Organspende-Werbung 100 Millionen Euro für nichts

Die Aufklärungskampagne der Bundesregierung für Organspenden hat bereits 100 Millionen Euro verschlungen. Gebracht hat sie wenig, kritisiert die Deutsche Stiftung für Patientenschutz.

Organspendeausweise
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Die Aufklärungskampagnen der Bundesregierung für mehr Organspenden laufen nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz ins Leere. "Seit 2012 wurden zusätzlich 100 Millionen Euro aufgewendet, um alle Krankenversicherten anzuschreiben. Trotzdem gehen die Spenderzahlen zurück", erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Unter anderem hatten die Krankenkassen als Teil der Aufklärungskampagne 2015 knapp 70 Millionen Spenderausweise an Krankenversicherte verschickt.

Derzeit hoffen mehr als 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, die meisten vergebens. Die Zahl der Organspender bewegt sich laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) um plus minus tausend.

"Für Spender und Empfänger ist das System intransparent"

Brysch geht auch nicht davon aus, dass das Transplantationsregister daran etwas ändern wird. Für Spender und Empfänger sei das System intransparent.

Das Register ist eine Reaktion auf den Organspendeskandal von 2012. In dem zentralen Transplantationsregister sollen erstmals Daten von verstorbenen Organspendern, Organempfängern und Lebendspendern zentral zusammengefasst und miteinander verknüpft werden.

Streit um Finanzierung

Unterdessen forderte der SPD-Gesundheitspolitiker und Fraktionsvize Karl Lauterbach mehr Geld für Organspenden. Hier dürfe man "nicht am falschen Ende sparen", sagte er der Funke Mediengruppe. "Gelungene Transplantation spart sehr viel Geld und erspart langes Leid." Lauterbach unterstützte die Forderung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, den Krankenhäusern mehr Geld für Organspenden zur Verfügung zu stellen.

Montgomery hatte gesagt, der Transplantationsskandal von 2012 sei nur ein Grund für das weitere Absacken der Spenderzahlen gewesen. Wesentlich wichtiger seien unter anderem eine ausreichende Finanzierung der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern, der Ausgleich sogenannter Vorhaltekosten für die Organentnahme sowie Angehörigengespräche durch speziell geschultes Personal. "Hier sind die Krankenkassen immer noch ein großer Bremsklotz."

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wehrte sich gegen den Vorwurf. Vorstandsvize Johann-Magnus von Stackelberg sagte: "Die Krankenkassen geben allein für die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken pro Jahr 18 Millionen Euro aus. Für eine Herztransplantation mit der anschließenden Beatmung erhält eine Klinik über 130.000 Euro."

koe/dpa



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