Organspendeskandal Prüfbericht erscheint erst im Herbst

Eigentlich soll der Prüfbericht Missstände bei der Organvergabe an deutschen Kliniken aufklären. Doch obwohl er offenbar fast fertig ist, will die Bundesärztekammer ihn erst nach den Wahlen im Herbst veröffentlichen. Patientenforscher fürchten, dass die Kliniken den Bericht in der Zeit noch weichspülen.

Stress im OP: Spenderorgane sind Mangelware
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Stress im OP: Spenderorgane sind Mangelware


München/Berlin - Eine grobe Fassung scheint schon fertig. Dennoch kommt der Prüfbericht über die Arbeit an den deutschen Lebertransplantationszentren erst im Herbst. Der Bericht ist eine Reaktion auf den Organspendeskandal und soll Missstände bei der Vergabe der Organe aufklären.

Die Bundesärztekammer (BÄK) verschiebe die Vorlage ihrer Untersuchung auf die Zeit nach der Bundestags- und der bayerischen Landtagswahl im September, schreibt das Magazin "Focus". Einzelne Zentren, die den Bericht vor der Endredaktion vorgelegt bekamen, versuchten jetzt, Kritikpunkte zu entkräften.

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz sprach von einem Skandal: "Immer größer werden die Zweifel, ob die Bundesärztekammer das richtige Gremium ist, für einen unabhängigen Bericht zu sorgen. Weder haben die Landtagswahl in Bayern noch die Bundestagswahl etwas mit der Aufarbeitung von Fakten zu tun", erklärte er am Sonntag. Die Patientenschützer forderten, den Prüfbericht "nicht von den Transplantationszentren weichspülen zu lassen".

Der Kammerpräsident Frank Ulrich Montgomery hatte das BÄK-Gremium nach Hinweisen auf Verfehlungen bei der Vergabe von Ersatzlebern vor einem Jahr aktiviert. Ursprünglich wollte er die Ergebnisse vor dem Hochsommer bekanntgeben. Staatsanwälte prüfen Vorgänge im Münchner TU-Klinikum, in Leipzig, Regensburg und in Göttingen. In vielen Fällen sollen Daten gefälscht und Krankenakten verändert worden sein, um Patienten auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben zu schieben.

Bundesweit gibt es 25 Kliniken, die Leberprogramme anbieten. Insgesamt haben rund 50 Kliniken Transplantationsprogramme - manche nur für einzelne Organe, andere für das ganze Spektrum. Nach den Leberprogrammen sollen auch die anderen nach und nach überprüft werden. Die bayerische Regierung hat bereits erste Konsequenzen aus dem Organspendeskandal gezogen und zwei Lebertransplantationszentren geschlossen.

