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Organspende: Neuer Chef-Koordinator bei DSO

Von Antje Windmann

Neue Aufgabe für Axel Rahmel: Der Ärztliche Direktor von Eurotransplant übernimmt den Posten des medizinischen Vorstands der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Er wird die Stelle im April 2014 antreten.

Jahrelang koordinierte er die Organvergabe, nun widmet er sich der Organisation der Organspende: Axel Rahmel wird zum 1. April 2014 Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Der Kardiologe, 51, war zuvor acht Jahre lang Medizinischer Direktor von Eurotransplant, der internationalen Organvergabestelle im holländischen Leiden.

Sein persönlicher Leitsatz sei es, sagte Rahmel nach seiner Berufung durch den Stiftungsrat am vergangenen Freitag, "in allen Aufgabenbereichen der DSO nach dem Gebot der Transparenz und Qualität zu handeln". Rahmel ist einer der stärksten Befürworter des nationalen Transplantationsregisters. Mithilfe detaillierter Empfänger- wie Spenderdaten soll die Ergebnisqualität der lebensrettenden Eingriffe verbessert werden.

Die krisengeschüttelte DSO mit Sitz in Frankfurt hatte seit Beginn dieses Jahres der Jurist Rainer Hess interimsmäßig geführt. Seinem Vorgänger Günter Kirste war Misswirtschaft und ein miserabler Führungsstil vorgeworfen worden. Mit Ruhe und Nachdruck hatte Hess die DSO neu aufgestellt, wofür er seither viel Anerkennung erntet. Doch als Jurist ist Hess keine Dauerlösung für die medizinische Stiftung.

Rahmel wurde bereits im vergangenen Jahr als DSO-Chef gehandelt. Er galt als Favorit des damaligen Gesundheitsministers Daniel Bahr. Doch damals sagte Rahmel ab. Er begründete seine Entscheidung offiziell damit, dass er bei ET gebraucht werde. Aus internen Kreisen wurde jedoch laut, seine Entscheidung habe damit zu tun gehabt, dass die einzige Antwort auf seine Fragen nach inhaltlichen Konzepten der Verweis auf sein Gehalt gewesen sei. Aus Mangel an Alternativen hatte der DSO-Stiftungsrat sich daraufhin für die Interimslösung entschieden.

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1. diese stiftung...
imlattig 16.12.2013
gehoert nach den skandalen aufgeloest. hier werden nur noch wenige organe vermittelt aber spitzengehaelter generoes fuer wenig arbeit verteilt. das ist sinn und zweck, sonst haette man eine besser komtrolierte behoerde fuer die organvergabe gegruendet.
2. Neubesetzung
marcain 16.12.2013
Eine Neubesetzung, die auf den ersten Blick Seriosität verspricht. Wie der DSO-Interimschef Rainer Hess hat Prof. Rahmel nicht nur die jahrelange von der Politik geduldete Mißwirtschaft und den fragwürdigen Führungstil des früheren DSO-Chefs aufzuarbeiten, sondern auch diverse Affairen,. Zum Beispiel die strittige Organentnahme in der Universitätsklinik Düsseldorf von 2005, bei der nicht alle notwendigen Protokolle vorlagen. Die Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer nahm sich des skandalösen Falles erst an, als er bereits so gut wie verjährt war. Das Gutachten ging aus wie das Hornberger Schießen. Alle Beteiligten verwickelten sich in gravierende Widersprüche, die nicht aufgeklärt werden konnten. So kann es in Zukunft nicht weitergehen. Der Fall gehört aufgearbeitet und hätte angezeigt werden müssen. Aber man zog es vor, den Mantel des Schweigens über die Affaire auszubreiten. Die Presse bekam den Untersuchungsbericht erst Ende 2012 ausgehändigt. So ist kein Vertrauen herstellbar.
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Organspende und Organtransplantation
Postmortale Organspende in Zahlen
Jeden Tag sterben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan registriert sind. Nach Rückgang und Stagnation in den Jahren 2008 und 2009 ist die Zahl der Organspender 2010 gestiegen. 4205 Organe wurden gespendet. Dennoch warten jährlich 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ.
Hirntod
Der mit dem Tod des Individuums identische endgültige Ausfall aller Funktionen von Groß- und Kleinhirn und Hirnstamm (Organtod des Gehirns), wobei die Kreislauffunktion unter Umständen noch durch künstliche Beatmung aufrecht erhalten werden kann. Besondere Bedeutung hat die Diagnose des Hirntods für die Organentnahme zum Zweck der Transplantation.
Warteliste
Die Wartelisten registrieren alle Patienten, die ein neues Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) im niederländischen Leiden.
Zustimmungslösung
In Deutschland gilt eine Zustimmungslösung: Hier muss zu Lebzeiten, zum Beispiel per Organspendeausweis, das ausdrückliche Einverständnis zur Organentnahme nach einem Hirntod gegeben werden. Ist dies nicht der Fall, müssen die Angehörigen entscheiden - auf Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen.
Widerspruchsregelung
In Ländern wie Österreich, Spanien und Belgien ist jeder Bürger potentieller Organspender - es sei denn, man hat der Organspende zu Lebzeiten schriftlich widersprochen oder die nahen Angehörigen sind dagegen. Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) macht sich gemeinsam mit anderen Landeskollegen, unter anderem dem bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), auch in Deutschland für eine "erweiterte Widerspruchslösung" stark. Danach sollen die nahen Angehörigen eines Toten befragt werden und ein Einspruchrecht bekommen.
Entscheidungregelung
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Amtskollege Volker Kauder machen sich für die Entscheidungslösung stark. Danach fordert der Staat jeden Bürger einmal im Leben, etwa bei der Führerscheinprüfung oder bei der Ausstellung des Passes, zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organspende auf.
Transplantationsgesetz
Gesetz vom 5.11.1997 in der Fassung vom 4.9.2007, das die Entnahme und Verpflanzung (Transplantation) von Organen regelt. Abschnitt 2, "Entnahme von Organen und Geweben bei toten Spendern", legt fest, dass eine Organentnahme nur dann zulässig ist, wenn der Tod des Organspenders nach Regeln, die dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, durch zwei Ärzte festgestellt ist. Mindestvoraussetzung für eine Organentnahme ist die Diagnose des Hirntods. Hat der Spender zu Lebzeiten keine Entscheidung über eine Organspende getroffen, können auch Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Das Transplantationsgesetz enthält außerdem umfassende Bestimmungen zur Organvermittlung und ein Verbot des Organhandels.
Eurotransplant
Eurotransplant ist eine gemeinnützige Stiftung und als solche seit 1967 für die Vermittlung aller Organe zuständig, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kroatien und Slowenien verstorbenen Menschen zum Zweck der Transplantation entnommen werden. Die Organe werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Entscheidend für die Vergabe sind die Kriterien Verträglichkeit, Erfolgsaussicht, Wartezeit und Dringlichkeit.
Ein Mensch kann acht Menschenleben retten
Nach dem Hirntod können einem Menschen bis zu acht Organe oder Organteile entnommen und transplantiert werden: zwei Lungenflügel, zwei Nieren, die Leber, das Herz, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.


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