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Krankenkasse: Werbung für Organspende scheint zu wirken

Erst seit kurzem verschicken Krankenkassen Aufklärungsmaterial zur Organspende. Der Skandal um manipulierte Transplantationen hatte zuvor das Vertrauen der Bürger erschüttert. Wer das Informationsmaterial bekommt, entscheidet sich offenbar eher für den Spenderausweis.

Nierentransplantation (2007): Forderung nach gesellschaftlicher Diskussion Zur Großansicht
dpa

Nierentransplantation (2007): Forderung nach gesellschaftlicher Diskussion

Berlin - Die Aufklärungskampagne zur Organspende scheint zu wirken. Dennoch ist die Skepsis der Menschen gegenüber der Organspende gewaltig. 88 Prozent finden laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK), der Ablauf müsse transparenter werden. 41 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert, bei 35 Prozent der Bundesbürger ist die Spendenbereitschaft durch die Skandale gesunken.

Mit 31 Prozent der TK-Versicherten hätten zehn Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt einen Spenderausweis, teilt die Kasse außerdem mit. "Die Anschreibewelle hatte Erfolg", folgert TK-Chef Jens Baas. Die TK hatte als erste große Krankenkasse Aufklärungsmaterial an die Versicherten verschickt. Die meisten gesetzlich Versicherten bekommen ihre Post dazu erst noch.

Während 44 Prozent der TK-Versicherten in der vergangenen Woche von ihrer Kasse über die Organspende informiert worden sind, haben in der Umfrage nur acht Prozent aller Befragten von ihrer Versicherung etwas zum Thema erfahren. TK-Chef Baas geht davon aus, dass der Wert auch bei den Kunden anderer Krankenkassen ansteigen werde. Als Reaktion auf die Post hätten sich einige tausend Versicherte mit Fragen an Berater der Kasse gewandt.

Skandale in Regensburg, Göttingen, München und Leipzig

Das Vertrauen der Versicherten in die Organspende ist dennoch ruiniert, die Manipulationen hatten offensichtlich System. Im Regensburger Fall dauern die Ermittlungen seit fast acht Monaten an. Bei mehr als 40 Lebertransplantationen soll getrickst worden sein. Der verdächtigte Chirurg wurde im Januar in Göttingen in Untersuchungshaft genommen, wo er in der Zwischenzeit an der dortigen Universitätsklinik gearbeitet hatte. Hier wird inzwischen auch gegen viele weitere Mitarbeiter der Klinik ermittelt.

Im Münchner Fall soll es über Jahre manipulierte Blutproben gegeben haben, es sollen alkoholabhängige Patienten auf der Warteliste geführt worden sein, die nicht auf der Liste hätten stehen dürfen. Zuletzt kam heraus, dass in Leipzig Patienten auf dem Papier kränker gemacht worden sein sollen, um sie zu bevorzugen.

Ob das alle Fälle waren, ist noch unklar. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, teilt mit: "Nach der neuen gesetzlichen Grundlage wurden bislang 15 Leberprogramme überprüft." Demnach stehen Dutzende Prüfungen noch aus, denn in den fast 50 Transplantationskliniken gibt es meist mehrere Programme zu verschiedenen Organen. Krankenakten werden laut Montgomery medizinisch gründlich studiert und Klinikvertreter befragt. Bei Auffälligkeiten kämen ein Arzt und ein Jurist zum Einsatz.

Merkwürdig: Ärzte allein legen Richtlinien fest

Das Risiko neuer Fälle hält Montgomery im Moment für gering: "Nie war die Transplantationsmedizin sicherer als heute." Bereits 2012 habe es nur noch wenige Manipulationen gegeben. Auch Kassenchef Baas sagt: "Ich rechne nicht damit, dass es demnächst neue Skandale gibt."

Baas kritisierte allerdings, es sei merkwürdig, dass die Ärzteschaft allein die Richtlinien für die Organvergabe festlege: "Dabei geht es um die Grundsatzfrage, ob bei der Vergabe der wertvollen Organe eher Patienten berücksichtigt werden sollen, bei denen die Erfolgsaussicht größer ist, oder jene, die dem Tod nahe sind." Hier gebe es kein Falsch oder Richtig, doch Gesellschaft und Politik müssten das Thema diskutieren.

