Osteopathie: Ganzheitliche Heilmethode mit umstrittenen Inhalten

Esoterik oder sanfte Heilkunst? Die Osteopathie erfährt in Deutschland immer mehr Zuspruch, in den USA sind Osteopathen sogar Ärzten gleich gestellt. Was hinter der Theorie steckt und welche Inhalte auch unter Osteopathen umstritten sind.

Mobilisation der Lendenwirbelsäule: Durch die Berührung sollen auch die Selbstheilungskräfte des Körper aktiviert werden Zur Großansicht
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Mobilisation der Lendenwirbelsäule: Durch die Berührung sollen auch die Selbstheilungskräfte des Körper aktiviert werden

Die Osteopathie versteht sich als ganzheitliche Alternativmedizin, die ausschließlich mit den Händen durchgeführt wird: Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass die verschiedenen Strukturen des Körpers wie Muskeln, Knochen, Nerven, Organe, Blut- und Lymphgefäße und Liquorräume eine freie Mobilität brauchen. Nur so können die Organe und die Nervenbahnen richtig funktionieren und der Körper mit Blut versorgt werden. Der Osteopath überprüft die Beweglichkeit im Körper und kann dadurch Funktionsstörungen erkennen.

Osteopathen bezeichnen Gesundheit als ein fragiles Gleichgewicht, das leicht gestört werden kann. Sie glauben an Selbstheilungskräfte im Körper, die der Therapeut mit seinen Händen aktivieren kann.

Die Heilkunde unterteilt sich in drei Bereiche:

- Die viszerale Osteopathie beschäftigt sich mit Organen und ihrer Fixierung im Körper

- Die parietale Osteopathie therapiert vor allem Muskeln, Knochen, Gelenke und Bindegewebe.

- Die kraniosakrale Osteopathie ist besonders umstritten, weil sie die Vorstellung beinhaltet, im Körper gebe es inhärente Rhythmen, die die Vitalität des Menschen steuern, und die es bei Störungen zu "harmonisieren" gilt.

Das Konzept der Osteopathie geht zurück auf den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still, der die Heilmethode vor rund 130 Jahren gründete, nachdem er hilflos zuschauen musste, wie seine Frau und vier seiner Kinder starben. In den USA hat sich die Osteopathie seither so weit etabliert, dass Osteopathen den Titel DO (Doctor of Osteopathy) führen und Ärzten gleichgestellt sind. In Deutschland legen Osteopathen ihren Schwerpunkt hingegen auf manuelle Medizin und beschäftigen sich vor allem mit der Mobilisierung des Bewegungsapparats.

Die umstrittene kraniosakrale Osteopathie geht auf William Sutherland, einen Schüler Stills, zurück. Er beschrieb die sogenannte Respirationsbewegung: Dabei soll es sich um einen übergeordneten Rhythmus handeln, der unabhängig von Herzschlag und Atmung an verschiedenen Körperstellen tastbar sein soll. Selbst praktizierende Osteopathen sagen, dass diese Theorie vermutlich nicht bewiesen werden kann.

In Deutschland können angehende Osteopathen ihr Handwerk sowohl an der Still-Academy als auch am Sutherland-College sowie in zahlreichen anderen Ausbildungsstätten erlernen.

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