Organspende-Skandal: Experten fordern Vier-Augen-Prinzip
Der Organspende-Skandal löst eine Debatte über schärfere Kontrollen aus: Ein Gesundheitsexperte fordert, dass Laborergebnisse künftig von zwei Ärzten geprüft werden sollen. Der CDU-Politiker Jens Spahn fordert drastische Strafen für die beteiligten Mediziner.
Berlin - Nach dem Organspende-Skandal in Göttingen mehren sich die Forderungen nach einer strengeren Kontrolle der Patientenakten. Manche fordern, Laborwerte künftig nach dem Vier-Augen-Prinzip zu prüfen. "Bei dem Skandal in Göttingen wurden offenbar Laborwerte verfälscht", sagte etwa Hans Lilie, Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer. "Daher verfolge ich die Idee, dass ein Laborarzt die Daten, die Eurotransplant geschickt werden, noch einmal prüfen sollte", sagte Lilie der "Welt".
Im Mittelpunkt des Skandals steht der frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie. Der 45-Jährige soll Patienten auf dem Papier kränker gemacht haben, als sie sind, damit sie schneller eine Spenderleber zugeteilt bekamen. Der Arzt ist inzwischen suspendiert, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn wegen Bestechlichkeit.
Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik in Essen, warb in der "Welt" ebenfalls für das Vier-Augen-Prinzip: "Es würde die Sicherheit vor Ort und die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Betrügereien erhöhen, wenn zwei Ärzte die Befunde unterschreiben müssten."
Andere zweifeln, dass ein strenges Vier-Augen-Prinzip gezielte Fälschungen verhindern oder aufdecken kann. "Ich bin dagegen", sagte Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Mitglied der Kommission Organtransplantation. "Das ist für manche Entscheidungen nicht günstig und praktisch auch nicht immer machbar." Man müsse, "nicht das ganze System revolutionieren". Stattdessen müssten alle Transplantationszentren darauf überprüft werden, ob dort bisher richtig gearbeitet wurde, forderte Windhorst.
Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn forderte die Kammern und die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) auf, den Skandal konsequent aufzuklären und die Verantwortlichen zu bestrafen. "Da müssen dann halt auch mal Approbationen entzogen werden", sagte Spahn.
Laut "Focus" hat ein Russe 120.000 Euro an die Klinik bezahlt, damit er schneller eine Spenderleber bekommt. Die Bundesärztekammer sei bei ihren Recherchen bei 32 weiteren Fällen auf Manipulationen gestoßen, heißt es weiter. Bei 20 Fällen bestehe der Verdacht, dass erst Fälschungen die Transplantation möglich gemacht haben.
ssu/AFP/dapd
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