Fachleute fordern zudem weitere Reformschritte. Bei den zuständigen Staatsanwaltschaften gilt es als fraglich, ob die Manipulation von Daten überhaupt strafrechtlich zu ahnden ist. In Koalition, Opposition und Bundesärztekammer gibt es die Forderung, weniger Kliniken für Transplantationen zuzulassen. Das würde die Konkurrenz untereinander verringern. Der neue Chef der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Rainer Hess, verlangt manipulationssichere Daten.

Das Bundesgesundheitsministerium lässt noch gesetzliche Änderungen prüfen. Es geht um Strafnormen und das Berufsrecht der Ärzte. Ein Rechtsgutachten soll bis Ende April folgen. "Das Ergebnis wird nach Abnahme im Internet des BMG veröffentlicht", heißt es. Dann rückt aber das Ende der Regierungsperiode, in der Gesetze verabschiedet werden können, immer näher.

Sieben Gründe für einen Organspendeausweis
Lesen Sie hier sieben Argumente, wieso jeder Versicherte einen Organspendeausweis ausfüllen sollte, wenn er von seiner Krankenkasse das Informationsschreiben erhält.

Von Basil Wegener, dpa

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insgesamt 188 Beiträge
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1. Organspende vs. Soylent Green
sikasuu 10.03.2013
…Jahr 2022… die überleben wollen – Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%A6Jahr_2022%E2%80%A6_die_%C3%BCberleben_wollen) . Medizinischer Fortschritt beim heilen von Krankheiten, Hygiene als Lebensverlängerung, Seuchenbekämpfung...... alles für mich kein Thema, aber Organspende = Ersatzleile von der gleichen Art? . Erscheint mir verdächtig nah an der Überschrift oben. . Wir scheinen vergessen zu haben, das LEBEN endlich ist, gleich ob mit 5, 15,....... oder 75 Jahren. . Meint Sikasuu
2. optional
asentreu 10.03.2013
31% haben einen Spenderausweis. Toll! Und was haben die 31% angekreuzt? Ich denke mal, zum großen Teil "Nein, ich lehne die Organ- und Gewebespende ab". Ich habe auch einen Ausweis, aber nur damit in einer solchen Situation niemand auf die Idee kommt meine Familie zu fragen und schon vorher geklärt ist, das von mir nichts zu erwarten ist. Organspende ist eh sinnlos, statt sich eine schöne letzte Zeit zu machen ist ein Kumpel von mir auf dem OP- Tisch gestorben, klar man kann es auch überleben, aber zugelächelt Preis? Lebenslang Medikamente bis Oberkante Unterlippe und nach 10 Jahren geht es oft von vorn los, die Spenderorgane versagen den Dienst oder werden abgestoßen. Und dann geht es wieder los das zermürbende Warten auf DEN Anruf. Man sollte lieber malGeld in die Stammzellforschung stecken, wenn wir erst so weit wären Organe zu züchten, bräuchten wir keine ineffektive Leichenfledderei mehr.
3. Ach ja?
andra85 10.03.2013
Zitat von sysopdpaErst seit kurzem verschicken Krankenkassen Aufklärungsmaterial zur Organspende. Der Skandal um manipulierte Transplantationen hatte zuvor das Vertrauen der Bürger erschüttert. Wer das Informationsmaterial bekommt, entscheidet sich offenbar eher für den Spenderausweis. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organspende-werbung-fuer-ausweis-hilft-laut-krankenkasse-tk-a-887949.html
Die Agitations- und Propagandabeiträge sind nutzlos und mögen vielleicht die Kassen der Spiegel-Kommentarschreiber füllen. Ich bekam überflüssigerweise auch Infomaterial (rausgeschmissenes Geld auf Kosten der Beitragszahler!!!) und fühlte mich dadurch in meiner Ablehnung des Gedanken Organspende bestärkt. Also bitte mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben und keine Märchen verbreiten.
4.
Tsardian 10.03.2013
Zitat von asentreu31% haben einen Spenderausweis. Toll! Und was haben die 31% angekreuzt? Ich denke mal, zum großen Teil "Nein, ich lehne die Organ- und Gewebespende ab". Ich habe auch einen Ausweis, aber nur damit in einer solchen Situation niemand auf die Idee kommt meine Familie zu fragen und schon vorher geklärt ist, das von mir nichts zu erwarten ist. Organspende ist eh sinnlos, statt sich eine schöne letzte Zeit zu machen ist ein Kumpel von mir auf dem OP- Tisch gestorben, klar man kann es auch überleben, aber zugelächelt Preis? Lebenslang Medikamente bis Oberkante Unterlippe und nach 10 Jahren geht es oft von vorn los, die Spenderorgane versagen den Dienst oder werden abgestoßen. Und dann geht es wieder los das zermürbende Warten auf DEN Anruf. Man sollte lieber malGeld in die Stammzellforschung stecken, wenn wir erst so weit wären Organe zu züchten, bräuchten wir keine ineffektive Leichenfledderei mehr.