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irb/dpa

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Seite 1
c218605 10.06.2013
1. Dann mal selbst recherchieren!
Zitat von sysopDPAEigentlich soll der Prüfbericht Misstände bei der Organvergabe an deutschen Kliniken aufklären. Doch obwohl er fast fertig ist, will die Bundesärztekammer ihn erst nach den Wahlen im Herbst veröffentlichen. Patientenforscher fürchten, dass die Kliniken den Bericht in der Zeit noch weichspülen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organspendeskandal-pruefbericht-der-baek-erst-im-herbst-a-904710.html
SPON, dann bitte mal selbst eine Woche einen Med.Redakteur z.B. in das Herzzentrum Berlin schicken und ihn/sie dem psychoemotionalen Druck der Patienten, der Angehörigen, dem tägliche Fragen und den Enttäuschungen aller aussetzen. Dazu mal erfahren wie es ist nach Wochen der Hoffnung und Mühe für einen Patienten bei Dienstantritt doch den Totenschein ausfüllen zu müssen. Und das alles ohne jedwede psychologische Betreuung wie schon bei den Ärzten und Schwestern. Obendrein den MDK im Kreuz und die scheinheiligen Besserwisser von der Strasse oder der Boulevardpresse oder den Pöbel. Richtig - unprofessionelle Kollegen haben Patienten "besser gemacht" um an Organe zu kommen. Aber doch nicht gleichwertig Gammelfleischverbrechern um sich zu bereichern! Es war tiefes Mitleid und Menschlichkeit die zum Versagen im Beruf geführt hat. Wer daher Menschen zum Ausfüllen eines Spender-Ausweises auffordern will, sollte eher aus dieser Sichtweise berichten und argumentieren und nicht einfach billig in Wiederholung von Standardphrasen wie "Skandal" glänzen.
AusVersehen 10.06.2013
2. Lächerlich
Zitat von c218605SPON, dann bitte mal selbst eine Woche einen Med.Redakteur z.B. in das Herzzentrum Berlin schicken und ihn/sie dem psychoemotionalen Druck der Patienten, der Angehörigen, dem tägliche Fragen und den Enttäuschungen aller aussetzen. Dazu mal erfahren wie es ist nach Wochen der Hoffnung und Mühe für einen Patienten bei Dienstantritt doch den Totenschein ausfüllen zu müssen. Und das alles ohne jedwede psychologische Betreuung wie schon bei den Ärzten und Schwestern. Obendrein den MDK im Kreuz und die scheinheiligen Besserwisser von der Strasse oder der Boulevardpresse oder den Pöbel. Richtig - unprofessionelle Kollegen haben Patienten "besser gemacht" um an Organe zu kommen. Aber doch nicht gleichwertig Gammelfleischverbrechern um sich zu bereichern! Es war tiefes Mitleid und Menschlichkeit die zum Versagen im Beruf geführt hat. Wer daher Menschen zum Ausfüllen eines Spender-Ausweises auffordern will, sollte eher aus dieser Sichtweise berichten und argumentieren und nicht einfach billig in Wiederholung von Standardphrasen wie "Skandal" glänzen.
Diese Plädoyer klingt wie: "Hatte ein liebloses Elternhaus, wurde als Kind immer geschlagen, die Gesellschaft ist schuld" Ihnen ist offensichtich nicht klar worum es hier geht. Es geht nicht um ein paar veruntreute Spendenkgelder. Hier geht es um ORGANE! Organspender sind Menschen die bereit sind nicht nur Geld, nein Teile von ihnen Selbst abzugeben, um anderen Menschen das Leben zu retten. Und diese Menschen haben das Recht auf die Gewissheit, dass deren Organe nach bestem Wissen und Gewissen verwand werden! Nicht Geld, nicht irgednwelche anderen sächlichen Güter. Es geht um menschliche ORGANE, die veruntreut wurden. "Richtig - unprofessionelle Kollegen haben Patienten "besser gemacht" um an Organe zu kommen. Aber doch nicht gleichwertig Gammelfleischverbrechern um sich zu bereichern!" Lächerlich sowas! Sie verstehen den Unterschied zwischen Gammelfleisch und menschlichen Organen nicht! Und nicht nur das. Die Menschen, denen die Organe vielleicht wirklich zugestanden hätten, was ist aus denen geworden? Tot!?
FranyaHerbst 10.06.2013
3. Vertrauensfördernde Massnahme
Zitat von sysopDPAEigentlich soll der Prüfbericht Misstände bei der Organvergabe an deutschen Kliniken aufklären. Doch obwohl er fast fertig ist, will die Bundesärztekammer ihn erst nach den Wahlen im Herbst veröffentlichen. Patientenforscher fürchten, dass die Kliniken den Bericht in der Zeit noch weichspülen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organspendeskandal-pruefbericht-der-baek-erst-im-herbst-a-904710.html
Tja, das sind alles vertrauensbildende Massnahmen um mehr Organspender zu bekommen. Wenn bei den Empfängern gemauschelt wird, wer garantiert das nicht auch bei den Spendern gemauschelt wird? (siehe taz stellt Strafanzeige gegen DSO-Chef: Falschaussage an Eides statt? - taz.de (http://www.taz.de/!105617/))
c218605 11.06.2013
4. AUFKLÄRUNG ist der Ausgang
Zitat von AusVersehenDiese Plädoyer klingt wie: "Hatte ein liebloses Elternhaus, wurde als Kind immer geschlagen, die Gesellschaft ist schuld" Ihnen ist offensichtich nicht klar worum es hier geht. Es geht nicht um ein paar veruntreute Spendenkgelder. Hier geht es um ORGANE! Organspender sind Menschen die bereit sind nicht nur Geld, nein Teile von ihnen Selbst abzugeben, um anderen Menschen das Leben zu retten. Und diese Menschen haben das Recht auf die Gewissheit, dass deren Organe nach bestem Wissen und Gewissen verwand werden! Nicht Geld, nicht irgednwelche anderen sächlichen Güter. Es geht um menschliche ORGANE, die veruntreut wurden. "Richtig - unprofessionelle Kollegen haben Patienten "besser gemacht" um an Organe zu kommen. Aber doch nicht gleichwertig Gammelfleischverbrechern um sich zu bereichern!" Lächerlich sowas! Sie verstehen den Unterschied zwischen Gammelfleisch und menschlichen Organen nicht! Und nicht nur das. Die Menschen, denen die Organe vielleicht wirklich zugestanden hätten, was ist aus denen geworden? Tot!?
des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ... Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben... Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch*, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat... usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. ... Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Immanuel Kant, 1784 *würde heutzutage wohl Internet dazuzählen
marcain 25.06.2013
5. Verstand?
Zitat von c218605des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ... Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben... Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch*, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat... usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. ... Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Immanuel Kant, 1784 *würde heutzutage wohl Internet dazuzählen
Ja, bedienen Sie sich Ihres Verstandes und lesen Sie, statt Phrasen zu dreschen, Fachliteratur. Dann werden auch sie anfangen zu denken.
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