldrüse sitzt vor dem Ohr in der Backe

Was bedeutet Ohrspeicheldrüsenkrebs?

Vor dem Ohr, in der Backe, liegt die größte Speicheldrüse des Menschen, im Fachjargon Parotis genannt. Sie ist der häufigste Ort für Speicheldrüsentumoren. Sowohl gutartige als auch bösartige Wucherungen wachsen meist, ohne dass die Betroffenen zunächst Schmerzen spüren.

Das erste Symptom, das Patienten auffällt, ist häufig eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialis): Die Muskeln der betroffenen Gesichtshälfte erschlaffen. Die Patienten können die Stirn nicht mehr runzeln, das Auge unter Umständen nicht mehr vollständig schließen, der Mundwinkel hängt herab.

Der Großteil (70 bis 80 Prozent) der Parotistumoren ist gutartig, höchstens ein knappes Drittel bösartig. Gutartige Wucherungen können auch zu bösartigen entarten.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Die Tumoren müssen immer operiert werden, weil sich auch gutartige Wucherungen zu bösartigen entwickeln können. Die Operation ist wegen des Gesichtsnervs heikel: Er läuft mitten durch die Ohrspeicheldrüse und sollte bei der Operation nicht verletzt werden. Die Parotis selbst wird normalerweise ganz entfernt, wenn der Tumor bösartig ist. Wächst der Krebs bereits in den Fazialis hinein, muss auch der Nerv entfernt werden. Folge ist unter anderem eine Gesichtslähmung.

Bei manchen Patienten ist die Operation damit noch nicht beendet: Unter Umständen müssen die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte noch Lymphknoten am Hals entfernen. Bei dieser sogenannten Neck Dissection werden auch einige Muskeln, Gefäße und Nerven am Hals und eine weitere Speicheldrüse entfernt. Zusätzlich zur Operation bekommen manche Patienten eine Chemotherapie oder werden bestrahlt.

Wie häufig tritt der Krebs auf?

Insgesamt gehören Speicheldrüsentumoren zu den seltenen Krebsarten. An sämtlichen Tumoren der Mundhöhle, zu denen der Parotistumor gehört, erkranken jährlich rund 13.000 Menschen in Deutschland neu. Beim Brustkrebs alleine sind es dagegen 72.000 Neuerkrankungen jährlich.

Wie gefährlich ist Ohrspeicheldrüsenkrebs?

Bei Krebs in Mundhöhle und Rachen liegt die Überlebensrate fünf Jahre nach der Diagnose bei 55 Prozent für Frauen und 47 Prozent für Männer (Zahlen von 2000 bis 2004). Die Prognose hängt unter anderem davon ab, ob der Tumor vollständig entfernt werden kann oder nicht. Speicheldrüsenkrebs hat eine vergleichsweise hohe Rezidivrate, das heißt die Tumoren neigen dazu, erneut aufzutreten.

Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft, Leitlinie Speicheldrüsentumoren (PDF), Robert Koch-Institut, Krebs in Deutschland (PDF),Robert Koch-Institut, Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland (PDF)

dba

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