Organhandel Syrische Flüchtlinge im Libanon verkaufen ihre Nieren

Im Libanon wuchert der Schwarzmarkt für Organe. Als Spender bieten sich zunehmend Flüchtlinge aus Syrien an, getrieben von akuter Armut. Es sind so viele, dass die Preise für Nieren bereits fallen. Der SPIEGEL sprach mit dem Anwerber eines Organhändlerrings.

Flüchtlingscamp: Viele sehr arme und immens reiche Menschen leben im Libanon - ideale Bedingungen für den Organhandel
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Flüchtlingscamp: Viele sehr arme und immens reiche Menschen leben im Libanon - ideale Bedingungen für den Organhandel

Von Ulrike Putz, Beirut


In den Libanon geflohene Syrer sehen sich gezwungen, Organhändlern Körperteile zur Transplantation zu verkaufen. Die Armut unter den Flüchtlingen sei so groß, dass es einen regelrechten Andrang von Verkaufswilligen gebe, sagte ein Anwerber eines libanesischen Organhändlerrings dem SPIEGEL. Die Schwarzmarkt-Preise zum Beispiel für Nieren seien deshalb bereits gefallen.

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Heft 46/2013
Geliebt, bekämpft, verraten

Derzeit würde Spendern 7000 Dollar für eine Niere gezahlt. Die meisten Kunden, die zwischen 12.000 und 15.000 Dollar für eine Niere zahlen sollen, seien Ausländer aus den Golfstaaten, aber auch aus den USA und Europa, so der Mittelsmann. Er selbst erhalte 600 bis 700 Dollar Provision für jedes vermittelte Organ.

Operationen in Untergrundkliniken

Der Libanon bietet ideale Bedingungen für den internationalen Organhandel. Einerseits gibt es - auch dank des Zustroms von inzwischen über einer Million syrischer Flüchtlinge - eine arme Bevölkerung mit akuter Geldnot. Andererseits leben in der Region sehr reiche Kunden. Vor allem aber müssen die Organhändler keine staatlichen Kontrollen fürchten. "Das ist genau die Kombination, die Organhandel blühen lässt", sagt Luc Noel, Transplantationsexperte der Weltgesundheitsorganisation in Genf.

Die Entnahme der Organe werde in Untergrundkliniken durchgeführt, so der Informant. Seine Organisation habe im vergangenen Jahr etwa 150 Nieren an zahlungskräftige Kunden vermittelt. Schätzungen von Organhandel-Experten werden weltweit etwa 5000 bis 10.000 illegale Nierenverpflanzungen vorgenommen.

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insgesamt 34 Beiträge
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Sachsenimker 10.11.2013
1. Angebot und Nachfrage regelt den Preis.
Würden unsere vergangenen FDP-Poliker sagen. Entspricht in etwa der Aussage über die "Verwertung" der Schleckerfrauen. Ich kann sehr gut auf eine solche Marktwirtschaft verzichten!!! Die nakte Fratze des Kapitalismus. Unsere Berliner Politokraten werden "nichts" machen können, sie schauen erst mal... Roth wird aufheulen und dann ....
bürger_prollmann 10.11.2013
2. optional
Tja und auf der anderen Seite geht es um Macht, Einfluss, noch mehr Profit ... vielleicht noch ein ganz klein wenig um irgend eine Ideologie oder Religion.
spon-facebook-10000009156 10.11.2013
3. Daran trägt die westliche Politik eine Mitschuld.
Zitat von sysopAPIm Libanon wuchert der Schwarzmarkt für Organe. Als Spender bieten sich zunehmend Flüchtlinge aus Syrien an, getrieben von akuter Armut. Es sind so viele, dass die Preise für Nieren bereits fallen. Der SPIEGEL sprach mit dem Anwerber eines Organhändlerrings. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organhandel-syrische-fuechtlinge-im-libanon-verkaufen-ihre-nieren-a-932573.html
Das ist die Politik des Westens, es geht nur um Öl und Stabilität damit unser Wohlstand gesichert ist. Daran trägt die westliche Politik eine Mitschuld. Die Weltpolitik schaut hilflos der Gier und Ausbeutung zu, die Gewinner und Verlierer erzeugt, nicht aber Gerechtigkeit und Wohlstand. All die Unruhen und der Terror in der Welt ist auch ein Resultat der heutigen Politik. Es wird nicht die Ursache behoben, die das Böse erzeugt, man bekämpft das Böse.
xoc 10.11.2013
4.
Das muss natürlich mit aller Gewalt verboten und verhindert werden, damit die Flüchtlinge gesetzestreu elendig leiden oder verhungern, statt ihre Niere illegal verkaufen zu können! Mal im ernst, liebe Organhandelkritiker, wie wäre es damit sich dafür einzusetzen, dass die Flüchtlinge ihre Organe *freiwillig* nicht verkaufen *wollen*, statt ihnen auch noch ihre letzte, verzweifelte Möglichkeit an etwas Geld zu kommen verbieten zu wollen?
Hupert 10.11.2013
5. Tja...
Zitat von sysopAPIm Libanon wuchert der Schwarzmarkt für Organe. Als Spender bieten sich zunehmend Flüchtlinge aus Syrien an, getrieben von akuter Armut. Es sind so viele, dass die Preise für Nieren bereits fallen. Der SPIEGEL sprach mit dem Anwerber eines Organhändlerrings. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organhandel-syrische-fuechtlinge-im-libanon-verkaufen-ihre-nieren-a-932573.html
Da ist uns wohl jemand betriebswirtschaftlich um Lichtjahre vorraus... endlich mal praktizierte völlig freie und entfesselte Marktwirtschaft. Vielleicht sollte die FDP im Libanon antreten... neoliberale marktwirtschaftliche Grundsätze scheinen da ja auf fruchtbaren Boden zu fallen.
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