Reden sie doch einfach mal mit de Empfängern von Spendernieren und Co, die werden ihnen sicherlich etwas anderes als "Organspende ist sinnlos" erzählen...
5. Stimmt...
eifelhippe 10.03.2013
Ich habe jetzt auch einen Spenderausweis. Mit einem fetten "Nein" Sicherheitshalber weiss zusätzlich mein gesamtes Umfeld, dass es von mir kein Ersatzteil gibt.
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Fragen und Antworten zur Organvergabe in Deutschland
Welche Organisationen sind an der Organvermittlung beteiligt?
1997 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Transplantationsmedizin in drei finanziell und organisatorisch unabhängige Bereiche aufteilt: Für die Organisation der Organspende ist die Deutsche Stiftung für Organtransplantation (DSO) zuständig. Die Vermittlung der Organe übernimmt die Stiftung Eurotransplant. Die eigentliche Übertragung des Organs auf den Empfänger findet in den bundesweit rund 50 Transplantationszentren statt.
Wie läuft die Zusammenarbeit?
Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf Hirntod, vermittelt ein regionales DSO-Zentrum bei Bedarf unabhängige Neurologen für die Abklärung. Die Stiftung unterstützt die Ärzte außerdem bei der Klärung der Frage, ob der Patient einer Organspende zugestimmt hat oder ob seine Angehörigen dies tun. Dann werden die Daten des gespendeten Organs von der DSO an die Stiftung Eurotransplant übermittelt.
Was ist die Aufgabe von Eurotransplant?
Die Stiftung vermittelt gespendete Organe in sieben europäische Länder mit insgesamt 124 Millionen Einwohnern: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Slowenien. Eurotransplant sitzt in Leiden in Südholland und führt in ihren Wartelisten rund 15.000 Menschen. Zum Vergleich: 2010 wurden in Zuständigkeitsbereich von Eurotransplant knapp 7000 Lebern, Herzen, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen gespendet und eingepflanzt.
Woher bekommt Eurotransplant seine Informationen?
Bei Eurotransplant läuft alles zusammen: die Daten der Menschen, die auf eine Transplantation warten, und die Daten der gespendeten Organe. Die Informationen über die Wartenden kommen von den Transplantationszentren, die Daten über die Organe von der DSO.
Hängt es vom behandelten Arzt ab, welche Informationen zu Eurotransplant gelangen?
Die Ärzte sind an die "Richtlinien für die Wartelistenführung" der Bundesärztekammer gebunden. Danach ist eine Organtransplantation medizinisch geboten, wenn Erkrankungen "nicht rückbildungsfähig fortschreiten oder durch einen genetischen Defekt bedingt sind und das Leben gefährden oder die Lebensqualität hochgradig einschränken". Weiter heißt es in den Richtlinien: "Die Gründe für oder gegen die Aufnahme in die Warteliste sind von dem darüber zu entscheidenden Arzt zu dokumentieren."
Was hat das mit Eurotransplant zu tun?
Entscheidend bei der Auswahl des geeigneten Empfängers sind die Dringlichkeit der Transplantation und die Erfolgsaussichten. Dafür wird etwa bei Lebertransplantationen aus Laborwerten der sogenannte MELD-Score berechnet. Er ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit des erkrankten Menschen, ohne Transplantation innerhalb der nächsten drei Monate zu sterben.
Wie ist es möglich, dass dabei geschummelt wird?
Dazu sagte der Präsident von Eurotransplant, Bruno Meiser, die Zuordnung der Organe sei jederzeit komplett nachvollziehbar. "Werden die Daten aber gefälscht übermittelt, ist auch Eurotransplant hilflos." Aus seiner Sicht kann aber ein Mensch allein nicht betrügen. "Irgendeinem Kollegen muss zumindest aufgefallen seien, dass Laborwerte unrealistische Schwankungen aufwiesen oder Werte nicht zueinanderpassten."

dapd

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